19. Februar 2008 Der Vorstandschef der Bayern LB, Werner Schmidt, muss seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger an der Spitze der zweitgrößten deutschen Landesbank wird Vorstandsmitglied Michael Kemmer, wie die Bank am Dienstag in München mitteilte. Schmidt hatte überraschend Milliardenbelastungen der Bayern LB aus der amerikanischen Hypothekenkrise veröffentlicht und damit den bayerischen Finanzminister Erwin Huber blamiert. Die Opposition warf Huber Lügen vor.
Die bayrische SPD sieht den Rücktritt Schmidts wegen der Milliardenbelastungen bei der Landesbank als Bauernopfer an. Finanzminister Erwin Huber (CSU) solle schnellstmöglich Schmidts Beispiel folgen, sagte der stellvertretende Landeschef Thomas Beyer am Dienstag. Dieser Schritt kann nicht von dem eklatanten Versagen der bayerischen Staatsregierung und von Finanzminister Erwin Huber im Verwaltungsrat der Bayern LB ablenken. Der Rücktritt lasse auch darauf schließen, dass bei der Bank noch viel mehr unter der Decke gehalten werde, als bisher bekannt sei.
Weitere Abschreibungen möglich
Der Vorstand der Bayern LB hatte am Samstag - offenbar gegen den Willen der CSU - ungewöhnlicherweise nach wochenlangem Schweigen die zweite Pressemitteilung binnen weniger Tage herausgegeben. Darin gibt die Bank zu, insgesamt 32 Milliarden Euro in forderungsbesicherte Wertpapiere investiert zu haben, darunter 4 Milliarden Euro in amerikanische Hypothekarkredite minderer Qualität.
Den am Donnerstag bekanntgegebenen Belastungen aus diesen Anlagen von insgesamt 1,9 Milliarden Euro lägen die Kurse zum 31. Dezember zugrunde, hieß es. Daher ist es möglich, dass die Bank weitere Abschreibungen vornimmt, falls bis zur Bilanzfeststellung weitere Kursverluste erfolgen.
Schmidt hatte lange geschwiegen
Huber und Beckstein gehören seit Jahren dem obersten Kontrollgremium der zweitgrößten Landesbank an. Beide müssen sich am 2. März anlässlich der Kommunalwahlen erstmals seit Übernahme ihrer von Edmund Stoiber übernommenen Ämter dem Wähler stellen.
Schmidt hatte seit Dezember, als die Bayern LB über Abschreibungen von 100 Millionen Euro auf Wertpapiere berichtete, lange geschwiegen. Offenbar folgte der Bank-Chef einer mit Huber getroffenen Abmachung, nach der weitere schlechte Nachrichten von der Bayern LB erst nach der Kommunalwahl veröffentlicht werden sollen. Im Januar hatte Huber wiederholt gesagt, es könne sein, dass die Bayern LB mehr als 100 Millionen Euro werde abschreiben müssen. Genaue Zahlen aber lägen wegen der Umstellung der Rechnungslegung auf die internationalen Bilanzregeln IFRS noch nicht vor. Huber vertröstete die Öffentlichkeit auf den 28. April, den Tag der Bilanzpressekonferenz der Bayern LB.
Sehr viel stärker getroffen - das musste jedem Beobachter klar sein
Jedem Beobachter musste indes klar sein, dass die Bayern LB sehr viel stärker durch die Finanzkrise getroffen ist, als Huber den Eindruck zu erwecken versuchte. Die Bank, die über nur wenige Firmenkreditkunden verfügt, musste schließlich ihren Wertpapierbestand in der Bilanz von 100 Milliarden Euro, der wesentlich aus Einlagen der bayerischen Sparkassen stammt, irgendwo angelegt haben. Dass ein Teil davon in forderungsbesicherten Wertpapieren steckt, war anzunehmen. Ohnehin hat die Bayern LB außerbilanzielle Zweckgesellschaften von 16 Milliarden Euro, die ausdrücklich in die von der Krise stark gebeutelten forderungsbesicherten Wertpapiere investiert haben. Daher gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Spekulationen über einen Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe.
Am vergangenen Dienstag dann kündigte die Bayern LB eine Pressemitteilung an, in der sie Lasten aus der Hypothekenkrise offenlegen wollte. Offenbar auf Intervention von Huber, der kurz zuvor noch geäußert hatte, es gebe keine genauen Zahlen, wurde die Mitteilung verschoben, bis Bank-Chef Schmidt den Verwaltungsrat am Mittwoch außerordentlich informiert hatte. Der Verwaltungsratsvorsitzende, Sparkassen-Präsident Siegfried Naser, sprach von einer Kommunikationspanne.
Text: ham./F.A.Z./FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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