Auto-Allianz

Porsche übernimmt die Mehrheit an VW

Von Susanne Preuß

03. März 2008 Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche wird die Mehrheit an Volkswagen übernehmen. Die Erlaubnis, für rund zehn Milliarden Euro VW-Aktien zu kaufen und damit den Anteil von derzeit gut 30 auf über 50 Prozent zu erhöhen, hat der Aufsichtsrat von Porsche dem Vorstand am Montag in einer Sondersitzung erteilt. Porsche will mit dem Kauf der VW-Aktien aber warten, bis die Kartellbehörden der EU sowie weiterer 15 Länder ihre Zustimmung erteilt haben. Das dürfte einige Monate dauern.

In Stuttgart entsteht somit neben der Daimler AG ein noch größerer Automobilkonzern: Mit der VW-Beteiligung wird Porsche die Mehrheit am größten europäischen Autohersteller haben. Mittelbar wird Porsche auch zum Lastwagenhersteller. Denn VW hat am Montag mitgeteilt, für knapp drei Milliarden Euro die Kontrolle am schwedischen Scania-Konzern zu übernehmen (siehe dazu auch: VW kauft sich mehrheitlich bei Scania ein). Zweiter großer VW-Aktionär bleibt das Land Niedersachsen. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kündigte eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem künftigen Mehrheitsaktionär an: „Bisher hat Porsche bei VW eine sehr positive aktive Rolle mit automobilem Sachverstand gespielt.“

Wiedekings Vision: „Eine der leistungstärksten Automobil-Allianzen“

Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking sagte: „Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird.“ Wiedeking führt Porsche seit 1993. Damals war Porsche der Pleite nahe, unter Wiedekings Führung entstand aber der rentabelste Autohersteller der Welt. Seit September 2005, als Porsche ein erstes Aktienpaket von VW kaufte, war klar, dass Wiedeking - unterstützt vom früheren VW-Chef und Porsche-Aktionär Ferdinand Piëch - große Pläne hegte.

Als das VW-Gesetz fiel wurde der Weg frei Ein Riese entsteht: Mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 300.000 Bes... Ferdinand Piëch - ein Patriarch vollendet sein Lebenswerk Der VW-Käfer - in den dreißiger Jahren von Ferdinand Porsche entwickelt Mit der neuen Lkw-Allianz wird VW auch im Nutzfahrzeuggeschäft ganz groß

Begründet wird das Engagement bei VW mit der Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt: Während neue Wettbewerber in Asien entstehen, können die etablierten Hersteller ihre Position nur durch Innovationen halten oder ausbauen. Gleichzeitig müssen sie höheren Anforderungen beim Klimaschutz genügen. Porsche sichere sich mit VW einen starken Partner, sagte ein Porsche-Sprecher. Eine Fusion sei aber nicht geplant.

Volkswagen wird zweiter Teilkonzern in der Porsche Holding

Volkswagen wird nach der geplanten Mehrheitsübernahme neben dem Sportwagenbauer Porsche der zweite Teilkonzern in der neuen Porsche Automobil Holding SE. Weitere Teilkonzerne können unter der Holding angegliedert werden. Die Beteiligungsverhältnisse werden sich teilweise auch in den Gremien widerspiegeln. Während der Vorstand der Holding bisher aus Wiedeking sowie seinem Finanzkollegen Holger Härter besteht und es über eine Veränderung auch noch keine Beschlüsse gibt, werden im Aufsichtsrat der Holding sowohl die Arbeitnehmer von Porsche als auch von VW sitzen, ebenso im Betriebsrat. Der Streit unter den Betriebsräten über die Machtverhältnisse in diesen Gremien werde Porsche nicht bremsen, sagte der Porsche-Sprecher.

Auch die Bemühungen der Bundesjustizministerin Zypries, das alte VW-Gesetz wiederaufleben zu lassen, habe keinen Einfluss auf den Kauf der VW-Aktien, heißt es in Stuttgart. Dies gelte, obwohl Porsche durch das VW-Gesetz in seiner Handlungsfreiheit bei VW eingeschränkt wäre. Bei Porsche sieht man aber aufgrund der Haltung der EU-Kommission das Recht auf seiner Seite und erwartet, dass ein solches VW-Gesetz nicht lange Bestand hätte.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS, Bloomberg, ddp, dpa, Montage FAZ.NET

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