27. Juli 2005 Die Postbank hat ihren Gewinn im zweiten Quartal 2005 um fast ein Fünftel gesteigert und die Erwartungen von Analysten übertroffen. Der Nettogewinn sei im Zeitraum April bis Juni dieses Jahres auf 113 Millionen Euro von 95 Millionen im Vorjahreszeitraum geklettert, teilte die Banktochter der Deutschen Post am Mittwoch mit. Analysten hatten lediglich mit 108 Millionen Euro gerechnet.
Das Bonner Kreditinstitut profitierte im zweiten Quartal von steigenden Einnahmen im Zins- und Provisionsgeschäft. Trotz historisch niedriger Zinsen stieg der Gewinn im Kreditgeschäft auf 426 (Vorjahreszeitraum: 380) Millionen Euro. Der Provisionsüberschuß kletterte auf 176 (138) Millionen Euro. Hier spiegele sich unter anderem die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für andere Institute wie die Deutsche und Dresdner Bank wider, hieß es. Dadurch konnte die Postbank auch eine höhere Risikovorsorge für faule Kredite, steigende Verwaltungskosten und ein niedrigeres Handelsergebnis ausgleichen.
Kampf um BHW spitzt sich zu
Der Übernahmekampf um die Hamelner BHW Holding wird wahrscheinlich ab August in seine heiße Phase treten. Wir haben in der letzten Woche ein Informationsmemorandum zur BHW erhalten, das uns schon einen näheren Einblick gewährt, sagte Postbank-Chef Wulf von Schimmelmannin einer Telefonkonferenz. Die noch detailliertere Bücherprüfung werde voraussichtlich im August folgen. Wir werden uns das genau ansehen, sagte der Bankchef. Entscheidend sei die Frage, ob die Eigentümer der BHW diese getrennt von der krisengeschüttelten Tochter Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) anbieten wollten. Schimmelmann bekräftigte, keine AHBR-Risiken übernehmen zu wollen.
Die Postbank gilt als Favorit für den BHW-Kauf, seitdem sie ein Aktienpaket von gut neun Prozent im Frühjahr erworben hat. Interesse hat von Schimmelmann wegen der Vertriebsstärke der BHW mit ihren über 4000 Kundenbetreuern im Außendienst und 830 Service-Centern. Finanzkreisen zufolge würde die Postbank - sollten die Firmen nicht getrennt voreinander verkauft werden - eine Übernahme des gesamten Konzerns mit dem amerikanischen Investor Cerberus erwägen. Cerberus würde dann die AHBR bekommen, die Postbank BHW.
Geschäftsprognose bekräftigt
Auch aufs erste Halbjahr gerechnet hat die Postbank 2005 deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn sei von 187 Millionen Euro auf 219 Millionen Euro geklettert, der Gewinn vor Steuern kletterte um 17 Prozent auf 338 Millionen Euro. Die Gesamterträge lagen in den ersten sechs Monaten bei knapp 1,4 (1,26) Milliarden Euro.
Deutschlands größte Filialbank mit mehr als zwölf Millionen Kunden bekräftigte ihre Geschäftsprognose für das kommende Jahr. Vorstandschef Wulf von Schimmelmann will 2006 eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent vor Steuern erreichen. In den ersten sechs Monaten 2005 kam die Postbank auf 14 (12,6) Prozent. Zudem soll die Aufwand/Ertrags-Relation im nächsten Jahr im klassischen Bankgeschäft bei unter 65 Prozent liegen. Damit hätte die Bank nur noch Kosten von 65 Euro, um 100 Euro zu verdienen. Die Postbank liegt heute bei rund 66 Prozent.
Im ersten Halbjahr gewann die Postbank 362.000 neue Kunden und damit deutlich weniger als im Vorjahr mit 454.000. Wegen des Börsenganges im Sommer war 2004 aber ein Ausnahmejahr mit höheren Marketingausgaben und einer starken Medienpräsenz.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa
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