29. August 2006 Die Commerzbank wird mit rund 15,3 Prozent bei ihrem russischen Konkurrenten Promsvyazbank einsteigen. Die Frankfurter Bank teilte mit, daß sie sich an einer Kapitalerhöhung der Promsvyazbank beteiligen wird. Die Option einer schrittweisen Aufstockung auf eine Mehrheitsbeteiligung wird derzeit geprüft, so die Commerzbank weiter. Vor diesem Hintergrund wurde Stillschweigen über den Preis der Kapitalerhöhung vereinbart.
Die Promsvyazbank ist die zwölftgrößte Bank Rußlands und vor allem im Mittelstandsgeschäft aktiv. Das Institut mit insgesamt 36 Filialen wird von den Brüdern Dmitry und Alexei Ananev kontrolliert.
Einstieg mit 25 Prozent im Gespräch
Eine mit der Situation vertraute Person sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus wolle sich im Privatkundengeschäft verstärken.
Der russische Bankenmarkt wächst rapide und gerät zunehmend ins Visier ausländischer Investoren. So hat die österreichische Raiffeisen International für 550 Millionen Dollar die Impexbank gekauft, während OTP aus Ungarn 477 Millionen Dollar für Investsberbank auf den Tisch blätterte.
Societé Generale schließlich zahlte 317 Millionen Dollar für einen zehnprozentigen Anteil an der russischen Rosbank. Tatsache ist ganz einfach, daß der russische Bankenmarkt boomt, sagte Analyst David Nangle von Renaissance Capital in Moskau. Dies führt dazu, daß die Preise für attraktive Kreditinstitute steigen.
In Polen bereits vertreten
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat mehrfach erklärt, auch über Zukäufe wachsen zu wollen und dabei Übernahmen in Osteuropa nicht ausgeschlossen. In Polen sind die Frankfurter beispielsweise bereits über ihre Tochter BRE vertreten. Da Müller zuletzt bei den Auktionen um die Berliner Bank und die Norisbank das Nachsehen hatte, bestünde ausreichend finanzieller Spielraum für ein Engagement im Osten.
Die Promsvyazbank will im Herbst eine Kapitalerhöhung über drei Milliarden Rubel (rund 88 Millionen Euro) über die Bühne bringen. Die Bilanzsumme des russischen Instituts belief sich Ende Juni auf umgerechnet etwa 3,7 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2006 erwirtschaftete die Bank einen Nettogewinn von 2,68 Millionen Rubel.
Auch innerhalb Deutschlands auf Expansionskurs
Auch innerhalb Deutschlands scheinen die Zeichen bei der Commerzbank auf Expansion zu stehen. Einem Zeitungsbericht zufolge will die Commerzbank wieder Arbeitsplätze im Investmentbanking aufbauen. 2006 wollten wir 100 neue Stellen schaffen, sagte Nicholas Teller, Leiter des Bereichs Firmenkunden und Investmentbanking, dem Handelsblatt.
Rund 100 Stellen könnten noch einmal dazu kommen. Die Zeit der Einschnitte sei weitgehend vorbei; 90 bis 95 Prozent der Sparmaßnahmen seien mittlerweile umgesetzt.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, Dow Jones
Bildmaterial: AP
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