Teures Rohmaterial

Volkswagen denkt über Preiserhöhungen nach

Von Johannes Ritter

23. Juli 2008 VW-Kunden müssen sich auf steigende Preise gefasst machen. Europas größter Autohersteller kann nach eigenen Angaben die Preissteigerungen bei Rohmaterialien (insbesondere Stahl) womöglich nicht aus eigener Kraft kompensieren.

Daher müsse man darüber diskutieren, einen Teil der Kostensteigerungen über Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben, sagte VW-Vertriebsvorstand Detlef Wittig in einer Telefonkonferenz aus Anlass der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal. Kurzfristig sieht VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch wegen der hohen Rohstoffpreise keine Probleme für das eigene Unternehmen, weil man gut abgesichert sei. „Aber ab einem bestimmten Punkt wird es auch uns treffen. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Besser als am Kapitalmarkt erwartet

Trotz der Belastungen rechnet der Vorstand weiterhin damit, dass Absatz, Umsatz und operatives Ergebnis 2008 über den Vorjahreswerten liegen. Im zweiten Quartal hat der Konzern den Umsatz um 4,5 Prozent auf 29,5 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um 22 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöht. Der Gewinn nach Steuern kletterte sogar um 35 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Ergebnisse fielen besser aus als am Kapitalmarkt erwartet.

Marc-René Tonn, Autoanalyst vom Bankhaus M.M. Warburg, hält den Ergebnisausweis jedoch für überzeichnet: VW habe die Investitionen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren und profitiere nun von den rückläufigen Abschreibungen. Tonn rechnete vor, dass das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) lediglich um 5 Prozent auf 3,79 Milliarden Euro gestiegen sei. „Daher wundere ich mich über die positive Reaktion des Kapitalmarktes“, sagte der Analyst mit Blick auf den Kursanstieg der VW-Aktie, die um knapp 6 Prozent auf 207,50 Euro kletterte.

„VW-Titel sind teuer“

VW sei im Branchenkontext extrem hoch bewertet, sagte Tonn, dessen Kursziel entsprechend deutlich niedriger liegt, nämlich bei 130 Euro. Ähnlich äußerte sich DZ-Bank-Analyst Michael Punzet: „VW-Titel sind teuer und werden mit einem Aufschlag von mehr als 100 Prozent zu den Konkurrenten gehandelt.“ VW-Finanzvorstand Pötsch führte den Gewinnschub auf „die erfolgreiche Modelloffensive, schlankere Prozesse und unsere strikte Kostendisziplin“ zurück.

Aus Sicht von Vorstandschef Martin Winterkorn belegen die Zahlen, dass VW auf dem richtigen Weg sei. In einer Pressemitteilung verbreitete Winterkorn Zuversicht, obschon er zugab, dass die Rahmenbedingungen deutlich schwieriger geworden seien. Unsichere Aussichten für die Weltwirtschaft und rückläufige Zulassungszahlen in Westeuropa und Amerika stellten die Branche vor erhebliche Kraftanstrengungen. VW sei aber gut aufgestellt, sagte Winterkorn. Der Konzern werde neue Marktsegmente erschließen und die Modellpalette ausbauen. Winterkorn rechnet mit einer Art „Sonderkonjunktur“ für VW.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.127,44 -2,42
TecDax 761,19 -4,17
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.185,83 -2,72
Nikkei 225 12.212,23 -2,75
S&P 500 Zert. 12,28 -3,08
Euro/Dollar 1,44 -0,02
Bund Future 115,28 +0,12
Gold 812,00 +1,15
Öl 104,17 -3,09
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche