17. September 2007 Mit der Automobilindustrie hat der Verband der Netzbetreiber (VDN) nichts zu tun. Wohl aber mit der Unterhaltung und Stabilisierung des Stromnetzes. Das könnte leichter gehen, sagt Geschäftsführer Konstantin Staschus, wenn die Autos massenhaft mit Hybridmotoren ausgestattet würden und per Stecker betankt würden. Die Bundesregierung plant einen Feldversuch.
Herr Staschus, fährt Ihr Auto eigentlich mit Strom?
Noch nicht. Denn kein großer deutscher Autobauer bietet derzeit ein Fahrzeug mit Elektromotor an. Und auf der ganzen Welt gibt es noch kein Großserienauto mit Stecker, das man zum Auftanken einfach an die Steckdose hängt. Aber Elektroautos sind an sich eine tolle Sache.
Weil die Stromkonzerne damit noch mehr Geld verdienen können?
Nein. Es wäre vor allem für die Umwelt gut, und wir würden unabhängiger von Ölimporten. Elektromotoren sind viel effizienter und sauberer als Benzin- oder Dieselmotoren. Sie sind leiser und sparsamer im Energieverbrauch, emittieren kein Kohlendioxid und andere Schadstoffe, schonen den Geldbeutel und stabilisieren das Stromnetz. Wegen dieser Effizienzgesichtspunkte hat die Bundesregierung das Stichwort Elektromobilität“ in ihr Energie- und Klimaprogramm aufgenommen. So können wir wirklich Energie sparen.
Wenn Autos weniger Sprit brauchen, verpesten dann Kohlekraftwerke die Luft.
Aus den Kohlekraftwerken kommt doch schon heute praktisch nur noch Kohlendioxid und Wasserdampf. Der Gesamtausstoß an Kohlendioxid wird geringer, denn es wird insgesamt weniger Energie verbraucht, weil die Elektromotoren effizienter sind. Wenn massenhaft Elektroautos am Stromnetz hängen, kann viel mehr Windenergie, die ja bekanntlich schubweise auftritt, abgefangen und verbraucht werden.
Die Autoflotte als Puffer oder Überlaufbecken für das Stromnetz?
Das wäre die Vision. Das geht natürlich nur bei einem großen Marktanteil von Hybridfahrzeugen mit Stecker. Aber das System muss noch wirtschaftlich werden.
Sie brauchen dafür große Batterien, und das Auto hat dennoch nur einen kleinen Aktionsradius. Das macht die Sache unwirtschaftlich.
Die Mehrkosten für eine große Autobatterie von etwa 100 Kilogramm liegen bei einer Massenfertigung bei unter 4000 Euro. Mit einer Ladung kann man dann etwa 70 Kilometer fahren, anschließend hilft der Benzinmotor weiter. 70 Kilometer sind übrigens mehr als die durchschnittliche innerstädtische Tagesfahrleistung.
Aber damit amortisieren sich die Mehrkosten für die Batterie nie.
Bei 7000 rein elektrisch gefahrenen Kilometern im Jahr könnte man schon grob 500 Euro im Jahr sparen. Zudem steigt der Ölpreis, wie man sieht, weiter. Zum anderen hätte die Stromwirtschaft Vorteile, die sie an ihre Kunden weitergeben könnte.
Die Konzerne sollen dafür bezahlen, dass sie mir Strom verkaufen?
Warum sollten die Netzbetreiber durch eine geringere Stromrechnung den Nutzen nicht entgelten, den sie durch bessere Netzauslastung und durch die Batterien als Speicher für Netz- und Windschwankungen bekommen? Das könnten vielleicht zehn, zwanzig oder dreißig Cent pro Nacht sein. Und damit würde die Amortisierungszeit der Batteriekosten noch kürzer. Wir könnten das Stromnetz sicherer machen und zugleich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen einspeisen.
Ganz nach dem Motto Mehr Wind auf die Straße“?
Heute ist es ja gerade der fluktuierende Windstrom, der immer wieder droht, das Netz aus dem Takt zu bringen.
Wo werden die Autos betankt?
Am einfachsten wäre es in der Garage. Stecker rein und fertig. Besser noch, wenn es statt 230 Volt einen 400-Volt-Anschluss gäbe, wie man ihn für den Küchenherd braucht. Dann ist die Batterie in 90 Minuten aufgeladen. Weil das nur ein kleiner Teil der Nacht oder des Bürotags ist, kann der Netzbetreiber die Batterie den Rest der Zeit nutzen, um Windenergieschwankungen auszugleichen.
Was machen die Laternenparker?
Die können sich am Büroparkplatz oder am Supermarkt einstöpseln. Später, wenn sich das System durchgesetzt hat, vielleicht an jeder Laterne.bSicher nicht. Die Abrechnung übernehmen elektronische Steuerungseinrichtungen. Die registrieren nicht nur den Stromfluss, sondern können auch sagen, wann und wie viel getankt werden soll und zu welchem Tarif. Daran arbeiten Netzbetreiber und Universitäten schon heute unter dem Stichwort intelligente Netze und Zähler.
Wann sind diese Plug-in-Hybridautos marktfähig?
Das hängt von den Herstellern ab. Der Vizechef von General Motors, Lutz, hat die Technik schon angepriesen. Die Fahrzeugtechnik ist grundsätzlich vorhanden, auch bei deutschen Herstellern. Toyota hat kürzlich angekündigt, Autos etwa bis 2010 mit großen wiederaufladbaren Batterien auszustatten. Aber das ist kein großer Technologiesprung mehr. In ein, zwei Modellgenerationen müsste die Umstellung branchenweit möglich sein. Die Bundesregierung will das mit einem Feldversuch unterstützen.
Wann fahren Sie ein Auto mit Stromstecker?
Ich hoffe, bald. In fünf bis zehn Jahren sollte jeder, der will, sein Auto mit Stecker am Stromnetz betanken können – und so helfen, die Windenergie sicher in das Netz zu integrieren.
Die Fragen stelle Andreas Mihm.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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