25. Juli 2005 Die Commerzbank AG in Frankfurt ist in einen internationalen Geldwäscheskandal verstrickt. Neben Deutschland sind unter anderem die Schweiz, Liechtenstein und Zypern im Visier der Ermittler.
Im Mittelpunkt stehen russische Investoren, und die Verdachtsmomente reichen bis in die Regierung in Moskau hinein. Die Täter steuerten dabei einen Teil ihrer Geschäfte über die Commerzbank. Schaltstelle war in erster Linie eine Holdinggesellschaft in Luxemburg. Wie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Samstag berichtet (Commerzbank durchsucht), sind am Dienstag und Mittwoch vergangener Woche Geschäftsräume der Bank in Frankfurt durchsucht worden.
Rußland und die Bermudas
Gegenstand der Ermittlungen, die angeblich schon Anfang 2003 einsetzten, sind offenbar dubiose Privatisierungen in Rußland. Dabei sind Vermögenswerte auf verschiedenen Wegen abgezweigt, zu Geld gemacht und neu investiert worden. Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung floß eine größere Summe - Zahlen werden nicht genannt - in die First National Holding in Luxemburg, die das Geld über eine Zwischenholding in russische Telekommunikationsfirmen, darunter den drittgrößten Mobilfunkanbieter Megafon, investierte. Die Commerzbank besaß die Holding nur treuhänderisch für die Anleger, wie aus der Bank versichert wird. Für die Zwischenholding Telecom Invest bestanden Börsenpläne, wobei der Commerzbank, wie man hört, ein Beratungsmandat zugesichert war. Dazu ist es allerdings nie gekommen. Die First National Holding wurde Ende 2001 aufgelöst, das Geld soll zum Zweck der weiteren Verschleierung in verschiedene Fonds, unter anderem auf den Bermudas, geflossen sein.
Eine zweite Schaltstelle der Investoren war eine Kapitalanlagegesellschaft in Frankfurt, die zwei Mitarbeiter der Bank nach ihrem Ausscheiden im Jahr 2002 gegründet hatten. Außerdem hatte die Bank im Zuge der Ermittlungen einen Mitarbeiter freigestellt. In das Blickfeld der Behörden soll des weiteren der Repräsentant der Commerzbank in Taschkent geraten sein.
Die politische Verantwortung
Der Geldwäsche-Fall wirft auch ein neues Licht auf das Ausscheiden von Vorstandsmitglied Andreas de Maiziere. Das Ausscheiden aus persönlichen Gründen zum 30. September hatte die Bank am Montag vor einer Woche bekanntgegeben. Tags darauf begann die Durchsuchungsaktion in der Bank. De Maiziere, von 1999 an zunächst im erweiterten, seit Juni 2000 als Vollmitglied im Vorstand der Commerzbank, war dort unter anderem für Osteuropa zuständig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte im März 2004 einen Fragebogen zu den zweifelhaften Geschäften der Investoren an ihn gesandt. Mit seinem Rücktritt übernimmt der Bankmanager offenbar die politische Verantwortung für eventuell strafrechtliche Vorgänge in seinem Arbeitsbereich. Irgendwelche Hinweise auf persönliche Verfehlungen gibt es nicht. Herr de Maizière hat die Verantwortung für Verfehlungen von Mitarbeitern übernommen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Commerzbank am Montag.
Das kratzt am Ruf
Nach Angaben der Neuen Zürcher Zeitung haben die Behörden im Wege der Amtshilfe auch Material in Zürich und Zug beschlagnahmt und nach Frankfurt überstellt. Die Zürcher Staatsanwaltschaft spricht nach dem Bericht von einer seit mehreren Jahren agierenden Täter-Gruppierung. Anhand eines Rechtsstreits der russischen Finanzgruppen Alfa und LV Finance über den rechtmäßigen Besitz einer Sperrminorität an dem Mobilfunkkonzern Megafon taucht auch der Name des russischen Telekommunikationsministers Leonid Reimann auf. Er soll sich als Angestellter einer staatlichen Telefongesellschaft bei der Privatisierung geldwerte Vorteile von mindestens einer Million Dollar verschafft haben.
An der Börse zählten die Aktien der Commerzbank zu den größten Kursverlierern im Deutschen Aktienindex (Dax) (siehe auch: Commerzbank-Aktie fällt hinter den Dax zurück). Die Papiere verloren 1,2 Prozent und kosteten 18,44 Euro. Ein Frankfurter Analyst sagte, kurzfristig lasteten die Vorwürfe auf den Kurs. Das kratzt am Ruf, wird aber an der Lage der Bank wohl nichts ändern, sagte der Analyst.
Text: du./F.A.Z., Reuters
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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