Unicredito will mit der Bank Austria in Osteuropa wachsen

30. Mai 2005 ela. WIEN, 30. Mai. Im Tauziehen um Deutschlands zweitgrößte Bank spielt Österreichs größtes Geldhaus eine entscheidende Rolle. Seit sich die Hypo-Vereinsbank (HVB) die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) vor fünf Jahren einverleibt hat, fließen nach München hohe Ergebnisbeiträge. Mit ihren profitablen Ostbeteiligungen ist die für das Zentral- und Osteuropageschäft zuständige und an der Börse mit 11,7 Milliarden Euro bewertete BA-CA die Ertragsperle im Konzern. Im ersten Quartal erwirtschaftete sie rund die Hälfte des Vorsteuergewinns. Entsprechend selbstsicher fühlen sich die Wiener und sehen auch im Falle einer Übernahme ihre starke Stellung nicht gefährdet.

Ob ihnen weiterhin eine hohe Eigenständigkeit eingeräumt wird, ist allerdings ungewiß. Fest steht, daß eine Hochzeit der HVB mit Unicredito den Fusionspartnern vor allem im strategisch wichtigen OsteuropaGeschäft kräftige Impulse brächte. BA-CA und Unicredito erlangten nach einem solchen Zusammenschluß die führende Stellung in diesem Markt. Sie wären in dieser Wachstumsregion mit einer Bilanzsumme von 66 Milliarden Euro doppelt so groß wie die Branchennächsten, die Wiener Erste Bank und die belgische KBC. Zusammen würden sie in der Region rund 48000 Mitarbeiter in einem rund 2300 Filialen starken Auslandsnetz beschäftigen. Schon seitdem die HVB vor kurzem in der Moskauer IMB die Mehrheit übernommen hat, ist die Gruppe mit 35,5 Milliarden Euro Bilanzsumme in der Region auf Rang eins. Davon entfallen 32,2 Milliarden Euro auf die Wiener Tochtergesellschaft, die für den Konzern in insgesamt elf Ländern tätig ist. Nach dem zweitgrößten österreichischen Geldhaus Erste Bank und der belgischen KBC-Gruppe rangierte die Unicredito mit ihrem Beteiligungsnetzwerk unter den in Osteuropa führenden Finanzdienstleistern im Vorjahr noch an vierter Stelle. In Polen, Bulgarien und Kroatien würden die Wiener und die Italiener unmittelbar Branchenprimus, ebenso gäbe es in den meisten anderen Märkten einen Sprung. In Polen halten die Italiener die Mehrheit an der zweitgrößten Bank Pekao mit einem Marktanteil von fast 14 Prozent.

Die BA-CA kommt in diesem Markt mit der Tochtergesellschaft BPH, ihrem wichtigsten Aktivposten, auf 10 Prozent. In Kroatien führt Unicredito mit der Zagrebacka banka schon jetzt die Branche mit einem Marktanteil von 27,5 Prozent an. Unicredito ist in Bulgarien mit der Tochtergesellschaft Bulbank Branchenerster. Geringere Marktstellungen haben die beiden in der Slowakei, in Rumänien und der Tschechischen Republik und Bosnien. In Ungarn, Serbien, Slowenien sind die Wiener vertreten, nicht aber die Italiener. Wie der Generaldirektor der BA-CA, Erich Hampel, anläßlich der Bilanzvorlage sagte, ist Osteuropa der Wachstumsmotor schlechthin. Die Osteuropa-Beteiligungen haben im vergangenen Jahr ihren Vorsteuergewinn um 52 Prozent auf 486,3 Millionen Euro verbessert. Damit haben sie fast die Hälfte des Ertrags der Bank Austria geliefert.

Text: F.A.Z., 31.05.2005, Nr. 123 / Seite 14

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