Nachfolgedebatte

Führungswechsel in der Deutschen Post

Zumwinkels Nachfolger? Frank Appel (l.) ist schon ganz dicht dran

Zumwinkels Nachfolger? Frank Appel (l.) ist schon ganz dicht dran

15. Februar 2008 Nach dem Rücktritt von Klaus Zumwinkel von seinen Ämtern als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post und Aufsichtsratschef der Postbank wird der Aufsichtsrat der Post am Montag über die Nachfolge entscheiden. „Alles läuft auf Frank Appel hinaus“, hieß es aus Berlin. Finanzminister Peer Steinbrück habe vor geraumer Zeit bereits seine Zustimmung signalisiert. Der 46 Jahre alte Manager leitet die Logistiksparte und ist außerdem für die Großkunden des Konzerns sowie wichtige Querschnittsfunktionen verantwortlich. Eine Ernennung des Finanzvorstandes John Allan zum Postchef sei wenig wahrscheinlich, weil Steinbrück eine deutsche Lösung bevorzuge. Wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erklärte Zumwinkel am Freitag, er werde von seinen Ämtern in Post und Postbank zurücktreten. Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates berief deshalb für den Montag eine Sondersitzung ein.

Zuvor habe das Gremium Zumwinkel angeboten, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen und Appel mit der Koordinierung der Vorstandsarbeit zu beauftragen. Das habe Zumwinkel abgelehnt, um einen Rückzug auf Raten und dem Trommelfeuer öffentlicher Kritik zu entgehen. Er soll inzwischen zugegeben haben, in die Steueraffäre verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn, rund eine Million Euro Steuern auf Kapitalerträge aus Geldanlagen in Liechtenstein hinterzogen zu haben.

Bundesfinanzministerium mit Schlüsselrolle

Den Posten als Chefkontrolleur der Postbank werde wohl ebenfalls Appel übernehmen, hieß es weiter. Für Appels Posten als Logistikchef ist eine interne Nachfolgelösung im Gespräch als Kandidaten werden drei Manager aus der zweiten Reihe gehandelt: Hermann Ude, Bruce Edwards und Chris Fahy, welche derzeit direkt unter der Vorstandsebene das operative Geschäft der einzelnen Untersparten Landtransport, See- und Luftfracht sowie Kontraktlogistik verantworten. Offen blieb zunächst, wann Zumwinkel sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom niederlegen wird. Davon war in einer Erklärung, die der Präsidialausschuss am Freitagnachmittag abgab, keine Rede. Es steht jedoch außer Zweifel, dass Zumwinkel auch dieses Mandat abgeben wird. Damit sei spätestens bei der kommenden Sitzung des Telekom-Aufsichtsrates am 27. Februar zu rechnen.

Für die Nachfolge in diesem Gremium gilt Wolfgang Reitzle, der Vorstandschef des Industriegasherstellers Linde, als aussichtsreichster Kandidat. Er sei darauf bereits von mehreren Mitgliedern des Aufsichtsrates angesprochen worden, allerdings noch nicht vom Bundesfinanzministerium, das bei der Personalentscheidung die Schlüsselrolle spielt, verlautete aus Branchenkreisen. Als denkbare Alternative wurde Henkel-Chef Ulrich Lehner genannt, während der ABB-Verwaltungsratsvorsitzende und Continental-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg überlastet sei und kein Interesse habe. Als „Quatsch“ bezeichnete ein enger Vertrauter Gerüchte, dass Arcandor-Chef Thomas Middelhoff die Leitung des Kontrollgremiums übernehmen könne.

Die Razzia bei Zumwinkel kam offenbar wenige Tage bevor dieser ohnehin seinen vorgezogenen Rücktritt erklären wollte: Wie aus dem Umfeld zu hören war, wollte der Vorstandschef am 4. März, also zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz, seinen Rückzug zum 30. Juni bekanntgeben. Damit habe er allen Spekulationen über seine Zukunft den Wind aus den Segeln nehmen wollen. Zumwinkels Absicht, nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand den Aufsichtsratsvorsitz des Konzerns zu übernehmen, ist jetzt wohl ebenfalls hinfällig. Erwartet wird, dass Chefkontrolleur Jürgen Weber über 2008 hinaus bleiben wird, damit nicht noch mehr Unruhe in den Konzern kommt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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