China und Deutschland holen auf

Die größten und teuersten Unternehmen der Welt

Von Georg Giersberg

05. Januar 2008 Chinesische und europäische Unternehmen gewinnen an Bedeutung, amerikanische und japanische Unternehmen büßen sie ein. Das ist eines der Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt im Jahresvergleich (Stichtag jeweils der 31. Dezember) untersucht hat.

Während unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt chinesische Firmen ihren Marktwert mehr als verdoppelt haben (plus 123 Prozent), mussten die amerikanischen Firmen im vergangenen Jahr eine um 10 Prozent geringere Börsenbewertung hinnehmen. China stellt im Ländervergleich hinter den Vereinigten Staaten und Großbritannien die meisten Unternehmen in der Liste. „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich den rasanten Bedeutungszuwachs der Schwellenländer - insbesondere Chinas - für die Weltwirtschaft“, kommentiert Hendrik Hollweg, Vorstandsmitglied von Ernst & Young, die Ergebnisse. Ob allerdings die exorbitanten Bewertungen chinesischer Unternehmen an den Börsen von Dauer sein würden, bleibe abzuwarten, schränkte Hollweg die Ergebnisse der Studie ein. Grundsätzlich sei aber festzustellen, dass die Bedeutung der amerikanischen Wirtschaft für die Weltwirtschaft nachlasse, während neue Wachstumszentren entstünden. Die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft werde noch weiter steigen.

Eon ist das teuerste deutsche Unternehmen

Aus der Liste der zehn am höchsten bewerteten Unternehmen sind vergangenen Jahr zwei amerikanische, die Citigroup und die Bank of America, sowie ein japanisches Unternehmen, Toyota, herausgefallen. Als einen Grund für das schlechte Abschneiden amerikanischer Unternehmen nennt Hollweg den schwachen Dollar, der die europäischen Werte allein aus Umrechnungsgründen höher bewertet. Weitere wichtige Gründe für das schlechte Abschneiden Amerikas seien die relativ schwache Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft sowie in der Immobilienkrise und der daraus resultierenden Kreditklemme. "Die amerikanische Wirtschaft verliert zunehmend ihre Funktion als Lokomotive der Weltwirtschaft", sagt Hollweg.

Aus Deutschland stehen immerhin sieben Unternehmen auf der neuen Liste der 100 teuersten Firmen der Welt, drei mehr als ein Jahr zuvor. Das zeige, dass deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Kosten gesenkt, sich neue Märkte erschlossen und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht haben. Die teuersten Unternehmen Deutschlands sind Eon (Weltrang 45, Wert 148 Milliarden Dollar), Siemens (Rang 50; 146 Milliarden), Daimler (Rang 69, 102 Milliarden), die Allianz (Rang 76, 98 Milliarden) und die Telekom (Rang 69, 96 Milliarden). Allerdings sieht Hollweg noch Potential. Deutschland sei unter den umsatzstärksten Unternehmen mit 13 Firmen noch stärker vertreten als unter den teuersten Firmen. Das zeige, dass sich die internationale volkswirtschaftliche Bedeutung deutscher Unternehmen in ihrer Marktkapitalisierung noch nicht widerspiegele.

Text: F.A.Z., 05.01.2008, Nr. 4 / Seite 11
Bildmaterial: F.A.Z.

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