Telekommunikation

Drillisch will Freenet-Aufsichtsrat abwählen lassen

Von Holger Schmidt

„Das ist Bonanza und nicht Corporate Germany“: Eckhard Spoerr

„Das ist Bonanza und nicht Corporate Germany“: Eckhard Spoerr

26. Juni 2008 Auf der Hauptversammlung des Telekommunikationsunternehmens Freenet planen die Großaktionäre United Internet und Drillisch, den kompletten Freenet-Aufsichtsrat abzuberufen, das Kontrollgremium anschließend neu wählen zu lassen und dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen. Drillisch verlangt in einem Schreiben an den Freenet-Vorstand, das der F.A.Z. vorliegt, entsprechende Punkte auf die Tagesordnung der Hauptversammlung am 8. August zu setzen. Geht der Plan auf, sollen dann unter anderem der ehemalige E-Plus-Chef Uwe Bergheim und der 1&1-Vorstand Andreas Gauger als neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden. Zudem soll die Hauptversammlung Sonderprüfungen beschließen, ob der Freenet-Vorstand beim Kauf der Debitel-Gruppe seine Pflichten verletzt habe und welche Umstände zur verzögerten Einberufung der Hauptversammlung geführt haben.

Ob United Internet und Drillisch mit ihrem Plan Erfolg haben, hängt wesentlich von den Mehrheitsverhältnissen auf der Hauptversammlung ab, die sich bis dahin noch ändern können. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass United Internet und Drillisch ihren Anteil bis dahin auf 29 Prozent aufstocken werden. Damit lässt sich auf der Hauptversammlung schon viel bewirken. Entscheidend wird aber sein, ob die neuen Aktien, die Freenet für den Kauf von Debitel an den vorherigen Eigner Permira gezahlt hat, rechtzeitig vom zuständigen Richter ins Handelsregister eingetragen werden, um auf der Hauptversammlung schon stimmberechtigt zu sein. Nach Angaben aus Finanzkreisen haben die Anwälte von United Internet und Drillisch den Richter schon dezent darauf aufmerksam gemacht, dass er persönlich haftbar ist, wenn durch die schnelle Eintragung der Aktien ein Schaden für United Internet oder Drillisch entstehen sollte.

Eckhard Spoerr: „Alle sind von der Debitel-Transaktion überzeugt“

Freenet-Chef Eckhard Spoerr versucht nun, möglichst viele Aktionäre zur Hauptversammlung zu bringen und auf seine Seite zu ziehen. „Wir haben mit allen institutionellen Investoren gesprochen. Alle sind von der Debitel-Transaktion überzeugt“, sagte Spoerr. Die Beurteilungen der Analysten und die Aktienkursentwicklung zeigten die Richtigkeit seiner Strategie, sagte Spoerr. Er hofft auch auf die Kleinaktionäre, die mit der Region verbunden sind und die Arbeitsplätze erhalten wollen.

Spoerr findet vor allem das Vorgehen des United-Internet-Chefs Ralph Dommermuth befremdlich. „Der Versuch, den gesamten Aufsichtsrat und Vorstand eines börsennotierten Unternehmens auf einen Schlag komplett abzuservieren, ist neu in Deutschland. Um möglichst günstig an Freenet-Geschäftsbereiche zu kommen, nimmt Herr Dommermuth in Kauf, dass Freenet ins Chaos fällt und Aktionärsvermögen vernichtet wird. Das ist Bonanza und nicht Corporate Germany“, sagte Spoerr.

Frank Rothauge, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim, sieht den Ausgang der Hauptversammlung vollkommen offen. „Die große Frage ist, ob die Permira-Aktien rechtzeitig eingetragen werden. Wenn das gelingt, sieht es gut für das Freenet-Management aus“, sagte Rothauge. Wenn der Großaktionär Credit Suisse auf Seiten von Freenet stehe, stiegen die Chancen weiter. Denkbar sei allerdings auch, dass einige institutionelle Investoren gerne ein neues Freenet-Management sehen, das unbelastet von den Querelen der Vergangenheit arbeiten könnte.

Genau um diese Frage gehe es eigentlich auf der Hauptversammlung. „Die Debitel-Übernahme ist durch. Es geht allein um die Frage, ob das Freenet-Management an Bord bleiben soll oder nicht“, sagte Rothauge. Auch er sieht die neue Strategie, sich nach der Debitel-Übernahme auf den Mobilfunk zu konzentrieren, als richtig an. „Die neue Strategie ist ein gewaltiger Nutzen für alle Aktionäre. Wir begrüßen auch die Entscheidung, die DSL-Sparte zu verkaufen. Freenet ist in diesem Geschäft nicht mehr länger wettbewerbsfähig und hat allein im vergangenen Jahr 80 Millionen Euro verbrannt“, schreibt Rothauge in seiner Bewertung. Er hält die Freenet-Aktie, die zurzeit bei rund 11,50 Euro gehandelt wird, stark unterbewertet und sieht einen fairen Wert von 17 Euro.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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