Autoindustrie

VW baut drastisch um

VW-Chef Pischetsrieder kündigt “schnelles und konsequentes Handeln“ an

VW-Chef Pischetsrieder kündigt "schnelles und konsequentes Handeln" an

10. Februar 2006 Volkswagen hat ein tiefgreifendes Restrukturierungsprogramm angekündigt. Davon könnten „in den nächsten drei Jahren bis zu 20.000 Mitarbeiter im direkten und indirekten Bereich der Marke Volkswagen Pkw betroffen sein“, teilte der Konzern am Freitag in Wolfsburg mit. Zu den Schwerpunkten des Programms gehören demnach eine Verringerung der Produktionskapazität sowie eine höhere Produktivität vor allem in den Fahrzeugmontagewerken, eine Senkung der Arbeitskosten und eine „Neuordnung der Komponentenfertigung“. Presseberichten zufolge erwägt VW den Verkauf mehrerer Komponentenwerke.

Mit Hilfe der Umbaumaßnahmen solle das „völlig unbefriedigende Ergebnisniveau der Marke“ angehoben werden, hieß es weiter. Konzernchef Bernd Pischetsrieder betonte zwar, er stehe zum geltenden Tarifvertrag. Demnach sind die gut 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen VW-Werken bis zum 31. Dezember 2011 garantiert. Die Stellen zu erhalten und die Wettbewerbsfähigeit des Unternehmens zu sichern, sei unter den „derzeitigen Rahmenbedingungen“ aber nicht möglich, erklärte der VW-Chef weiter. Deshalb müsse mit Betriebsrat und IG Metall zügig neu verhandelt werden. Pischetsrieder kündigte „schnelles und konsequentes Handeln“ an. Wie genau die angestrebten Ergebnisverbesserungen erzielt werden sollen, sagte er nicht. Dies sei Gegenstand von Verhandlungen und noch nicht festgelegt.

VW will in eine andere Richtung

VW will in eine andere Richtung

Volkswagen hat seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr dank seines milliardenschweren Sparprogramms deutlich gesteigert und die Markterwartungen übertroffen. Der operative Gewinn einschließlich Sondereffekten sei um 70 Prozent auf 2,79 Milliarden Euro gestiegen. Die Dividende für 2005 soll auf 1,15 Euro je Aktie nach 1,05 Euro im Jahr davor angehoben werden.

VW-Aktie steigt deutlich

Die VW-Aktie stieg zeitweise um mehr als sieben Prozent auf gut 54 Euro, den höchsten Stand seit Juni 2002. Schon vor der Veröffentlichung hatten Spekulationen über ein groß angelegtes Sanierungspaket und besser als erwartete Geschäftszahlen den Aktienkurs getrieben.

Derzeit läßt der Konzern Autoteile wie Motoren, Achsen und Getriebe in eigenen Werken in Salzgitter, Braunschweig und Kassel produzieren. Sie arbeiteten teilweise unwirtschaftlich, sagt Pischetsrieder. Vor allem das Werk in Braunschweig gilt als gefährdet. Auch ein Verkauf einzelner Werke wird nicht ausgeschlossen. Der NDR zitierte Unternehmenskreise mit dem Satz: „Das wird eine Dimension erreichen, die alles bisher Bekannte übersteigt.“ Insgesamt arbeiten an den betroffenen Standorten rund 30.000 Menschen.

„Mediengerüchte, die wir nicht kommentieren“

Wie „Focus online“ berichtete, plant Volkswagen angeblich, die Arbeitszeit für die Beschäftigten ohne Lohnausgleich auszuweiten. Im Gegenzug solle auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden, wie im Tarifvertrag festgeschrieben ist. IG Metall-Sprecher Jörg Köther sagte: „Es handelt sich um Mediengerüchte, die wir nicht kommentieren.“ Das Unternehmen sei gefordert, Klarheit zu schaffen. Insbesondere VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hatte in der Vergangenheit immer wieder beklagt, daß die VW-eigenen Werke im Vergleich zu externen Zulieferern viel zu teuer produzierten.

Bernhard hatte Anfang Januar gesagt, es deute sich an, daß viele Bereiche nicht wettbewerbsfähig seien. VW werde in den nächsten Monaten Konsequenzen aus der Analyse ziehen. Dabei gibt es laut Bernhard verschiedene Möglichkeiten - von der Sanierung, der Schließung, dem Zusammengehen mit externen Partnern bis hin zur Veräußerung von Bereichen. Der Gesamtbetriebsrat macht Front gegen einen möglichen Verkauf von Komponentenbereichen. Es ergebe „überhaupt keinen Sinn“, Know-how aus der Hand zu geben, machte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh kürzlich geltend. Stattdessen müßten Entwicklung, Organisation und Fertigung verbessert und strategisch so aufgestellt werden, daß sie im Wettbewerb bestehen könnten.

Der VW-Konzern hat im vergangenen Jahr ungeachtet herber Einbußen in den USA und China mit 5,24 Millionen Fahrzeugen weltweit so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor.Der Konzernumsatz kletterte um sieben Prozent auf 95,2 Milliarden Euro.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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