Streit um abgesagte Übernahme

Der Höllenhund Cerberus mag nicht mehr fressen

Von Daniel Schäfer

23. November 2007 Die Krise auf den internationalen Kreditmärkten hat in Amerika einen skurrilen Rechtsstreit ausgelöst: Der Finanzinvestor Cerberus will mit einer Klage vor einem New Yorker Gericht verhindern, den Baumaschinenverleiher United Rentals übernehmen zu müssen. Die Beteiligungsgesellschaft reichte in diesen Tagen eine Feststellungsklage beim Obersten Gerichtshof des Bundesstaates New York gegen United Rentals ein. Damit will Cerberus aus dem im Juli vereinbarten, ursprünglich 6,6 Milliarden Dollar schweren Übernahmevertrag mit United Rentals wieder herauskommen.

Der amerikanische Beteiligungsfonds hatte den Rückzug in der vergangenen Woche angekündigt und sich bereit erklärt, eine im Übernahmevertrag vorgesehene Strafe von 100 Millionen Dollar zu bezahlen. Doch der größte amerikanische Baumaschinenverleiher scheint nicht gewillt, die eigene Übernahme abzusagen.

Kurs drastisch eingebrochen

Das Unternehmen, dass mehr als 11.500 Beschäftigte hat und im vergangenen Jahr rund 3,6 Milliarden Dollar umsetzte, reichte Anfang der Woche eine Klage gegen Cerberus ein. „Wir wollen, dass das Übernahmeabkommen durchgesetzt wird, und zwar gänzlich“, sagte ein Sprecher von United Rentals.

Der Hintergrund: Das Unternehmen hatte sich im April selbst zum Verkauf gestellt, weil der Aktienkurs in den vorangegangenen zwölf Monaten um mehr als ein Fünftel gesunken war. Diese Ankündigung brachte den gewünschten Erfolg: Der Kurs schoss eine Zeitlang kräftig nach oben. Doch der jetzige Rückzug von Cerberus hat den Kurs drastisch einbrechen lassen - mit rund 22 Dollar liegt er wieder unter dem Niveau vom April. United Rentals wirft Cerberus nun vor, der Finanzinvestor habe den möglichen Abbruch des Kaufs über eine Nachrichtenagentur durchsickern lassen. Damit habe Cerberus den Aufsichtsrat von United Rentals dazu bringen wollen, ein niedrigeres Angebot zu akzeptieren, so der Vorwurf.

Keine Großkredite mehr

Als Grund für den Rückzug bei United Rentals gilt die Krise auf den Finanzmärkten, die dazu geführt hat, dass die großen Beteiligungsgesellschaften von den Banken für Milliardenübernahmen keine Großkredite mehr erhalten. Auf möglicherweise schlechtere Geschäftsaussichten für United Rentals hat sich Cerberus dagegen nicht berufen, obwohl der Finanzinvestor in einem derartigen Fall sogar die Vertragsstrafe vermeiden könnte. Auf diese „Material Adverse Change“- Klausel hatte vor kurzem der Finanzinvestor KKR gepocht, als er den Kauf des amerikanischen Audio- und Videokonzerns Harman International abbrach.

Für Cerberus ist die geplatzte Übernahme nicht der einzige Fehlschlag der jüngsten Vergangenheit. Erst kürzlich hatte der verschwiegene Beteiligungsfonds den Kauf von Affiliated Computer Services für 8 Milliarden Dollar gestrichen.



Text: F.A.Z., 23.11.2007, Nr. 273 / Seite 19
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.344,59 +3,54
TecDax 789,21 +3,68
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.326,22 +4,41
Nikkei 225 12.624,46 +3,38
S&P 500 Zert. 12,75 +3,83
Euro/Dollar 1,42 -0,97
Bund Future 114,76 -0,45
Gold 806,67 +0,48
Öl 104,17 -3,09
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