Banken

Wackelt jetzt der Commerzbank-Dresdner-Deal?

Von Marcus Theurer

Was passiert jetzt mit dem Commerzbank-Dresdner-Deal?

Was passiert jetzt mit dem Commerzbank-Dresdner-Deal?

19. September 2008 Die Finanzmarktkrise hat neue Ausmaße erreicht - und das hat auch Auswirkungen auf die Aktienkurse der Banken in Deutschland. Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der jüngeren Vergangenheit Achterbahn gefahren. Am Donnerstagvormittag brach das Papier zunächst um 6 Prozent ein, weil an der Börse Spekulationen die Runde machten, der Milliardenkauf der Dresdner Bank von der Allianz könnte platzen. Dann dementierten Commerzbank und Allianz und der Commerzbank-Kurs schoss nach oben - zeitweise notierte die Aktie um 5,6 Prozent über dem Schlusskurs vom Mittwoch.

Was ist los an der Börse? Und ist das Geschäft wirklich wasserdicht?, fragen sich inzwischen die Beobachter. Klar ist, dass der Verkauf der Dresdner Bank für die Allianz umso unvorteilhafter wird, je weiter die Commerzbank-Aktie abrutscht. Denn der Versicherer erhält einen Großteil des Kaufpreises in Commerzbank-Aktien. Der bei Vertragsunterzeichnung von der Allianz mit 9,8 Milliarden Euro bezifferte Erlös für die Dresdner kann nur realisiert werden, wenn der Commerzbank-Kurs stabil bliebe.

Aktie hat an Wert verloren

Doch die Aktie hat gegenüber ihrem Durchschnittskurs im August von 20,80 Euro, der Basis für die Ermittlung des Kaufpreises war, mittlerweile rund ein Drittel an Wert verloren. Bleibt es dabei, wird der Kurseinbruch die Allianz schon im ersten Schritt der komplexen Transaktion viel Geld kosten: Sie soll dabei für 60 Prozent an der Dresdner Bank unter anderem rund 164 Millionen Commerzbank-Aktien bekommen. Die aber sind mittlerweile 1,1 Milliarden Euro weniger wert als noch bei Vertragsunterzeichnung vor drei Wochen angenommen.

Es könnte noch schlimmer kommen. Im zweiten Schritt soll die Allianz 2009 für die restlichen 40 Prozent an der Dresdner Bank ausschließlich in neuen Commerzbank-Aktien bezahlt werden. Auch dieser Teil des Verkaufserlöses, der bei Vertragsabschluss mit 3,2 Milliarden Euro beziffert wurde, schrumpft mit jedem Cent, den der Commerzbank-Kurs nachgibt. Ist die Wertminderung dauerhaft, drohen Abschreibungen.

Noch ist das Geschäft brenzlig

Wie brenzlig das Geschäft für den Versicherer mittlerweile geworden ist, zeigt ein Blick auf den Allianz-Aktienkurs, der am Donnerstag auf ein Vierjahrestief gefallen ist. Doch für Michael Diekmann, den Vorstandsvorsitzenden der Allianz und Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing gibt es kein Zurück mehr. Sollte der Verkauf der Dresdner Bank scheitern, müssten sich beide ernsthaft Sorgen um ihren Posten machen.

Die Chefs entscheiden aber nicht allein. Ernst wird es in der für Februar geplanten außerordentlichen Hauptversammlung der Commerzbank: Ihre Aktionäre müssen dem zweiten Teil des Geschäfts zustimmen. Die Allianz ist dann, wenn alles planmäßig verläuft, zwar schon Hauptanteilseigner - aber nur mit einem Anteil von 18 Prozent.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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