Von Preussag zu TUI

Die Karriere eines Sorgenfalls

04. Mai 2008 Es gab mal eine Zeit in Deutschland, da war Industrie von gestern, und Rohstoffe waren von vorgestern. Dieses Werturteil reflektierten die Börsen, und es färbte auf den deutschen Traditionskonzern Preussag ab. Chef des Mischkonzerns war seit 1994 der Jurist Frenzel, Ziehsohn des West-LB-Chefs Friedel Neuber. Dessen Bank war Großaktionär der Preussag.

Das Duo schmiedet einen Plan: Aus dem Industriekonglomerat soll ein Dienstleister werden. 1997 kauft die Preussag die Mehrheit an der Hapag-Lloyd und bekommt so einen Anteil am Reiseunternehmen TUI. Ein Jahr später folgt der nächste spektakuläre Schritt: Die Preussag trennt sich von ihrer Stahltochter, der heutigen Salzgitter AG, was sich im Nachhinein als ziemlich schlechtes Geschäft erweisen sollte. In den Folgejahren geht es Schlag auf Schlag: Die TUI wird komplett übernommen, der britische Reisekonzern Thomson Travel wird gekauft und der französische Reiseanbieter Nouvelles Frontières.

Fredriksen kann die TUI-Pläne blockieren

Im März 2002 verkauft Frenzel den Anteil an der Kieler Werft HDW und steigt damit aus dem Schiffbau aus. Abgesehen von kleineren Industriebeteiligungen ist Preussag jetzt ein Reise- und Logistikanbieter geworden. Die logische Konsequenz: Seit 2002 heißt Preussag TUI. Die Reste der alten Preussag werden abgestoßen. Frenzel wird als Visionär gefeiert. Doch operativ läuft es schlecht, nicht erst seit dem Attentat auf das New Yorker World Trade Center. Die TUI braucht Geld und plant 2004 den Börsengang der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, in der die Containerschifffahrt gebündelt ist. Der Plan scheitert, er verspricht zu wenig Gewinn angesichts des Börsenumfelds.

Eine neue Strategie muss her: Die TUI kündigt 2005 die Übernahme der Reederei CP Ships für knapp zwei Milliarden Euro an, die mit Hapag-Lloyd verschmolzen wird. Nun lautet die Losung Frenzels: Die TUI ist und bleibt ein Zweisäulenkonzern. Forderungen von Investoren, Hapag-Lloyd zu verkaufen, erteilt er eine Absage. Die Geschäfte laufen immer noch nicht: Die Frachtraten für Container sinken, und der Tourismus gedeiht nicht. Die TUI fusioniert den Großteil der Touristiksparte mit der britischen First Choice zur neuen TUI Travel, die nun von London aus geführt wird.

„Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen“, sagt Frenzel

Im Januar 2008 plant Frenzel die Verschmelzung von Hapag-Lloyd auf die TUI AG. Dies soll die Abspaltung der Reederei verhindern, die von neuen Großaktionären wie dem Norweger John Fredriksen gefordert wird. Frenzel scheitert. Fredriksen verfügt offenbar über verbündete Aktionäre mit einer Sperrminorität von 25 Prozent und kann die TUI-Pläne blockieren. Frenzel beugt sich und betreibt jetzt die Trennung von Hapag-Lloyd. „Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen“, sagte er. Doch dem Norweger reicht das nicht: Er will die Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden. In der kommenden Woche kommt es auf der Hauptversammlung zur Kampfabstimmung.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

 
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