17. Oktober 2006 Deutschlands Autofahrer können sich auf weiter fallende Preise in der Autoversicherung freuen. Der Wettbewerb hat sich so verschärft, daß die Branche trotz der Mehrwertsteuererhöhung für das kommende Jahr mit weiter sinkenden Durchschnittsbeiträgen rechnet.
Der Preiskampf läßt nicht nach, sagt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandsmitglied bei der HUK-Coburg. Er rechnet damit, daß der Beitragsrückgang dieses Jahres sich in ähnlichem Umfang im kommenden Jahr wiederholen wird. Die Autoversicherung ist in Deutschland mit Prämieneinnahmen von rund 21 Milliarden Euro die drittgrößte Sparte.
Weiterer Rückgang erwartet
Für 2006 rechnet die Branche mit einem Rückgang der Einnahmen um 4 bis 4,5 Prozent. Zugleich ist die Zahl der versicherten Autos um etwa 0,5 Prozent gestiegen. Das Preisniveau dürfte folglich in der Größenordnung von 5 Prozent gefallen sein. Etwa die Hälfte davon resultiert aus einem demographischen Faktor. Wegen der zunehmenden Alterung erreicht der Durchschnitt der Versicherten einen immer günstigeren Schadenfreiheitsrabatt, weil sich mit der Fahrerfahrung auch das durchschnittliche Risiko verringert, erläutert Manfred Kuhn, Mitglied des Vorstands bei der Hannoveraner VHV.
Sollte sich die durchschnittliche Preisermäßigung im kommenden Jahr tatsächlich wiederholen, wäre das erst recht bemerkenswert. Denn vom 1. Januar an steigt die Versicherungssteuer von 16 auf 19 Prozent und zugleich auch der Mehrwertsteuersatz, was die Schadenaufwendungen der Versicherer - zum Beispiel für Reparaturen und die Versorgung der Unfallopfer - erhöhen wird. Eigentlich müßten die Preise deshalb in der Größenordung von 4 bis 5 Prozent steigen. Erwartet wird aber ein weiterer Rückgang.
Der Aufwand für einen Wechsel ist gering
Von dieser Preisschlacht haben viele Kunden bislang allerdings weniger, als möglich wäre. Denn die Versicherer senken die Prämien im Neugeschäft, in der Regel aber nicht für schon bestehende Verträge. Sie können darauf vertrauen, daß mehr als 90 Prozent ihrer Kunden auch überhöhte Preise akzeptieren und ihre Verträge fortführen. In den meisten Fällen müssen die Versicherten deshalb aktiv werden, um ihre Kosten zu reduzieren. Das ist unterjährig nur möglich, wenn ein Schaden eintritt oder wenn der Versicherer den Preis erhöht. Einmal im Jahr aber, jeweils zum Jahresende, können die Verbraucher ohne einen solchen Grund den Vertrag kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Damit der neue Vertrag zum 1. Januar in Kraft treten kann, muß der alte bis zum 30. November gekündigt sein.
Der Aufwand, der eine Ersparnis von mehreren hundert Euro bewirken kann, ist gering. Wer Fahrzeugschein und alte Versicherungspolice bereithält, kann sich innerhalb weniger Minuten telefonisch über die Prämie bei einem anderen Anbieter informieren. Häufig ist der Wechsel nicht einmal erforderlich. Denn Versicherer, die von der Wechselabsicht ihres Kunden erfahren, sind nicht selten bereit, einen Nachlaß zu gewähren.
Ein hoher Preis steht nicht für Qualität
Verbraucher sollten allerdings nicht nur auf den Preis der Autoversicherung achten. Denn manche Versicherer reagieren auf den Preiskampf damit, daß sie die Leistungen reduzieren. Die Höchstdeckung in der Haftpflichtversicherung sollte zum Beispiel 100 Millionen Euro betragen und nicht auf 50 Millionen Euro begrenzt sein.
In der Kasko-Versicherung - das ist der Teil, der Schäden am eigenen Auto abdeckt - ist es wünschenswert, wenn die Versicherer auf die Einrede grober Fahrlässigkeit verzichten. Fehlt dieser Verzicht, kann das Überfahren einer roten Ampel dazu führen, daß der Versicherer die Leistung nach einem anschließenden Unfall verweigert. Umgekehrt gilt allerdings nicht, daß ein hoher Preis für Qualität steht. Manche Angebote sind mehr als doppelt so teuer wie die günstigsten Tarife, enthalten aber dennoch geringere Leistungen als einige preisgünstige Anbieter.
Text: F.A.Z., 17.10.2006, Nr. 241 / Seite 25
Bildmaterial: AP, F.A.Z., picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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