Es ist schon fast paradox, dass ein Händler mit Futures die Zukunft oder zumindest die Egentständigkeit seines Arbeitgebers riskiert. Warum er das gemacht hat, ist mir immer noch schleierhaft. Wollte er seine Chefs mit dem ganz dicken Deal überraschen?
Monopoly in seiner hypen Form hat schon was Verwegenes. Man überlege einmal: Der gemeine Hartz-4-Empfänger spekuliert an der Börse Wohlgefälligkeit mit der Höhe der Erwerbslosenzahl und verschafft sich durch ein Volumen Leichtgläubiger im Hedge der BA ein Zubrot zu seinem tristen Dasein. Mit einem Wisch gehört Schwarzarbeit der Vergangenheit an, Fallmanager mutieren in Folge zum Fondmanager, der Markt der liberalen Erlösungsphantasien erodiert im Gepoker der Kleinkariertheit. Köstlich.
Ach...: Futures auf Wählerstimmen könnten auch spannend sein. Fragt sich nur, wer bei welchem Volumen ins Risiko geht. Herrschaftszeiten!
Die vier Antworten auf das Geschehen bei der SoGen zeigen deutlich auf, dass mehrere Mitarbeiter Fehler gemacht, ja gegen interne Richtlinien verstoßen haben.
Zum einen muß in der Regel jeder Nutzer einer Applikation, z. B. zum Wertpapierhandel unterschreiben, sein Passwort geheim zu halten. Access Control mit "starken" Passworten ist zwar nicht sexy, aber ein wesentlicher Faktor in der IT Security. Dagegen wurde wohl mehrfach verstoßen.
Zum anderen sind im Normalfall auch die Einhaltung der Handelslimite von der internen Revision fallweise zu prüfen, das wurde wohl versäumt. Routine ist für IT Sicherheit oft ungünstig. Darüberhinaus stellt sich mir hier die Frage nach den gefälschten Sicherungsgeschäften. Die Kapitaladäquanzrichtlinie (Basel I 1996) bzw. Basel II setzen strickte Voraussetzungen an sogenannte Micro-Hedges. Wie kamen dann die gefälschten Geschäfte in die Systeme? Und, und, und.
Hier zeigt sich wieder, wie wichtig IT Governance und Compliance System für Handelsbanken sind; zwar nicht billig aber auch im vorliegenden Falle billiger als der eingetretene Verlust. Warum haben dies die zuständigen Gremien, ggf. aufgezeigt durch das Operative Risk Management, dies nicht gesehen?
Hier haben viele Fehler gemacht.
Ich bin der Überzeugung Kerviel trägt hier nur eine Teilschuld und muss als Sündenbock herhalten. Der eigentlich Schuldige ist noch nicht entlarvt, verwickelt sich aber durch seine geäußerten Statements und märchenhaften Behauptungen immer mehr in Widersprüche und nicht glaubhafte Wortmalereien!
Märchen beginnen üblicherweise mit "Es war einmal..."
Ich wünsche mir eine etwas kritischere Hinterfragung derart offensichtlich blödsinniger Statements der Bank.
Ich bin selbst als Admin in einer Bank tätig. Was glauben sie wie viele Ihr Kennwort in Akten ablegen, Kollegen geben, gelbe zettel an den Monitor heften.....Das schärfste was ich mal gesehen hatte war ein A4 Zettel mit einer Schritt für Schritt Anleitung zum Einschalten des Notebooks mit Name und Kennwort. Trotz Kündigungsdrohung, Hinweise, diverse Reminder, Seminare....die Leute lernen es nie. Je komplizierter das kennwort sein muss um so mehr greifen sie auf Zettel zurück. Ich kenne auch diverse Sekretärinnen die das Kennwort des Vorstands haben damit der Vorstand nicht so viel zu tun hat und gleich an einem angemeldeten Computer arbeiten kann.
Aber auch eine Innenrevision legt sich nicht mit dem Vorstand an. Wir sind externe Dienstleister und ein Glück nicht zur Verantwortung zu ziehen aber traurig ist es schon. Wenn sich mit den internen Prozessen auskennt kann ein mensch so viel anrichten. Und keine Kontrolle schützt wenn man sie kennt und umgeht.
Es ist wirklich unglaublich, wie der Cadre Superieur in Frankreich "regiert". ENA an allen wichtigen Schlüsselpositionen.
Hier hat er gleich mehrfach versagt:
1) Kein Händler hat in der heutigen EDV Welt solche Positionen aufbauen, ohne dass dies durch die Instanzen genehmigt werden muss.
2) Selbst wenn der Händler die Kontrollsysteme umgangen hat, ist der Bestand auf jeden Fall im System vermerkt. Positionen in dieser Höhe müssen vom Gesamtvorstand genehmigt werden.
3) Der Verkauf war völlig überstürtzt und daher falsch.
Für mich muss daher nicht nur Herr Bouton, sondern auch der für das Handelsgeschäft zuständige Vorstand gehen - und zwar sofort.
Wenn das nicht passiert, wird eine Vertrauenskrise vom grossem Ausmass über die Bank rollen, weil in kaum noch einem anderen Land Verständnis für die Vetternwirtschaft des Cadre Superieur besteht.
"Die hohe Summe von 50 Milliarden Euro fiel den Kontrolleuren offenbar nicht auf, weil sie Nominalbeträge nur selten kontrollieren. Sie betrachten im Wesentlichen das vermeintliche Risiko der eingegangenen Positionen: Ob Käufe durch Verkäufe gedeckt sind, ...“
Eine Tautologie im Sinne der Logik ist eine Aussageform, die unabhängig von den Wahrheitswerten ihrer Bestandteile stets wahr ist. Der Wahrheitswert einer Tautologie ist .. allein eine Funktion der durch semantische Regeln definierten Wahrheitsbedingungen der in ihr enthaltenen logischen Konstanten. (Wikipedia)
Und noch etwas: In wesentlich unsensibleren Bereichen als bei Banken werden Paßwörter wenigstens alle 3 Monate geändert und jeder poplige Mitarbeiter lernt, daß er sein Paßwort auch auf Anforderung nicht weitergeben darf. Auf der Ebene eines Kerviel bei der Société Générale sollte man doch von einer gewissen Mindestintelligenz der Mitarbeiter ausgehen können.