13. Juni 2008 Die Entscheidung der amerikanischen Luftwaffe zur Vergabe eines Milliardenauftrags an den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist offenbar zum Teil auf Grundlage fehlerhafter Berechnungen im Pentagon gefallen. Bei einer Überprüfung ihrer Planungen für die erwarteten Betriebskosten für die georderte Tankflugzeug-Flotte habe die amerikanische Luftwaffe fünf Fehler gefunden, was zu einer geringfügigen Anpassung der Betriebskosten geführt habe. Das teilte der amerikanische EADS-Partner Northrop Grumman mit. Die fehlerhaften Zahlen hätten aber nicht den Ausschlag für die Entscheidung gegen den amerikanischen Konkurrenten Boeing gegeben, hieß es. Um welche Summen es sich handelt, blieb zunächst unklar.
Die Luftwaffe hatte ihre Berechnungen auf Anweisung des amerikanischen Rechnungshofs (GAO) überprüft, der bis zum 19. Juni ein Gutachten über die Kaufentscheidung zugunsten der EADS vorlegen soll. Der amerikanische Konkurrent Boeing, der sich ebenfalls um den Auftrag beworben hatte, hat gegen die Entscheidung der Air Force Einspruch erhoben. Am 29. Februar hatte das Verteidigungsministerium die Vergabe des 35 Milliarden Dollar schweren Vertrags zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an EADS bekannt gegeben. Es war eine der größten Vertragsvergaben der vergangenen Jahre.
Massive Proteste in Amerika

Viele Amerikaner fanden die Vergabe des Tankflugzeug-Auftrags an ein europäisches Unternehmen gar nicht schön
Die überraschende Vergabe an ein europäisches Unternehmen hatte teils massive Proteste in den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Boeing hatte im März wegen Verfahrensfehlern beim Zuschlag für den Großauftrag Beschwerde bei der zuständigen Regierungsstelle eingereicht. Durch den Protest lag der Auftrag des Pentagons über die Lieferung der 179 Tankflugzeuge des Typs KC-45A vorerst auf Eis. Boeing zufolge ist der Auftrag jetzt wieder in Frage gestellt. Die Luftwaffe sei nun zum Schluss gekommen, dass das eigene Angebot für die Modernisierung der Tankflugzeug-Flotte günstiger sei, als jene Offerte, für die EADS zusammen mit dem amerikanischen Partner Northrop Grumman Anfang März den Zuschlag erhalten hatte, sagte Boeing-Sprecher Bill Barksdale. Er reagierte auf die Northrop-Erklärung, in der von kleineren Berechnungsfehlern die Rede war.
Die EADS hat eigenen Angaben zufolge noch keine Mitteilung der amerikanischen Rechenschaftsbehörde GAO erhalten. Wir warten nach wie vor auf die Entscheidung des Government Administrative Office, sagte ein EADS-Sprecher am Freitag. Wir sind nach wie vor der festen Überzeugung, am Ende eines fairen und transparenten Prozesses den Zuschlag bekommen zu haben, fügte er hinzu. Die GAO will bis zum 19. Juni über den Boeing-Protest entscheiden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP
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