Banken

Commerzbank will Eurohypo übernehmen

15. November 2005 Die Commerzbank will Deutschlands größten Immobilienfinanzierer Eurohypo übernehmen und so auf einen Schlag zur inländischen Nummer zwei nach der Deutschen Bank aufsteigen.

Mit einem Preis von voraussichtlich rund vier Milliarden Euro wäre dies der größte Zusammenschluß in der deutschen Finanzbranche seit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz im Jahr 2001.

„Steigende und noch stabilere Erträge“

„Wir würden dadurch zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierungen aufsteigen“, sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Dienstag in Frankfurt. Durch die Übernahme eröffneten sich neue Geschäftschancen. „Davon sollten die Commerzbank und ihre Aktionäre in Form steigender und noch stabilerer Erträge profitieren.“ Eigenkapitalrentabilität und Gewinn des Instituts würden sich weiter verbessern.

Eine mit der Situation vertraute Person sagte, zur Finanzierung der Übernahme ziehe der Vorstand auch eine Kapitalerhöhung in Erwägung. 800 Millionen Euro nimmt die Bank schon durch den Verkauf der Anteile an der italienischen Banca Intesa ein.

„Zugriff auf ein sehr profitables und stabiles Geschäft“

In einem kaum veränderten Marktumfeld verlor die Aktie der Commerzbank im frühen Handel zeitweise mehr als drei Prozent auf 22,13 Euro. „Sie werden eine Kapitalerhöhung benötigen, und das ist der Grund“, sagte ein Händler.

„Eine Kapitalerhöhung ist per se keine schlechte Sache“, wandte Fondsmanager Thomas Körfgen von SEB Invest ein. Wichtig sei, daß das Geld sinnvoll eingesetzt werde. „Ich halte das für positiv. Die Commerzbank erhält so Zugriff auf ein sehr profitables und stabiles Geschäft.“

Aufsichtsräte und Kartellamt müssen noch zustimmen

Die Commerzbank, die bereits 31,8 Prozent an der Eurohypo hält, will nun auch die Anteile der Deutschen Bank und der Allianz-Tochter Dresdner Bank übernehmen und käme damit auf 98 Prozent der Eurohypo-Aktien. Branchenprimus Deutsche Bank ist bisher mit 37,7 Prozent größter Aktionär der Eurohypo. Nur zwei Prozent der Aktien liegen in Streubesitz.

Will Milliarden investieren: Commerzbank

Will Milliarden investieren: Commerzbank

Die Eurohypo war 2002 aus der Fusion der Hypotheken-Töchter der drei Frankfurter Großbanken entstanden. Diese wollten damals ihre Abhängigkeit vom Geschäft mit Immobilienfinanzierungen eigentlich verringern. Die Pläne der Commerzbank stellen eine strategische Kehrtwende dar. Der Transaktion müssen noch die Aufsichtsräte der beteiligten Banken, das Kartellamt und die Finanzaufsicht Bafin zustimmen.

Firmenwert: Sechs bis sieben Milliarden Euro

Wegen des geringen Streubesitzes ist der Aktienkurs der Eurohypo für eine Beurteilung des Firmenwerts kaum aussagefähig. Analysten taxieren ihn auf insgesamt sechs bis sieben Milliarden Euro. Folglich dürfte die Commerzbank für die Beteiligungen der Deutschen Bank und der Dresdner Bank mindestens vier Milliarden Euro auf den Tisch legen müssen.

„Zur Finanzierung plant die Commerzbank ein Paket an Maßnahmen, mit dem eine zufrieden stellende Kapitalquote gesichert werden soll“, teilte die Bank mit. Dazu dürfte Finanzkreisen zufolge auch eine Kapitalerhöhung gehören. Die Bank kündigte zudem an, ihren Anteil an der Banca Intesa in Höhe von 2,9 Prozent beschleunigt zu verkaufen.

Linde-Anteil steht nicht zur Debatte

Das Volumen der Transaktion bezifferte die Bank auf etwa 800 Millionen Euro. Eine mit der Situation vertraute Person sprach von rund 150 Millionen Euro Buchgewinn. Ein Sprecher der Commerzbank stellte klar, ein Verkauf des zehnprozentigen Anteils am Industriegase- und Gabelstaplerkonzern Linde stehe nicht zur Debatte. Das Aktienpaket ist die letzte große Industriebeteiligung der Frankfurter im Inland.

Mit der Übernahme der Eurohypo kann die Commerzbank ihre Bilanzsumme um mehr als die Hälfte auf etwa 700 Milliarden Euro steigern. Sie wird durch die Transaktion aber nicht nur deutlich größer, sondern steigert auch ihre Komplexität und wappnet sich damit gegen eine feindliche Übernahme.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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