Arzneimittelhersteller

Stada auf einen Schlag 130 Millionen Euro mehr wert

Von Thorsten Winter

Spekulations-Objekt: Stada AG in Bad Vilbel

Spekulations-Objekt: Stada AG in Bad Vilbel

24. Juni 2005 Wie der Marktwert eines Unternehmen fast im Handumdrehen um gut 130 Millionen Euro steigt, hat sich am Beispiel der Stada Arzneimittel AG zum Ende der Woche gezeigt. Seit Monaten schon wird der in Bad Vilbel ansässige Hersteller von Nachahmerprodukten (Generika) an der Börse als Übernahmekandidat gehandelt. Gestern nun hat die Konzernspitze die Behauptung zurückgewiesen, nach einem Käufer suchen zu lassen. Gleichwohl wurde die Aktie auch nach dem Dementi um rund zehn Prozent höher gehandelt als am Vortag.

„In verschiedenen Presseberichten wird behauptet, Stada habe ein Mandat zur Suche eines Käufers für das Unternehmen vergeben. Diese Berichte sind falsch und entbehren jeder Grundlage“, teilte Stada kurz nach Handelsbeginn an der Börse mit. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ verbreitet, Stada-Vorstandschef Hartmut Retzlaff habe die Deutsche Bank beauftragt, „einen Käufer zu finden, der etwa zwei Milliarden Euro zahlen soll“. Derzeit wird Stada an der Börse mit gut 1,53 Milliarden Euro bewertet, das ist annähernd das Doppelte des Jahresumsatzes.

Isrealischer Konzern gibt sich ausweichend

Weist Gerüchte zurück: Stada-Chef Hartmut Retzlaff

Weist Gerüchte zurück: Stada-Chef Hartmut Retzlaff

Als möglicher Interessant wurde der israelische Konzern Teva genannt, der angeblich 36 Euro für eine Stada-Aktie biete, die gestern zu etwa 29 Euro gehandelt wurde. Teva ist seit der Übernahme der deutschen Hexal durch die schweizerische Novartis nur noch der zweitgrößte Generikahersteller der Welt und soll den Ehrgeiz haben, sich wieder an die erste Stelle zu setzen. Eine Teva-Sprecherin in Tel Aviv sagte in der Sache zu Reuters: „Wenn wir etwas anzukündigen haben, dann werden wir das offiziell und öffentlich tun.“

Stada selbst äußerte sich in der Mitteilung zu der Spekulation um das vermeintliche Angebot der Isrealis nicht. Darauf angesprochen, meinte ein Konzernsprecher zu dieser Zeitung, man solle nicht im Kaffeesatz lesen. Was es zum Thema Übernahme durch einen anderen Konzern aus Sicht des Vorstands zu sagen gebe, habe Retzlaff bei der jüngsten Hauptversammlung zur Monatsmitte getan.

Der Vorstandschef ist in seiner Rede der Spekulation entgegengetreten, dem Vorstand mangele es an Zutrauen in eine weitere erfolgreiche Eigenständigkeit von Stada. „Natürlich“ werde das Unternehmen angesichts eines fehlenden Großaktionärs und eines entsprechend hohen Streubesitzes sowie aufgrund seiner Erfolgsgeschichte als Übernahmekandidat gehandelt. „Und selbst verständlich würden wir uns bei einem solchen Angebot auch professionell und vorurteilsfrei damit auseinandersetzen und abwägen, welche Stellung wir dazu im Interesse von Aktionären und Mitarbeitern einnehmen sollten.“

Das Dreifache des Jahresumsatzes als Maßstab

Ferner hob Retzlaff hervor, die Hexal-Übernahme als Orientierungsgröße zu nehmen. Novartis habe für den Mitbewerber das Dreifache des von Hexal erzielten Umsatzes bezahlt. „Unsere Stellungnahme im Falle eines Übernahmeangebots würde diese Bewertungen natürlich zu berücksichtigen haben“, so Retzlaff. Das Dreifache des Jahreszumsatzes wären im Fall Stada gut 2,4 Milliarden Euro.

Der Betriebsrat enthielt sich gestern eines eingehenden Kommentars, wie er die Aussicht auf eine mögliche Übernahme bewerte. An der angeblichen Käufersuche sei seines Wissens nach nichts dran. Folglich gebe es auch nichts zu sagen, sagte ein Arbeitnehmervertreter auf Anfrage.

Unter Analysten, die das Unternehmen und dessen Aktie beobachten, gelten die Bad Vilbeler gleichwohl weiter als Übernahmekandidat. Das Unternehmen könnte mittelfristig verkauft werden, meint etwa die DZ Bank. Der deutsche Generikamarkt verändere sich nämlich in Richtung eines stärker angelsächsischen Modells ohne große Vertreter-Teams. Aus der Sicht der NordLB ist Stada ein „attraktives Akquisitionsobjekt für die Pharmakonzerne, die auf dem lukrativen Generikamarkt den Abstand zum neuen Marktführer Novartis verringern wollen“. Außer Teva werden auch Sanofi-Aventis und Johnson & Johnson als mögliche Interessenten genannt. Die Gerüchteküche dürfte mithin nicht so bald abkühlen.

Text: @thwi
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb, Stada

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