Automobilindustrie

Karmann baut rund 1800 Stellen ab

Die guten Zeiten sind vorbei. 1974 lief in Osnabrück der letzte Karmann Ghia vom Band

Die guten Zeiten sind vorbei. 1974 lief in Osnabrück der letzte Karmann Ghia vom Band

01. Oktober 2007 Der Cabrio-Spezialist Karmann streicht in Deutschland 1770 Stellen und schließt auch eine Aufgabe des Fahrzeugbau-Bereichs nicht mehr aus. Die Arbeitsplätze sollen bis Herbst 2008 an den Traditionsstandorten Osnabrück und Rheine wegfallen. „Es gibt einfach keine Aufträge im Komplettfahrzeugbau“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Karmann hat weltweit 7000 Beschäftigte. Bereits im vergangenen Jahr waren wegen einer Auftragskrise 700 Jobs gestrichen worden.

Im westfälischen Rheine sollen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres rund 900 der bestehenden 1000 Arbeitsplätze wegfallen. Innerhalb der kommenden zwölf Monate sollen zudem am Hauptsitz Osnabrück 870 der 4000 Stellen gestrichen werden.

Schließung des Fahrzeugbaus nicht ausgeschlossen

In Rheine läuft im Jahr 2008 die Produktion des Audi A4-Cabrios aus

In Rheine läuft im Jahr 2008 die Produktion des Audi A4-Cabrios aus

Für 2009 schließt das Unternehmen, das mit dem legendären Karmann Ghia und als Hersteller des VW Käfer Cabriolets Weltruf errungen hatte, auch eine komplette Aufgabe des Unternehmensbereichs Fahrzeugbau nicht aus.

Karmann baut neben Komplettfahrzeugen wie etwa Chrysler Crossfire oder Mercedes CLK im Auftrag der Markenhersteller vor allem auch Dachsysteme für Cabrios und betreibt eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Während die Dachsystem-Fertigung stark wächst, habe es für Komplettfahrzeuge seit Jahren keine neuen Aufträge mehr gegeben, sagte der Firmensprecher. Die Fahrzeughersteller bauten die für Karmann interessanten Sonderfahrzeuge wie Cabriolets oder Sport- Coupés inzwischen vollständig in eigenen Werken.

Produktion des Audi A 4 Cabriolet läuft aus

Im Werk Rheine wird der Fahrzeugbau bereits nach dem Auslaufen der Produktion für den Audi A 4 Cabriolet geschlossen und nur noch eine Restproduktion für Dachsysteme aufrechterhalten. Ziel sei es, die Produktionsstrukturen so zu erhalten, dass etwaige neue Aufträge wieder angenommen werden können, sagte der Firmensprecher.

Die Aufträge für Komplettfahrzeuge in Osnabrück laufen nach Angaben des Unternehmens Ende 2008 aus. Wenn es nicht gelinge, bis zum 1. Juli 2008 einen Nachfolgeauftrag für die Produktion zu gewinnen, sei die Schließung des Fahrzeugbaus wahrscheinlich im Jahr 2009 möglich. Allein dieser Unternehmensbereich zählt derzeit noch 2000 Beschäftigte am Hauptsitz. Im Geschäftsjahr 2006 machte der Autobauer einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro, für das Jahr 2007 hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Harbig, einen Einbruch auf 1,4 Milliarden Euro angekündigt.

IG Metall reagierte überrascht

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte den von der Entlassung bedrohten Mitarbeitern spontan Unterstützung zu: „Das Land ist vor dem Hintergrund der großen Strukturumbrüche bereit, mit erheblichen Mitteln die Weiterqualifizierung und Vermittlung der Beschäftigten in andere Arbeitsplätze zu fördern.“ Er appellierte an die deutschen Autohersteller, die „Innovationsschmiede“ Karmann zu sichern. „Die deutschen Automobilhersteller müssen sich sorgfältig überlegen, ob sie eine ingenieurtechnische Perle wie Karmann gegebenenfalls ausländischen Unternehmen in die Arme treiben und sich damit selbst langfristig starke Konkurrenz schaffen wollen.“

Der Chrysler Crossfire wird noch bis zum ersten Quartal 2008 in Osnabrück gebaut...

Der Chrysler Crossfire wird noch bis zum ersten Quartal 2008 in Osnabrück gebaut...

Die IG Metall reagierte überrascht auf die Pläne. Der 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Osnabrück und Karmann- Aufsichtsrat, Hartmut Riemann, nannte die Nachricht „einen heftigen Schlag“ für die Belegschaft. Überraschend sei vor allem die hohe Zahl der zu streichenden Stellen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und dem Betriebsrat sei am Vormittag die Belegschaft informiert worden. „Wir versuchen jetzt, zu retten, was zu retten ist“, sagte Riemann.

Text: dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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