Von Daniel Schäfer
17. April 2006 Was haben die Seitenleitwerke eines Airbus A380 und der Benzinfilter eines Autos gemeinsam? Auf den ersten Blick rein gar nichts. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich, daß beide aus Materialien ähnlichen Ursprungs bestehen: technische Textilien. Deutschland nimmt in dieser Branche weltweit einen der technologischen Spitzenplätze ein.
Neben zahlreichen Unternehmen bemühen sich hierzulande allein 16 Forschungszentren darum, die Entwicklung neuer Textilien voranzutreiben. Weitgehend unbemerkt haben technische Textilien in den vergangenen Jahren den Alltag erobert und tragen oft dazu bei, den Lebensstandard zu erhöhen. Sie sind häufig länger haltbar und mitunter preiswerter als herkömmliche Materialien.
Antibakteriell, abriebfest, atmungsaktiv
Oft werden sie auch in Kombination mit anderen Werkstoffen eingesetzt. Für den Verbraucher offensichtlich sind sie in der Kleidung, wo diese Produkte längst zum Standard gehören, seien es atmungsaktive Jacken oder der Schutz vor UV-Strahlen durch neuartige Fasermaterialien. Technische Textilien erfüllen in der Kleidung viele Funktionen. Sie sind antibakteriell, abriebfest, atmungsaktiv, selbstreinigend oder stoßfest. Noch viel bedeutender, weil möglicherweise lebensrettend, ist die Entwicklung von intelligenter Kleidung.
So wurde im vergangenen Jahr ein tragbares textiles Gesundheits-Überwachungs-System zur Marktreife gebracht. Dabei werden intelligente, in die Faser einer textilen Fläche integrierte Sensoren mit Kommunikationstechnik verknüpft. Mittels der Mobilfunktechnologie GPRS wird die Kleidung quasi zum tragbaren Krankenbett: Physiologische Daten werden direkt an den Arzt oder das Krankenhaus gesendet. Insbesondere für Patienten mit Herz- und Gefäß-Beschwerden kann das T-Shirt somit lebensrettend sein.
Intelligente Kleidung für Babys
Selbst für Babys kann bereits intelligente Kleidung eingesetzt werden: Das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf hat Sensoren in Babywäsche integriert, die permanent Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und Körperfeuchtigkeit messen und somit vor einem plötzlichen Kindstod warnen können. Auch in der Heimtextilbranche kann der Verbraucher die neuen Produkte hautnah miterleben. Gardinen mit Metallfaserbeimischungen schützen vor Elektrosmog, und ein Teppichboden mit integriertem RFID-Chip steuert den Staubsaugerroboter. Selbst die Industrie und die Baubranche setzen technische Textilien zunehmend ein.
Das Spektrum reicht vom Straßenbau über die Mikroelektronik und Medizin bis hin zum Automobil- und Flugzeugbau. Beispielsweise sorgen Textilmatten aus Vliesstoffen dafür, daß Bahngleise ohne Wildwuchs begrünt werden können. Gleichzeitig dämpfen sie den Schall und speichern das benötigte Wasser. Und die Tragflächen des Airbus sowie der Benzinfilter? Kohlefaser und Epoxydharz halten die Seitenleitwerke des A380 zusammen, während Vliesstoffe in Verbindung mit Kunststoffen den Benzinfilter formen.
Text: F.A.Z. vom 15. April 2006
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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