Tourismus

An der Spree beginnt die Südsee

“Tropical Island“: die Verschiebung der Klimazonen

"Tropical Island": die Verschiebung der Klimazonen

17. Dezember 2004 Ein Urlaub in der Südsee ist nicht mehr zwingend mit 14 Flugstunden verbunden. In die Südsee kann man jetzt mit dem Auto oder der Bahn fahren. Palmen, Sand und Meer gibt es vom 19. Dezember an auch im Spreewald. An diesem Sonntag eröffnet der Freizeitpark Tropical Island in Krausnick-Brand. Krausnick mit seinem Ortsteil Brand liegt etwa 80 Kilometer südöstlich von Berlin, zwischen der Hauptstadt und Cottbus.

Bekannt geworden ist der Ort als eine der großen brandenburgischen Investitionsruinen. Hier hat die einst börsennotierte Cargolifter AG vergeblich versucht, mit den mehr als 300 Millionen Euro der Aktionäre und mit 48,5 Millionen Euro Zuschüssen des Landes Brandenburg das Luftschiff Zeppelin als Transportmittel wiederzubeleben. Der Traum vom Fliegen endete in der Insolvenz.

Tropische Pflanzen in der Investitionsruine

Geblieben ist die mit 360 Metern Länge, 210 Metern Breite und 107 Metern Höhe größte freitragende Halle der Welt. Von dieser hörte der Malaysier Colin Au. Der 55 Jahre alte Manager einer Kreuzfahrtlinie, der früher schon in Asien Freizeitparkkonzepte entwickelt hatte, sah die Möglichkeit, seinen Traum von einem tropischen Freizeitpark zu verwirklichen.

Er erwarb gemeinsam mit dem in London und Kuala Lumpur börsennotierten Lotterie- und Energiekonzern Tanjong die Halle für 17,5 Millionen Euro und füllte sie für weitere 70 Millionen Euro mit weißem Sand und Wasser, mit mehr als 1000 tropischen Pflanzen und mit Restaurants.

Umsatz mit Speis und Trank

Jetzt ist der Park fertig, am dritten Advent um 6 Uhr morgens öffnet sich nicht nur der Spreewald mit dem rauhen ostdeutschen Klima, sondern auch auf 6,6 Hektar (66 000 Quadratmeter) Fläche das Südseeparadies Tropical Islands den Besuchern. Für 20 Euro darf man am Wochenende 4 Stunden Südseeluft, Südseesonne und die Abendschow "Viva Brasil" genießen, in der Woche kostet das Südseegefühl am 300 Meter langen Sandstrand 15 Euro.

Für einen Euro je Stunde kann man das Feriengefühl verlängern, um in den exotischen Restaurants viel zu essen und zu trinken, denn davon will die Tropical Islands Management GmbH in erster Linie leben.

Über 500 Arbeitsplätze

Die Erwartungen sind hoch. 2,4 Millionen Besucher erwartet man im Jahr, damit sich der rund um die Uhr geöffnete Park rechnet. Das sind mehr als 6600 Besucher an jedem Tag des Jahres. In den klassischen Spreewald kamen bisher etwa 4 Millionen Besucher im Jahr zum Bootfahren, Radeln und Wandern.

Die Bevölkerung ist noch gespalten. Die einen freuen sich über die mehr als 500 Arbeitsplätze als Kassierer, Koch und Kellner. Die anderen befürchten Verkehrsprobleme, wenn die Besucher alle mit dem Auto anreisen, wozu es kaum Alternativen gibt.

Pilotprojekt?

Zwar ist das neue Freizeitparadies mit dem Auto leicht über die A13 (Berlin - Dresden) zu erreichen, aber im Ort selbst sind die Straßen noch nicht auf den Massenansturm vorbereitet. Aber das Land Brandenburg will die Verkehrsinfrastruktur schnell anpassen.

Und die Betreiber liebäugeln schon mit dem Bau eines Hotels, weil man bisher nur wenige Übernachtungen in einem Umkreis von 60 Kilometern anbieten kann. Inhaber Au ist vom Erfolg überzeugt und läßt selbstbewußt vom Pilotprojekt sprechen, das im Erfolgsfall an anderen Orten Nachfolger finden kann.

Text: geg., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2004, Nr. 295 / Seite 17
Bildmaterial: picture-alliance, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb, picture-alliance/ ZB, Tropical Islands management GmbH

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