18. Oktober 2006 Der neue Airbus-Chef Louis Gallois erwägt einen Verkauf von Produktionsstätten, um das Unternehmen aus der Krise zu führen. Wir werden alles ohne Scheuklappen prüfen. Dazu gehören auch Lösungen wie bei Boeing, die einige ihrer Werke verkauft haben, sagte Gallois der französischen Zeitung Depeche du Midi in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.
Zugleich sicherte er zu, bei einer Neuverteilung der Produktion auf Hamburg und Toulouse kein Werk zu benachteiligen. Alles wird über Dialog und Abstimmung laufen. Wir lassen niemanden fallen, sagte Gallois der Toulouser Zeitung. Der Sanierungsplan Power8 könne nur in einem Kontext der Gleichheit der Airbus-Gründerländer umgesetzt werden.
Gallois will Aufgaben neu verteilen
Die Zukunft von Airbus steht auf dem Spiel, mahnte der EADS-Co-Chef. Wegen des Dollarverfalls haben wir seit dem Start des A380 20 Prozent Wettbewerbskraft im Vergleich zu Boeing verloren. Die Befehlskette müsse tiefgehend reformiert werden. Man kann nicht länger ein System behalten, das in der Kommandokette von Airbus mit verborgenen nationalen und parallelen Hierarchien arbeitet.
Zwar stünden weder Hamburg noch Toulouse zur Disposition, doch könne man sich fragen, ob keine bessere Aufteilung der Aufgaben vorstellbar sei. Dies werde nun geprüft. Auch die Lieferanten müßten sich anpassen und effizienter werden. Die Stelle eines Airbus-Geschäftsführers soll laut Gallois so schnell wie möglich besetzt werden. Als einziger Kandidat soll nur noch der Eurocopter-Chef Fabrice Brégier im Rennen sein.
Airbus steckt wegen der Lieferverzögerungen beim Super-Jumbo A380 in einer schweren Krise, die Befürchtungen vor einem massiven Arbeitsplatzabbau geweckt hat. Erst am Dienstag hatte Airbus Deutschland bekanntgegeben, daß Verträge mit Zeitarbeitsfirmen nicht verlängert werden sollen. Davon seien rund tausend der insgesamt 7300 Leiharbeitskräfte in Deutschland betroffen.
Druck vom Großkunden
Inzwischen macht Großkunde Singapore Airlines Druck: Die Fluglinie könnte einige ihrer bestellten A380-Jets bei Airbus abbestellen, sollten die Verzögerungen bei der Auslieferung übermäßig lang ausfallen. Die französische Zeitung Les Echos zitiert in ihrer Mittwochausgabe den Singapore-Airlines-Manager Bey Soo Khiang mit den Worten, einige Bestellungen könnten storniert werden, wenn sie zu spät eintreffen.
Der Airline-Manager ergänzte, daß Airbus zunächst einmal seine jüngsten Auslieferungspläne fertig stellen solle. Airbus hatte Anfang Oktober weitere Lieferverzögerungen bei ihrem neu entwickelten Großraumflugzeug angekündigt, so daß sich die Verspätungen nun auf zwei Jahre belaufen. Früheren Angaben zufolge hat Airbus 159 Aufträge für das weltweit größte Passagierflugzeug.
Stephen Forshaw, Sprecher von Singapore Airlines, sagte der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, daß sich die in der Zeitung zitierten Aussagen lediglich auf die bestehende Option im Liefervertrag beziehe, wenn sich die Auslieferungen verzögern sollten. Bislang gebe es keine Entscheidung entsprechende Stornierungsoptionen auszuüben. Sein Unternehmen könne zu diesem Zeitpunkt aber auch keine Optionen ausschließen.
Text: dpa, AFP
Bildmaterial: ddp, picture-alliance/ dpa
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