Briefzusteller

Sieben Pin-Gesellschaften melden Insolvenz an

Von Christian Geinitz

Erst kam der Mindestlohn, jetzt trifft es die Mitarbeiter

Erst kam der Mindestlohn, jetzt trifft es die Mitarbeiter

21. Dezember 2007 Trotz der Rettungsbemühungen der neuen Führung nimmt die Insolvenz des privaten Postzustellunternehmens Pin ihren Lauf. Am Freitag hätten 7 der 91 Tochterunternehmen der Gruppe beim Amtsgericht Köln Zahlungsunfähigkeit angemeldet, teilte die Pin Group AG mit. Davon seien etwa ein Zehntel aller Mitarbeiter betroffen, 850 von 9000 in ganz Deutschland. Der Insolvenzantrag sei unvermeidbar gewesen, da die Betriebe die am Freitag fälligen Sozialversicherungsbeiträge nicht hätten aufbringen können. Das Gericht habe den Kölner Rechtsanwalt Andreas Ringstmeier zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Man prüfe derzeit, ob die 84 anderen Pin-Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkämen und werde über den Fortbestand bis Mitte Januar entscheiden, hieß es.

Die Geldnot dürfte Folge davon sein, dass sowohl der Mehrheitseigentümer Axel Springer Verlag als auch die anderen Gesellschafter keine frischen Finanzen für die angeschlagene Gruppe bereitstellen wollen. Der Kapitalbedarf für die kommenden Jahre wird auf 300 bis 700 Millionen Euro geschätzt. Zur Wochenmitte waren die Rettungsbemühungen im Verwaltungsrat gescheitert und der Sanierungsexperten Horst Piepenburg zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden. Er hatte angekündigt, sämtliche Möglichkeiten zum Gruppenerhalt zu prüfen alle Geschäfte weiterzubetreiben. Piepenburg und der Restrukturierungsberater Hans-Joachim Ziems sagten am Freitag, die Insolvenzanträge beeinträchtigten die Chancen der Gruppe nicht.

Die Liquidität der Betriebe wird geprüft

„Das gilt auch für die insolventen Gesellschaften, deren Geschäftsabläufe in den nächsten Monaten weiterhin normal ablaufen werden“, sagte Piepenburg. Man prüfe die Liquidität der Betriebe und werde dann bis Mitte Januar über das weitere Vorgehen befinden. Piepenburg zeigte sich zuversichtlich, gemeinsam mit Ringstmeier alle Leistungen für die Pin-Kunden erbringen und die Geschäfte stabilisieren zu können.

Die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ), deren Mitglieder zu einem großen Teil aus Pin-Gesellschaften stammen, will für den Erhalt der gefährdeten Arbeitsplätze kämpfen. Die GNBZ teilte zudem mit, dass die Bundesregierung offenbar nicht bereit sei, den von ihr und den privaten Briefunternehmen geschlossenen Tarifvertrag zu akzeptieren; dazu müsse es eine „rechtliche Klärung“ geben. Die Vereinbarung weicht von dem zwischen dem Marktführer Deutsche Post AG und der Gewerkschaft Verdi geschlossenen Vertrag ab. Dieser sieht unter anderem Mindestlöhne vor, welche Regierung und Bundestag kürzlich als rechtsverbindlich festgeschrieben haben, die die Postkonkurrenten aber als unbezahlbar ablehnen.

Bildmaterial: REUTERS

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