Medienbericht

Microsoft-Plan sieht Aufspaltung von Yahoo vor

20. Mai 2008 Der neue Plan des amerikanischen Softwareriesen Microsoft nach der gescheiterten kompletten Übernahme von Yahoo sieht einem Zeitungsbericht zufolge eine Aufspaltung des Internetportals vor. Microsoft wolle von Yahoo das Geschäft mit Internetwerbung übernehmen, berichtete das gewöhnlich gut informierte „Wall Street Journal“ in seiner Onlineausgabe. Weiter solle Yahoo seine Aktivitäten in Asien an Microsoft abtreten. Am verbleibenden Unternehmen will der Softwarekonzern demnach einen Anteil übernehmen. Diese Zerschlagung des Internetportals kommt bei der Yahoo-Unternehmensführung laut „WSJ“ allerdings nicht gut an.

Das Onlinewerbegeschäft steht im Mittelpunkt des Interesses von Microsoft: Der Softwarekonzern versucht seit geraumer Zeit, den Internetgiganten Google anzugreifen, der den Markt mit Werbung im Internet klar dominiert. Schon das etwa 45 Milliarden Dollar (rund 30 Milliarden Euro) schwere Übernahmeangebot im Februar hatte der Softwareriese so begründet. Internetwerbung gewinnt immer mehr an Bedeutung: Da viele Dienste kostenlos angeboten werden, werden diese durch Werbung finanziert. Das gilt zunehmend auch für Software, das ursprüngliche Microsoft-Kerngeschäft: Sie wird verstärkt kostenlos im Netz angeboten - werbefinanziert.

Microsoft will offenbar auch verhindern, dass es zu einer Zusammenarbeit zwischen Google und Yahoo kommt. Yahoo hatte jüngst testweise Technologie von Google zur Plazierung von Anzeigen neben den Resultaten von Internetsuchen genutzt.

Microsoft hatte am Sonntag in einer vage gehaltenen Presseerklärung mitgeteilt, nach der gescheiterten Übernahme von Yahoo zwar keine Übernahme mehr anzustreben, dafür aber eine andere Form der Zusammenarbeit mit Yahoo. Ziel ist demnach, „die Online-Dienste und das Anzeigengeschäft zu verbessern und auszubauen“. Wie diese Alternative zur Übernahme genau aussehen könnte, hatte Microsoft nicht bekannt gegeben.

Der Aktienkurs von Yahoo war nach dem Rückzug von Microsoft zunächst eingebrochen, hat sich aber seither wieder erholt. Ein Grund für die Erholung des Yahoo-Aktienkurses war der Einstieg des bekannten Finanzinvestors Carl Icahn. Dieser hat eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo erworben und eine Kampagne gestartet, um den Verwaltungsrat des Unternehmens auf der am 3. Juli angesetzten Hauptversammlung von Yahoo abzulösen. Damit will Icahn erreichen, dass Yahoo doch noch an Microsoft verkauft wird. "Es ist ziemlich offensichtlich, dass das Angebot von Microsoft besser ist, als der Fortbestand von Yahoo als unabhängiges Unternehmen", hatte Icahn dem Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock geschrieben. Bostock wies das Ansinnen von Icahn zurück und warf ihm ein falsches Verständnis der Fakten über die Microsoft-Offerte vor.

An der Wall Street wird nun damit gerechnet, das Icahn trotz der von Microsoft angestrebten Kooperation weiter auf einen gesamten Verkauf von Yahoo drängt. Dies sei das Beste für die Aktionäre von Yahoo, sagte eine mit den Plänen von Icahn vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Andernfalls werde Icahn darauf drängen, dass Yahoo sich mit Google gegen Microsoft zusammenschließt.



Text: nks./AFP
Bildmaterial: dpa

 
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