Übernahmekampf mit MAN

Scania-Chef entschuldigt sich für „Blitzkrieg“-Bemerkung

Östling: “Das war nie als beleidigend gedacht“

Östling: "Das war nie als beleidigend gedacht"

08. Dezember 2006 Scania-Chef Leif Östling hat sich für seine im Abwehrkampf gegen MAN geäußerte „Blitzkrieg“-Bemerkung entschuldigt. „Diese Aussagen waren nie als beleidigend gedacht“, teilte Östling am Freitag mit. „Wenn sie doch so angekommen sind, bedauere ich das zutiefst und entschuldige mich dafür.“

In einem Fernsehinterview hatte Östling am Donnerstag zu den Übernahmebemühungen von MAN-Chef Hakan Samuelsson erklärt: „Der Deutsche ist ja Experte beim Blitzkrieg. Allerdings hat man auch etliche davon verloren.“ Samuelsson - selbst Schwede und vor seinem Wechsel zu MAN im Jahr 2000 Scania-Vorstand - hatte die Äußerung kritisiert.

„Größter Ausrutscher“

Vergleicht sich indirekt mit Churchill: Leif Östling

Vergleicht sich indirekt mit Churchill: Leif Östling

Die schwedische Öffentlichkeit hat mit scharfer Ablehnung auf Äußerungen Östlings über MAN reagiert. Die Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ bezeichnete Östlings verbale Attacke als „den größten Ausrutscher der schwedischen Unternehmensgeschichte“. Der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg sei „geschmacklos und urteilslos“ und stelle Östlings Führungsstärke und seine internationale Stellung in Frage. Auch Fredrik Lindgren, Sprecher des zweitgrößten Scania-Aktionärs Investor AB, distanzierte sich von den Äußerungen. „Für uns geht es nicht um Schweden und Deutschland, sondern darum, was industriell richtig für Scania ist.“ Den von der Redaktion als „gehässig“ bezeichneten Ton Östlings wollte er jedoch nicht kommentieren.

Der deutsche Botschafter in Schweden, Wolfgang Trautwein, bescheinigte Östling eine „sehr bemerkenswerte Wortwahl“. Sie gehöre in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Klaus Bohler von der Deutsch-Schwedischen Handelskammer sagte, dieses Kriegsbeispiel passe nicht zu zwei globalen Unternehmen. Ein Sprecher von MAN sagte: „Wir bedauern, daß der Vorstandsvorsitzende von Scania diesen Ton gewählt und die sachliche Ebene verlassen hat.“ MAN werde sich nicht an dieser Diskussion beteiligen. „Wir konzentrieren uns auf die wichtigen Dinge.“

„Blut, Schweiß und Tränen“

Der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Lastwagenherstellers hatte mit harten Worten gegen MAN geschossen. In einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender TV8 hatte Östling das Vorgehen von MAN mit Methoden des Zweiten Weltkriegs verglichen. Sich selbst rückte Östling in die Nähe von Winston Churchill, der für die Verteidigung Großbritanniens gegen Nazideutschland „Blut, Schweiß und Tränen“ versprochen habe. „Und das ähnelt ein wenig dem, was ich den Leuten hier gesagt habe.“

Hintergrund der verbalen Ausfälle ist das Übernahmeangebot von MAN an die Aktionäre von Scania. Östling und der Großaktionär Investor AB lehnen das Angebot nach wie vor ab. MAN hat am Donnerstag, wie erwartet, angekündigt, die Annahmefrist bis 31. Januar zu verlängern. Zunächst war der 11. Dezember der Schlußtermin, doch hat die EU-Kommission ihre Entscheidung über die wettbewerbsrechtliche Prüfung auf den 20. Dezember verschoben (F.A.Z. vom 1. Dezember).

„Wir wollen sie hier nicht haben“

Auch der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat sich im Übernahmekampf nun zu Wort gemeldet. „Ich hoffe, daß dieses Kronjuwel der schwedischen Industrie schwedisch bleibt“, wird er von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Schweden müsse aufpassen, nicht eine Volkswirtschaft zu werden, in der Firmen nur Niederlassungen ausländischer Konzerne seien.

Scania-Chef Östling streute seine diffamierenden Äußerungen auch in anderen schwedischen Medien. In einem Interview mit der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ sagte der Scania-Chef, die Führungsetagen in Deutschland hätten zwar „Respekt vor Franzosen, Russen und Amerikanern, aber nicht vor kleinen Nationen“. Dem Wirtschaftsblatt „Dagens Industri“ sagte er in einem Interview über MAN: „Wir wollen sie nicht hier haben.“

Laut „Dagens Industri“ nannte Östling das Vorgehen des Münchner Konzerns „ungewöhnlich roh“. Schon Mitte Oktober hatte sich Östling im Gespräch mit dieser Zeitung über Håkan Samuelsson, den schwedischen Vorstandschef von MAN, und das Übernahmeangebot beschwert: „Ich weigere mich, mit einem Gewehr am Kopf zu verhandeln.“ Er empfinde das Vorgehen von Samuelsson als extrem unfreundlich. Östling schloß die Frage an: „Ist das typisch für München oder Bayern?“

Text: FAZ.NET mit lika./him. und Material von Reuters
Bildmaterial: dpa

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