Sony-BMG, der zweitgrößte Musikkonzern der Welt kündigt ein neues Abonnement-Angebot und Kooperationen mit Handyherstellern an. Im Interview mit der F.A.Z. spricht Rolf Schmidt-Holtz, wie er so die Talfahrt der Musikbranche stoppen will.
Erstaunlich gut wird es weitergehen für uns. Weil wir mittelfristig durch attraktive digitale Angebote und neue Geschäftsmodelle wieder Wachstum sehen werden. Und weil wir fantastische Künstler haben - Etablierte wie Newcomer. Nehmen Sie nur Leona Lewis dieses Jahr. Deshalb geht es Sony-BMG sehr gut. Wir haben den Gewinn im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesteigert, obwohl der Musikmarkt letztes Jahr weltweit um etwa 10 Prozent geschrumpft ist.
Für uns sehr gut. Aber der CD-Absatz im Markt fällt mindestens genau so stark wie im vergangenen Jahr.
Das ist die Hunderttausend-Dollar-Frage. Ich erwarte, dass die Branche noch zwei bis drei Jahre schrumpft, sich dann stabilisiert und danach wieder wächst.
Wir haben viele Ideen. Zum Beispiel ein Abonnement-Angebot im digitalen Musikvertrieb, an dem wir zur Zeit arbeiten. In der einfachsten und vielleicht attraktivsten Variante wäre das eine Art Musikflatrate für alle Mp3-Spieler inklusive den iPod: Für einen monatlichen Beitrag steht Ihnen die gesamte Musikwelt offen. Mit der Musikflatrate bekommen Sie alles von uns - vom brandneuen Charthit bis zu Beethoven.
Wenn Sie das Abonnement nicht verlängern, wird natürlich auch der Musikzugang gesperrt. Es wäre aber sogar vorstellbar, dass die Kunden die Musik teilweise eben nicht nur anhören können, sondern auch einige Titel downloaden und damit besitzen. Sie können sich so eine digitale Musiksammlung aufbauen.
Sechs bis acht Euro im Monat sind realistisch. Das ist halb so viel, wie eine CD kostet. Und bedenken Sie: Am Ende des Jahres würden Ihnen zusätzlich 40 oder 50 Lieder gehören.
Wenn es genügend Interessenten gibt, ja. Unsere Marktforschung zeigt, dass eine große Zahl von Kunden ein solches Angebot attraktiv findet.
Wenn alles glatt läuft, kann es klappen. Wir führen Gespräche.
Das Angebot wird umso attraktiver, je größer die Musikauswahl ist. Ich sage nicht, dass es uninteressant wäre, wenn wir es allein machen. Aber es wäre sicher nicht so spannend.
Apple ist ein sehr starker Partner für uns. Wir reden mit Apple, so wie wir mit vielen anderen Unternehmen auch reden.
Der Marktanteil ist riesig. Andererseits hat Apple ein tragfähiges digitales Geschäftsmodell für den Musikmarkt entwickelt, und davon profitieren wir beide.
Das wäre gegenwärtig nicht in unserem Interesse, und wenn wir es vorhätten, würde ich es Ihnen nicht sagen.
Verglichen mit den Margen im CD-Geschäft, ist unsere digitale Gewinnspanne gut. Aber wir können trotzdem nicht glücklich mit den heutigen Preisen sein. Sie spiegeln den Wert der Musik nicht ausreichend wider. Unsere Marktforschung zeigt, dass die Kunden bereit sind, für die richtige Musik mehr zu zahlen. Und wir werden versuchen, dies durchzusetzen.
Zum Beispiel gibt es die Kooperation Comes with Music, die Universal Music mit Nokia abgeschlossen hat. Wer ein bestimmtes Handy kauft, zahlt einen einmaligen Aufpreis und hat somit unbegrenzten Zugang zur Musik. Man bezahlt also für die Musik im Paket mit einem Mobiltelefon. Das ist eine große Wachstumschance für die Musikindustrie.
Noch nicht. Wir haben ein Gesamtkonzept und reden nicht nur mit Nokia, sondern mit zahlreichen Handyherstellern und Netzbetreibern. Sie werden sehr bald von uns hören.
Wir reden mit vielen Anbietern.
Zunächst einmal: Der CD-Markt ist nicht tot. Er schrumpft, aber die Leute sind zum Beispiel noch immer bereit, für eine Premium-CD einen Premiumpreis zu bezahlen. Außerdem schließen wir immer mehr sogenannte 360-Grad-Verträge mit unseren Musikern ab. Das heißt, wir partizipieren auch an deren Konzert- und Merchandisingeinnahmen. Wir wollen zudem regional expandieren, vor allem in Indien und China. In Indien zum Beispiel ist das Geschäft mit Soundtracks vielversprechend.
Das funktioniert besser als ursprünglich erwartet. Wir haben heute 252 dieser sogenannten 360-Grad-Verträge mit unseren Künstlern. Das hätte ich mir vor anderthalb Jahren, als wir damit anfingen, nicht träumen lassen.
Ja, aber wir machen auch mit etablierten Künstlern neue Verträge, die etwa das Merchandising einschließen. Mit Il Divo zum Beispiel. Wir schließen jedes Jahr mehr solche Verträge und verdienen daran auch schon etwas Geld. In zwei bis drei Jahren werden wir etwa ein Viertel unseres Geschäfts auf diese Weise machen - also jenseits des reinen Tonträgergeschäfts.
Das bereitet mir wirklich keine schlaflosen Nächte. Ich bin mir sicher, dass die großen Musikkonzerne - und wir sind weltweit die Nummer zwei - weiter gebraucht werden. Ein Künstler ist eine Marke, und diese aufzubauen und zu pflegen ist nicht einfach. Die allermeisten erfolgreichen Musiker, die es ohne Majors versucht haben, sind gescheitert und zurückgekehrt.
Namen nenne ich nicht. Aber ich sage Ihnen: Es braucht harte Arbeit, einen Newcomer zum Star zu machen, und ebenso harte Arbeit, damit sich das neue Album eines Superstars so gut verkauft wie sein vorheriges. Deshalb bleiben 99 Prozent der großen Stars bei uns.
Definitiv. Er war immer begeistert, wenn bei Bertelsmann-Veranstaltungen Sony-BMG-Künstler aufgetreten sind.
Unternehmen, die an die Musik und ihre digitale Zukunft glauben.
Zur Zeit glauben Vivendi, Sony, Bertelsmann daran und offensichtlich auch Finanzinvestoren.
Der Musikverlag von Bertelsmann war nie Teil von Sony-BMG; sein Verkauf betrifft uns nicht. Wir verdienen Geld mit Tonträgern, ein Musikverlag mit Autorenrechten, also zum Beispiel mit den Tantiemen für die Musik, die im Radio läuft.
Wir hätten gerne beides zusammen unter unserem Dach, denn das ermöglicht uns eine breitere und engere Zusammenarbeit mit unseren Künstlern und Produzenten. Unsere beiden Eigentümer Sony und Bertelsmann reden zur Zeit darüber. Wir sind optimistisch, dass wir im Verlagsgeschäft bald aktiv werden können.
Natürlich, wir müssen das Geschäft neu aufbauen.
Das Gerücht ist falsch. Im Gegenteil, Sony unterstützt uns.
Im Moment macht mir meine Arbeit großen Spaß.
Das sage ich Ihnen heute noch nicht, aber es wird interessant bleiben.
Das Gespräch führte Marcus Theurer.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Andreas Pein
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| SDAX | 4.140,69 | 0,00% |
| REX | 388,67 | −0,04% |
| Eurostoxx 50 | 2.731,27 | −0,79% |
| Dow Jones | 10.467,20 | −0,29% |
| Nasdaq 100 | 1.860,30 | −0,66% |
| S&P500 | 1.101,53 | −0,42% |
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| Rohöl Brent Crude | 77,08 $ | −0,35% |
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