Nach Oligopol-Vorwürfen

Strombranche ruft nach Schiedsrichter

14. November 2007 Eine unabhängige Kommission soll dem Vorwurf nachgehen, es gebe unter den Stromproduzenten keinen funktionierenden Wettbewerb. Das hat der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Energiekonzern Vattenfall, Lars Josefsson, im Gespräch mit der F.A.Z. vorgeschlagen. Er riet den Stromkunden zudem, sich aus der wachsenden Zahl der Angebote das für sie beste auszusuchen. „Es gibt ja günstige Tarife. Ich würde unseren Kunden raten, sich das günstigste Produkt auszusuchen und zu wählen.“ Mit seinen Vorschlägen reagierte Josefsson auf immer neue, zuletzt vom hessischen Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) vorgetragene Oligopol-Vorwürfe gegen die führenden deutschen Stromkonzerne. Rhiel will sie deshalb zerschlagen.

„Man sollte eine unabhängige Kommission mit der Prüfung betrauen“, sagte Josefsson, dessen Unternehmen der drittgrößte deutsche Stromproduzent ist. „Wenn die feststellt, dass es Wettbewerb gibt, dann sollte man das akzeptieren; wenn es Mängel gibt, sollte man sie beheben.“ Er selber könne keine überhöhten Preise erkennen.

„Auch Strom hat seinen Wert“

Die Politik habe den Konzernen selber den Weg in die Marktwirtschaft gewiesen. In der Marktwirtschaft ergebe sich der Preis aber nicht mehr aus Kosten plus Gewinnaufschlag, sondern nach dem Wert, den der Konsument dem Produkt beimessen. „Auch der Strom hat seinen eigenen Wert, unabhängig von den Kosten.“ Das werde in allen anderen Branchen akzeptiert, nur bei den Stromproduzenten nicht. Vorwürfe, der Markt für Stromerzeugung und -handel sei nicht transparent, wies er als falsch zurück. Von seinem Vorschlag erhofft sich Josefsson eine Beruhigung der „fürchterlich destruktiven Diskussion“ über Strompreise und Marktmacht der Konzerne. „Wir müssen ein vernünftige Diskussion unter Erwachsenen führen“, sagte er.

Kritisch äußerte sich Josefsson am Rande der Konferenz des Weltenergierates in Rom über die von dem Rat zu Wochenbeginn vorgelegte Klima- und Verbrauchsstudie (siehe auch: Energiehunger bedroht Weltklima). Demnach wird der stark steigende Energieverbrauch bis 2035 zu einem Anstieg und erst nach dem Jahre 2050 zu einem Rückgang bei den Treibhausemissionen führen. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Josefsson, der führende Konzerne der Welt in einer Klimainitiative zusammengeführt hat. Die Energienachfrage werde weltweit stark wachsen, doch könnten größere Anstrengungen gemacht werden, den Ausstoß von Klimagasen einzuschränken. Mit einem effizienteren Energieeinsatz und modernen Technologien könne es gelingen, die Emissionen real bis 2030 zu senken.



Text: ami. / F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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