Der internationale Kernfusionsreaktor wird in der südfranzösischen Ortschaft Cadarache gebaut.
Dies beschlossen die sechs Partner des Projekts für den Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor (Iter), wie die EU-Sprecherin Antonia Mochan mitteilte. Dazu gehören neben der Europäischen Union auch die Vereinigten Staaten, Japan, China, Rußland und Südkorea. Gegen den Vorschlag der EU für Cadarache hatte sich auch Japan um den Iter-Standort beworben.
Anfang Mai hatten sich die EU und Japan in einem so genannten technischen Abkommen geeinigt, daß das Gastgeberland die Hälfte der auf 4,6 Milliarden Euro geschätzten Baukosten tragen soll. Das Nicht-Gastgeberland wird dagegen zehn Prozent der Kosten zu zahlen haben und das Iter-Management leiten. Insgesamt soll das Projekt 9,6 Milliarden Euro kosten. Die neue Technik kann angeblich bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Das Iter-Projekt hat zum Ziel, in den nächsten 35 Jahren eine saubere und unerschöpfliche Energiequelle zu erschließen. Bei der Kernfusion sollen Wasserstoffsorten verschmolzen werden, wobei sehr große Energien frei werden.
Der französische Präsident Jacques Chirac hatte bereits Anfang Mai erklärt, der Iter werde in Cadarache errichtet. Damit hatte er in Japan Verärgerung ausgelöst.
Die Regierung in Tokio setzt derzeit aber unter anderem auf Frankreichs Unterstützung bei einem wichtigen außenpolitischen Ziel: einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Wir schreiben heute Geschichte, was die internationale Forschungskooperation betrifft, sagte der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, Janez Potocnik. Nun müßten die Details der Vereinbarung geklärt werden, damit der Bau so schnell wie möglich beginnen könne.
Chirac begrüßte die Iter-Entscheidung am Dienstag in Paris. Die Wahl des südfranzösischen Ortes Cadarache sei ein großer Erfolg für Frankreich, für Europa und für alle Iter-Partner, erklärte Chirac am Dienstag in Paris. Der Staatschef will den geplanten Standort am Donnerstag besuchen.
Stichwort: Kernfusion
Die Kernfusion könnte zur Energiequelle der Zukunft werden, wenn sich das Forschungsprojekt Iter erfolgreich entwickelt. In dem Kernfusionsreaktor sollen ähnlich wie bei der Energiegewinnung der Sonne Atomkerne miteinander verschmolzen werden. Bei Temperaturen von etwa 200 Millionen Grad wird Deuterium (schwerer Wasserstoff) mit radioaktivem Tritium (überschwerer Wasserstoff) verschmolzen. Dabei entsteht das Edelgas Helium und Energie in Form von Wärmestrahlung. Die bei der Fusion entstehenden Neutronen verstrahlen nur das Wandmaterial des Reaktors, es fällt aber ansonsten kein Atommüll an.
Text: FAZ.NET mit Material von AP, AFP und Reuters
Bildmaterial: AP, dpa, ITER
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