07. Mai 2008 Der Machtkampf beim Reisekonzern Tui geht in die entscheidende Runde. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch in Hannover versuchen Großaktionär John Fredriksen auf der einen und Tui-Chef Michael Frenzel auf der anderen Seite eine Mehrheit der Aktionäre hinter sich zu bringen. Fredriksen will den Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow abwählen lassen, Frenzel versucht dies zu verhindern und sagte: Die derzeit geführte, personalisierte Diskussion ist aus meiner Sicht nicht im Interesse des Unternehmens.
Der Vorstandsvorsitzende sagte weiter, die Diskussion binde derzeit einen Teil der Kräfte. Sie werde den Konzern aber nicht davon abhalten, zügig die Trennung von der Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd umzusetzen. Er sei überzeugt, dass die Trennung eine gestärkte Tui AG hervorbringe und alle Shareholder am realisierten Wert teilhaben könnten: Das heißt im Klartext: Wir werden unsere Aktionäre angemessen am Erlös beteiligen.
Abstimmung erst am Ende der Tagesordnung
Fredriksen, der mit knapp zwölf Prozent der größte Tui-Anteilseigner ist, warb am Morgen mit Informationsmaterial bei den Aktionären noch einmal um Unterstützung. Der bisherige Aufsichtsrat verfüge nur über eingeschränkte Expertise in der Containerschifffahrt, hieß es in dem Schreiben. Auch habe das Management keine klare, kontinuierliche Strategie und konzentriere sich zuwenig auf Wertschöpfung, so dass die Finanzergebnisse und die Aktienentwicklung unbefriedigend seien.
Daher will er den als Frenzel-Getreuen geltenden Krumnow abwählen und den Posten mit einem eigenen Vertrauten besetzen lassen. Die Abwahl eines Aufsichtsratsvorsitzenden wäre ein bisher einmaliger Vorgang bei einem Dax-Unternehmen. Der Ausgang der Abstimmung, die erst am Ende der Tagesordnung steht, ist ungewiss.
Krumnow kritisierte in seiner Rede das Vorgehen von Fredriksen. Den Aktionären versicherte er, dass bei allen Überlegungen und Handlungen des Aufsichtsrats im Mittelpunkt gestanden habe und stehe, den Wert des Unternehmens nachhaltig zu stärken.
Verlust im ersten Quartal schrumpfte um 21 Prozent
Zuvor hatte der Konzern Zahlen für das erste Quartal 2008 gemeldet. Das bereinigte Ergebnis (EBITA) aller Sparten habe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent verbessert, so dass der Verlust von 248 auf 196 Millionen Euro geschrumpft sei, teilte der Konzern mit. Der Umsatz der Sparten stieg um 24 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro. Das erste Quartal ist bei Tui traditionell mit Verlusten belastet, weil der Konzern Vorleistungen für die Reisesaison im Sommer erbringen muss.
Der Umsatz der Touristiksparte erhöhte sich um rund 38 Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro. Der Anstieg sei im Wesentlichen auf die Fusion mit dem britischen Reisekonzern First Choice zurückzuführen. Das operative Ergebnis der Touristiksparte verbesserte sich leicht um 1,3 Prozent auf ein Minus von 227 Millionen Euro.
In der Schifffahrtssparte stieg der Umsatz laut Tui im ersten Quartal 2008 um 2,4 Prozent auf rund 1,51 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis erzielte die Sparte einen Anstieg von knapp 173 Prozent auf 24 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte sie einen Verlust von 33 Millionen Euro verzeichnet.
Text: AP
Bildmaterial: AP, ddp, dpa
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |