Automobilindustrie

Ford greift in Amerika hart durch

Konzernchef Bill Ford Jr. saniert schneller als geplant

Konzernchef Bill Ford Jr. saniert schneller als geplant

07. Dezember 2005 Der Autokonzern Ford will offenbar innerhalb von fünf Jahren mindestens zehn Autofabriken und Teilewerke schließen und 25.000 bis 30.000 Arbeiter-Stellen in Nordamerika streichen. Einen entsprechenden Sanierungsplan wollen die Ford-Manager am Mittwoch dem Verwaltungsrat präsentieren, berichtet die Zeitung „Detroit News“.

Damit wäre fast jede fünfte Stelle in Nordamerika und Kanada betroffen. Die Kürzungen gingen viel weiter als erwartet. Konzernchef Bill Ford Jr. hatte bereits angekündigt, wie wichtig ihm die Sanierung des nordamerikanischen Autogeschäfts ist. Die Veröffentlichung seines Plans war erst für den 23. Januar erwartet worden.

Henderson wird GM-Finanzvorstand

Konkurrent General Motors will in Nordamerika ebenfalls 30.000 Stellen streichen. Beide Unternehmen verbuchten im Heimatmarkt zuletzt hohe Verluste. GM hat unterdessen auf die fortdauernde Krise mit Veränderungen im Management reagiert, sich dabei allerdings nicht an die oberste Konzernspitze gewagt.

Fritz Henderson, der bisherige Chef des Europa-Geschäfts von GM, löst überraschend Finanzvorstand John Devine zum Jahreswechsel ab. Der schwer in der Kritik stehende Vorstandsvorsitzende Rick Wagoner kann sich damit aber vorerst auf seinem Posten halten.

Henderson wird schon seit einiger Zeit als potentieller Nachfolger von Wagoner gehandelt. Er hat sich mit dem im vergangenen Jahr eingeleiteten Sanierungsprogramm in Europa einen Namen gemacht und stand zuvor an der Spitze mehrerer anderer Auslandsgesellschaften. Seinen Posten in Europa wird sein bisheriger Vize Carl-Peter Forster übernehmen.

Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen angekündigt

Der Wechsel von Henderson in die Konzernzentrale kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem das Amerika-Geschäft tief in der Krise steckt. GM hat auf dem Heimatmarkt in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Verlust von mehr als 4 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Das Unternehmen verliert hier Marktanteile und leidet unter hohen Kosten. Wagoner hat einige Sanierungsschritte eingeleitet, die angeblich schon die Handschrift Hendersons tragen. GM hat den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen angekündigt und den Gewerkschaften Zugeständnisse bei den Sozialleistungen abgerungen.

Das eigentliche Autogeschäft läuft aber unverändert schlecht. In Europa muß nun Forster für bessere Ergebnisse des Autogeschäfts sorgen. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren, als Ferdinand Beickler bis 1987 an der Opel-Spitze stand, überlassen die Amerikaner wieder einem Europäer die Führung der Marken Opel, Saab und Vauxhall.

Text: lid./hpe., F.A.Z., 8.12.2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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