25. Juli 2008 Nach erfolgreicher Urabstimmung hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) die 34.000 Bodenbeschäftigten und die 13 500 Beschäftigten des Kabinenpersonals der Lufthansa zu einem Arbeitskampf aufgerufen. Wie die Gewerkschaft am Freitag bekannt gab, waren 90,7 Prozent der Stimmen für einen Streik. Zur Wahlbeteiligung gab es keine Angaben.
Damit drohen von diesem Montag an unbefristete Streiks, die den Luftverkehr erheblich beeinträchtigen können. In den Ausstand können sowohl Flugbegleiter als auch Beschäftigte der Abfertigung, der Technik oder des Catering treten. Nach Angaben von Verdi sind alle Lufthansa-Flughäfen betroffen, also sowohl die Drehkreuze in Frankfurt und München als auch Standorte wie Hamburg, Berlin, Stuttgart oder Düsseldorf. Einen Ablaufplan gibt Verdi erst unmittelbar vor den Maßnahmen bekannt. Wie Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott sagte, sei man sich der Belastungen für die Passagiere bewusst. Aber es gehe darum, das Unternehmen wirtschaftlich zu treffen. Dies sei ohne Einschränkungen nicht möglich. Die Lufthansa wollte zu möglichen Auswirkungen zunächst keine Aussagen machen. Über ihre Internetseite und eine Telefonhotline (0800 / 850 6070) will die Fluglinie ihre Kunden aktuell informieren. Möglich sei es, dass durch den Einsatz von Fremdfirmen beispielsweise der Streik von Nahrungslieferanten aufgefangen wird.
Zum zweiten Mal in kürzester Zeit
Die Abläufe an deutschen Flughäfen könnten damit zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit durcheinander gewirbelt werden. Zu Beginn der Woche hatten Piloten-Streiks der Lufthansa-Tochterunternehmen Cityline und Eurowings für rund 900 Flugausfälle gesorgt, von denen knapp 30.000 Passagiere betroffen waren.
Zuletzt hatte das Bodenpersonal im Jahr 1985 gestreikt. Damals riefen die Vorläuferorganisationen von Verdi die Lufthansamitarbeiter auf, wegen 75 DM die Arbeit niederzulegen. Nach einem knapp dreiwöchigen Arbeitskampf wurde ein Schlichterergebnis übernommen.
In diesem Sommer hingegen, mitten in der Ferienzeit, will Verdi Gehaltsforderungen von 9,8 Prozent durchsetzen. Der Arbeitgeber hat bislang 6,7 Prozent angeboten. Die Offerte für das Kabinenpersonal steht jedoch wegen der notwendigen Tarifeinheitlichkeit unter dem Vorbehalt der Vereinbarungen zwischen Lufthansa und den Tarifpartnern Verdi und Unabhängige Flugbegleiter (UFO). Die 6,7 Prozent plus eine Einmalzahlung von 1 Prozent des jeweiligen Jahresgehalts liegt prozentual etwas unter den Abschlüssen der Branchen, die im Frühjahr ihre Tarifrunde beendeten. Die Lufthansa verweist jedoch auf die schwierige Lage, in der sich die internationale Luftfahrt befindet. Aber Verdi will eine stärkere Beteiligung am guten Unternehmensergebnis. Verhandlungsführer Ott sagte nach dem Scheitern der Tarifgespräche am 10. Juli, der Produktionsfortschritt, die Beiträge der Beschäftigten zur Sanierung des Unternehmens in Krisenzeiten sowie der wirtschaftliche Höhenflug des Konzerns seien in dem Angebot nicht berücksichtigt worden.
Offener Brief an die Mitarbeiter
In einem offenen Brief an die Mitarbeiter hatte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber am letzten Tag der Urabstimmung noch gefordert, keinen Arbeitskampf zu beginnen. Ein Vorstoß des Personalvorstands der Lufthansa, Stefan Lauer, eine Lösung in einem Schlichtungsverfahren zu finden, hatte Verdi schon am Mittwoch abgelehnt.
Der Vorstand zeigte sich bereit, die Mitarbeiter am Unternehmenserfolg mit einer Einmalzahlung zu beteiligen, statt alles in eine Gehaltssteigerung fließen zu lassen, die in Krisenzeiten das Unternehmen beschweren könnte. Doch bislang verfängt diese Argumentation bei Verdi nicht. Es würden Horrorszenarien an die Wand gemalt, um die Beschäftigten zu verunsichern, hieß es. Die Lufthansa stehe wirtschaftlich gut da. Zudem habe die Airline langfristige Kerosin-Lieferverträge abgeschlossen. Deswegen sei sie - anders als Konkurrenten - gegen einen Anstieg der Ölpreise abgesichert.
Wenn es am Montag zu Streiks kommt, haben die Fluggäste, deren Flüge annulliert werden, Anspruch auf Kompensation. Entweder werden sie auf andere Flüge umgebucht oder erhalten im innerdeutschen Verkehr Gutscheine für Fahrten mit der Bahn. Ist der Reisezweck durch den gestrichenen Flug hinfällig, so steht ihnen die Erstattung des Tickets zu. Etwaige Umbuchungskosten sind davon ausgeschlossen. Zusammen mit der Lufthansa haben deutsche Reiseveranstalter Notfallpläne erarbeitet, damit Urlauber am Flughafen informiert und betreut werden.
Text: noa./svs., F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |