Kreditmärkte

Nachfrage nach CDOs versiegt

Von Benedikt Fehr

24. Juli 2007 Die jüngste Krise auf den Kreditmärkten hat zu einem deutlichen Rückgang des Emissionsvolumens bei "Collateralized Debt Obligations" (CDOs) geführt, jedenfalls in Amerika. Das könnte dem Geschäft mit kreditfinanzierten Übernahmen (Leveraged Buyouts) einen gehörigen Dämpfer verpassen. Denn die Kredite, die Finanzinvestoren für solche Übernahmen benötigen, werden zu einem beträchtlichen Teil über die Ausgabe von CDOs refinanziert.

Nach einem Bericht der amerikanischen Großbank JP Morgan wurden in den ersten drei Wochen des Juli in den Vereinigten Staaten nur CDOs im Gesamtvolumen von 3,7 Milliarden Dollar ausgegeben - gegenüber fast 37 Milliarden Dollar im Gesamtmonat Juni (siehe Grafik). Dahinter steht, dass sich die institutionellen Investoren, welche die unterschiedlichen CDO-Tranchen normalerweise kaufen, angesichts der allgemeinen Unsicherheit über die Werthaltigkeit dieser Papiere zurückhalten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg benötigen die Finanzinvestoren in den kommenden Monaten mindestens 300 Milliarden Dollar an Krediten, um zugesagte Übernahmen zu finanzieren.

Die Zurückhaltung der Kreditgeber hatte den Finanzinvestor Cerberus unlängst gezwungen, die Risikoprämie für mehrere Milliarden Dollar an Krediten, die zur Übernahme des Autokonzerns Chrysler benötigt werden, von 275 auf 300 Basispunkte zu erhöhen. "Die Risiken werden neu bewertet", kommentiert Thorben Kremers, ein Kreditstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Dies markiere aber auf der fundamentalen Seite noch keine Wende im Kreditzyklus. In Europa verläuft das CDO-Geschäft laut JP Morgan ohnehin noch auf hohen Touren: In den ersten drei Juliwochen wurden hier CDOs im Gesamtvolumen von 12,6 Milliarden Dollar begeben, fast so viel wie im gesamten Monat Juni.

Blackstone berät Basis Capital

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat das Hedge-Fonds-Unternehmen Basis Capital den Finanzinvestor Blackstone als Berater engagiert. Blackstone soll verhindern helfen, dass zwei Hedge-Fonds von Basis Capital Vermögenswerte zu ungünstigen Preisen ("adverse prices") verkaufen müssen. Die Fonds sind offenbar nicht mehr in der Lage, Kredite der Banken mit genügend Sicherheiten zu unterlegen.

Ein von den kreditgebenden Banken erzwungener Verkauf der Basisvermögenswerte könnte die Nervosität an den Kreditmärkten weiter steigern. Denn bislang gibt es für viele CDO-Tranchen keine Marktpreise; das ermöglicht es den Investoren, die diese Papiere halten, vergleichsweise günstige Buchwerte, die aus mathematischen Modellen abgeleitet werden ("marked to model"), anzusetzen. Sollte es nun durch die Zwangsverkäufe zu Marktpreisen für diese Papiere kommen, könnte dies zahlreiche andere Investoren zu Abschreibungen zwingen - und möglicherweise weitere Zwangsverkäufe auslösen. Blackstone berät bereits zwei angeschlagene Hedge-Fonds von Bear Stearns; um Zwangsverkäufe und deren Folgen für den Gesamtmarkt zu vermeiden, hatte Bear Stearns einem der Fonds seinerzeit ein großes Darlehen gewährt.



Text: F.A.Z., 25.07.2007, Nr. 170 / Seite 18

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche