Zuversichtlicher Dieter Zetsche

Daimler sieht sich vorn

Von Henning Peitsmeier

04. März 2008 Die neue Lastwagenallianz um Volkswagen und Scania lässt die Daimler AG als größten Nutzfahrzeughersteller der Welt ziemlich kalt. Diesen Eindruck erweckte der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche auf dem Genfer Autosalon. Angesprochen auf den neuen Wettbewerber, der ergänzt um MAN in Europa die Nummer eins wäre, sagte Zetsche: „Ich habe noch keine Industrielogik aus dieser Beteiligung mitgeliefert bekommen. Und mit VW hat das alles erst einmal wenig zu tun.“

Bekanntlich hat der Wolfsburger Automobilkonzern am Montag seinen Stimmrechtsanteil an dem schwedischen Lastwagenhersteller Scania auf 68,6 Prozent und den Kapitalanteil auf 37,7 Prozent erhöht und dafür rund 2,9 Milliarden Euro ausgegeben. „Wir sind vor zehn, fünfzehn Jahren einen ähnlichen Weg gegangen“, sagte Zetsche mit Blick auf die eigenen internationalen Beteiligungen in Asien und Amerika. Aufgrund dieser Erfahrungen macht Zetsche für Daimler nun einen Wettbewerbsvorsprung von etwa zehn Jahren aus, weil die Wettbewerber zunächst mehr mit sich selbst beschäftigt seien. Außerdem liege der Zyklus des Nutzfahrzeuggeschäfts bei zehn Jahren.

Lastwagengeschäft läuft rund

Das Lastwagengeschäft läuft bei Daimler ziemlich rund. Erstmals machen die Trucks sogar in der Abschwungphase des Nutzfahrzeugmarktes Gewinne. Zetsche hat deshalb das Renditeziel für die Sparte von 7 auf 8 Prozent angehoben. Dieser Wert soll spätestens im Jahr 2010 erreicht werden. Gleichzeitig müssen sogar noch Mitarbeiter eingestellt werden, mit bis zu 1300 neuen Stellen ist in der Lastwagensparte zu rechnen. Derzeit investiert Mercedes in den Ausbau seiner deutschen Lastwagenwerke 150 Millionen Euro.

Auch im Personenwagengeschäft setzt Zetsche unverändert auf Wachstum. Weil etwa die Nachfolgegeneration der A- und B-Klasse ein zusätzliches Produktionsvolumen von mehr als 100.000 Einheiten erreichen soll, zieht Zetsche ein neues Werk in Russland oder Osteuropa eher in Erwägung, als den bisherigen Produktionsstandort Rastatt weiter auszubauen. „Ein neues Werk ist auch für Rastatt wirtschaftlicher“, sagte Zetsche. Mit der neuen A- und B-Klasse will Daimler künftig eine jüngere Zielgruppe erreichen. Deshalb ist eine Einstiegsversion mit niedrigem Preis geplant, die dann in einem neuen Werk montiert werden könnte. „Das Konzept steht, in einem halben Jahr wird entschieden.“ Die Gefahr, mit der Ausweitung der Modellpalette nach unten auch die Rendite auf Talfahrt zu schicken, sieht Zetsche nicht, die Notwendigkeit, umweltfreundlichere Autos anzubieten dagegen schon.

Operatives Ergebnis verbessert

Derzeit liegt Daimler in puncto Rendite deutlich vor BMW. Im Jahr nach der Trennung von Chrysler haben die Stuttgarter ihr operatives Ergebnis auf 8,7 Milliarden Euro verbessert. Sogar der Konzerngewinn kletterte auf 4 Milliarden Euro, obwohl der Verkauf von Chrysler die Ertragslage mit 2,2 Milliarden Euro belastet hatte. Allein wegen der Kosten für kohlendioxidmindernde Entwicklungen wird Daimler seine Forschungs- und Entwicklungsquote von 4 auf 5 Prozent anheben. Kein Verständnis hat Zetsche für die Maßnahme der französischen Regierung, schwere Neuwagen mit einer Strafsteuer zu belegen.

„Seit Januar erkennen wir deswegen einen negativen Effekt“, sagte Zetsche zu den rückläufigen Verkaufszahlen in Frankreich. Die deutsche Autoindustrie hofft auf einen Kompromiss über die Vorschläge der Europäischen Kommission in Brüssel zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Bislang hatten sich Deutschland und Frankreich mit ihren Positionen unversöhnlich gegenübergestanden. Die Bundesregierung will Hersteller großer Limousinen wie Daimler und BMW bei den geplanten Umweltvorschriften entlasten, Frankreich seinen Herstellern Peugeot, Citroën und Renault Vorteile zubilligen.



Text: F.A.Z., 05.03.2008, Nr. 55 / Seite 14
Bildmaterial: dpa

 
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