Bankenkrise

Rettung für die West LB in letzter Minute

Von Werner Sturbeck

Vorstandsvorsitzender Stuhlmann: “Eine bittere Maßnahme“

Vorstandsvorsitzender Stuhlmann: "Eine bittere Maßnahme"

08. Februar 2008 In einer Nachtsitzung haben die Anteilseigner ein Rettungspaket für die finanziell angeschlagene West LB geschnürt. Demnach sollen eine bis zuletzt umstrittene Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 3 Milliarden Euro und der Abbau von bis zu 1500 der noch knapp 6000 Arbeitsplätze die Sanierung der Landesbank aus Düsseldorf sicherstellen. Das Land und die dortige Sparkassenorganisation haben sich in der Nacht zum Freitag mit den Mitgesellschaftern über die Gegenleistungen für den Fall verständigt, dass die Bürgschaft durch Ausfälle bei problembehafteten Anleihen in Anspruch genommen wird.

Durch die Bürgschaft und eine Kapitalerhöhung in Höhe von 2 Milliarden Euro gilt die seit Tagen kontrovers diskutierte Risikoabsicherung über 5 Milliarden Euro nun als gesichert. Außerdem machte die Bank konkrete Zugeständnisse für eine engere Zusammenarbeit mit der nordrhein-westfälischen Sparkassenorganisation. Sie selbst muss in einem Restrukturierungsprogramm innerhalb von drei Jahren die Kosten um 300 Millionen Euro verringern.

West LB soll fit für die Konsolidierung werden

Dies soll im wesentlichen durch den Abbau der 1500 Stellen geschehen, und zwar möglichst sozialverträglich, wie der Vorstandsvorsitzende Alexander Stuhlmann am Freitag vor der Presse versicherte. „Das ist ein schmerzlicher Einschnitt, aber unerlässlich, um die anderen Arbeitsplätze dauerhaft sicher zu machen“, sagte Stuhlmann, dessen Zeit bei der West LB möglicherweise endet. Er werde seinen Vertrag nicht verlängern und die Bank Ende März verlassen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf Angaben aus dem Umfeld der West LB. Die drittgrößte Landesbank hatte im Januar angekündigt, der Jahresverlust 2007 werde bei rund einer Milliarde Euro liegen. Eine etwa gleich hohe Belastung aus unverkäuflichen Finanzpapieren werde mit dem Eigenkapital verrechnet.

Im Mittelpunkt der von den Aktionären - dem Land Nordrhein-Westfalen sowie den jeweils zwei regionalen Sparkassen- und kommunalen Landschaftsverbänden - erbrachten Leistung stehe die Absicht, eine gestärkte West LB fit für die erforderliche Konsolidierung im deutschen Landesbankensektor zu machen, erklärte Landesfinanzminister Helmut Linssen (CDU). Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Breuer versicherte, zu der nun im Detail umzusetzenden Neuausrichtung gehöre ausdrücklich das weitere Ausloten der Zusammenarbeit mit der Helaba.

Rettungsaktion begrüßt

Die gemeinsame Rettungsaktion wurde in ersten Reaktionen begrüßt. Die Einigung erhalte eine umfassende Abschirmung der Risiken, hieß es von der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Deren Präsident Jochen Sanio und Bundesbankpräsident Axel Weber hatten an der Krisensitzung in der Nacht zum Freitag teilgenommen. Auch Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), begrüßte die Verständigung als Beweis für den Rückhalt der Eigentümer für die Restrukturierung des Institutes. Haasis bezeichnete es als einen wesentlichen Fortschritt, dass jetzt alle Eigentümer die Zukunft der West LB in einer Verbindung mit einer anderen Landesbank sähen.

Seitdem die Aktionäre im Januar eine Kapitalstärkung von zwei Milliarden Euro zugesagt hatten, wurde über die darüber hinaus erforderliche, etwa drei Milliarden Euro ausmachende Absicherung problembehafteter Wertpapiere gerungen (F.A.Z. vom 30. Januar). Das Land wollte dafür nur mit Bürgschaften haften, wenn die anderen Aktionäre im Falle der Inanspruchnahme dieser Garantie Gegenleistungen erbringen. Dabei ging es nicht nur um West LB-Aktien, sondern auch um neue gesetzliche Regelungen wie die Möglichkeit für die West LB, sich zur Stärkung ihrer Ertragsbasis an Sparkassen zu beteiligen.

Nachdem die Sparkassenverbände diese Verhandlungen vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag abbrachen, drohte der Bank eine Verschlechterung der Bonitätseinstufung durch die Ratingagenturen. Unter diesem Druck wurde in einer bis Freitag früh um 4.30 Uhr dauernden Nachtsitzung ein Kompromiss errungen. Die West LB kann nun mit einer Absicherung der Aktionäre von bis zu fünf Milliarden Euro Wertpapiere im Nennwert von 23 Milliarden Euro in eine neue Zweckgesellschaft ausgliedern.

Anders als die West LB muss die Zweckgesellschaft die Finanzpapiere nicht mehr nach ihren Tageswerten, sondern nach dem tatsächlichen Ausfallrisiko bewerten. Sollten diese juristisch noch bis zu 15 Jahre bestehenden Belastungen über 2 Milliarden Euro hinaus in den Bereich der Bürgschaft gehen, kann das Land von den Mitaktionären im Umfang von deren Beteiligung West-LB-Aktien abrufen. Dabei wird ein Wert von 200 Euro je Aktie unterstellt, den die Sparkassen auch bar erbringen können. Innerhalb des Aktionärskreises bleibt das Vorkaufsrecht bestehen, so dass die Sparkassen einen Verkauf der Landesanteile an Private verhindern könnten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Edgar Schoepal, F.A.Z., FAZ.NET

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