„Ein sehr interessantes Ziel“

Russischer Sistema-Konzern interessiert sich für Infineon

15. Mai 2008 Der russische Mischkonzern Sistema bekundet Interesse für den krisengeschüttelten Chiphersteller Infineon. „Für uns ist Infineon ein sehr interessantes Ziel - vor allem der Bereich Forschung- und Entwicklung“, sagte Sistema-Chef Alexander Gontscharuk dem „Handelsblatt“. Hier seien die Münchner hervorragend. Infineon steht derzeit vor der Neuausrichtung durch die Trennung von der DRAM-Sparte.

Der verlustreiche Halbleiterkonzern aus München steht derzeit im Mittelpunkt von Fusionsgerüchten. Medienberichten zufolge strebt Infineon-Aufsichtsratschef Max-Dietrich Kley ein Zusammenschluss mit einem Konkurrenten an. Vorstandschef Wolfgang Ziebart halte davon aber wenig, hieß es in den Berichten. Infineon hatte sich zu dem angeblichen Konflikt nicht äußern wollen. In der Folge stieg aber der Druck auf Ziebart stark an - die Gerüchte über Ziebarts Ablösung werden immer häufiger (siehe dazu auch: Infineon-Aufsichtsrat verlangt personelle Konsequenzen).

Einst wollte Sistema bei der Telekom einsteigen

Der politisch gut verdrahtete Sistema-Mehrheitsaktionär Wladimir Jewtuschenko zählt zu den reichsten Russen. Anders als die meisten russischen Großkonzerne verdient das in London und Moskau gelistete Unternehmen sein Geld - im vergangenen Jahr bei 13 Milliarden Dollar Umsatz ein Reingewinn von 1,5 Milliarden Dollar - nicht mit Rohstoffen, sondern mit Telekommunikation, Hightech und im Dienstleistungssektor.

Sistema wird vom ehemaligen Chef der Deutschen Telekom, Ron Sommer, beraten; einst hatte der russische Konzern auch Interesse an dem Bonner Telefonriesen gezeigt. Der Versuch bei der Deutschen Telekom einzusteigen, scheiterte damals jedoch an politischen Hürden. Auch im Fall von Infineon sieht Gontscharuk politische Hürden: Der Konzern sei „ein Flaggschiff der deutschen Industrie“, es gehe daher nicht nur „um das Geschäft“. Für den Kauf nur eines Teiles des Konzerns sieht er derzeit wenig Möglichkeiten. Eine vollständige Übernahme macht in seinen Augen keinen Sinn: Mit Blick auf den Kostennachteil einer Produktion in Westeuropa und den Konkurrenzdruck aus Asien sei „der Zeitpunkt nicht gut“.

Dem Bericht zufolge hat Sistema aber schon den Infineon-Aufsichtsrat kontaktiert. Nach Einschätzung Moskauer Analysten verfüge der Konzern auch über die nötigen finanziellen Mittel um eine größere Übernahme im Ausland zu stemmen. Gontscharuk weist konkrete Schritte aber weit von sich: „Wir sind nicht aktiv, wir beobachten, wie sich die Situation bei Infineon entwickelt“.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

 
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