Auftragseingänge halbiert

Die Maschinenbauer sind erschüttert

Auftragseingänge halbiert: Die Maschinenbauer sind erschüttert
01. Juli 2009 

Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Krise im Maschinenbau haben einen schweren Dämpfer erhalten. Entgegen den Erwartungen vieler Branchenbeobachter hat sich das Tempo, in dem die Aufträge wegbrechen, im Mai nicht spürbar verlangsamt. Wie der Branchenverband VDMA mitteilte, sanken die Auftragseingänge in diesem Monat um real 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert, wobei die Inlandsbestellungen um 42 Prozent und die Auslandsnachfrage um 51 Prozent nachgaben. Einzelne Monatsdaten sollten zwar nicht überbewertet werden, „aber wir hatten doch auf bessere Zahlen gehofft“, sagte der VDMA-Konjunkturfachmann Olaf Wortmann.

Im Vorjahr hatte der Mai nach dem Rekordmonat April einen ersten Rückgang der Auftragseingänge gebracht. Wegen dieses statistischen Basiseffekts hatten die Ökonomen nun auf ein deutlich geringeres Minus bei der Auftragsentwicklung gehofft. Der unerwartet schlechte Mai-Wert zeige, wie schwer die Wirtschaftskrise auf vielen wichtigen Märkten der Maschinenbauer tatsächlich sei, hieß es in der Branche. Die Kunden hätten in den vergangenen Jahren ihre Maschinenparks erneuert und erweitert und zögerten weitere Investitionen nun hinaus, zumal auch die Finanzierung in vielen Fällen schwierig sei. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Hannes Hesse, beklagte, die zögerliche Kreditvergabe durch die Banken sei eines der größten Hindernisse auf dem Weg aus der Krise. Die Institute verlangten immer mehr Sicherheiten von den Unternehmen. „Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit. Man muss Banken zwingen, Geld rauszugeben“, appellierte Hesse an die Politik.

Steinbrück: Ich sehe die Banken in der Pflicht

“Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit“

"Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit"

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte die Banken auf, die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank zu nutzen, um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. „Es ist Aufgabe der Banken, das Arteriensystem der deutschen Volkswirtschaft mit Kapital zu versorgen“, mahnte er. „Ich sehe die Banken in der Pflicht.“ Er kritisierte ihre Neigung, die Liquidität vor allem im Handelsgeschäft und nicht im Kreditgeschäft zu nutzen. Sie müssten dafür sorgen, dass „wir nicht ansatzweise in die Nähe einer Kreditklemme kommen“. Auf die gesamte Wirtschaft bezogen gebe es zwar derzeit keine Kreditklemme. Aber in Einzelfällen habe man dafür Anzeichen. Die Notenbanken hätten alles getan, damit die Banken genügend Liquidität haben. In der vergangenen Woche stellte die Europäische Zentralbank (EZB) die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von nur 1 Prozent bereit.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte nach einem Treffen mit Vertretern der Banken und der Wirtschaft: „Es gibt noch keine flächendeckende Kreditklemme, sondern nur punktuelle Schwierigkeiten.“ Er wies aber darauf hin, dass es 2010 zu größeren Schwierigkeiten kommen könnte, wenn die Banken die Bilanzen für 2009 vorlegen. Guttenberg warnte vor der pauschalen Schelte, dass die Banken die günstigeren Zinskonditionen nicht an die Kunden weitergäben. Er wolle aber ihre Argumente, dass sie wegen höherer Risiken die Zinsen nicht so schnell sinken lassen könnten, genau prüfen. Künftig will er mit der Wirtschaft und den Banken monatlich zusammenkommen.

Kapazitäten bei weitem nicht ausgelastet

Die Kapazitätsauslastung im Maschinenbau ist nach den bislang jüngsten Erhebungen (Ende April) auf knapp 72 Prozent gesunken, als Normalwert gelten in der Branche 85 Prozent. „Wir sind noch nicht in der Talsohle angelangt, und dass es bei der Dynamik der Auftragsentwicklung keine Verlangsamung gegeben hat, ist besorgniserregend“, sagte Wortmann. Im schwankungsärmeren Dreimonatsvergleich von März bis Mai gingen die Bestellungen um real 47 Prozent zurück. Der Verband sieht inzwischen mehr als 50 000 der insgesamt knapp 1 Million Stellen im Maschinenbau in Gefahr. Bislang hat die Branche vor allem Leiharbeiter nach Hause geschickt und befristete Verträge nicht verlängert. Nach Ansicht von Hesse werden die Unternehmen in absehbarer Zeit mit Entlassungen beginnen.

Zwar sind die Geschäftserwartungen in der Industrie in vielen Ländern rund um den Globus jüngst wieder angestiegen, „aber das findet im Auftragseingang des Maschinenbau noch keinen Widerhall“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Der Verband hat für dieses Jahr einen Rückgang des Produktionswerts um 10 bis 20 Prozent prognostiziert. Es werde wohl eher auf minus 20 Prozent hinauslaufen, hieß es. Kein einziger Fachzweig der Branche weise derzeit noch Auftragszuwächse auf. In den vergangenen Monaten waren zumindest einige wenige Sparten - zum Beispiel der Aufzugs- und Fahrstuhlbau - im Plus gewesen. Die große Frage für alle Unternehmen sei, mit welchen Kapazitäten sie in den kommenden Monate planen sollen.

Maschinenbau

Der Maschinen- und Anlagebau ist nach eigenen Angaben der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland, noch vor der Automobilindustrie. Die Branche beschäftigt nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rund 975.000 Mitarbeiter im Inland. Der Maschinen- und Anlagenbau umfasst 5.920 Unternehmen mit einer Durchschnittsgröße von mehr als 154 Beschäftigten.

Kennzahlen 2008

Umsatz: 205 Milliarden Euro

Produktion: 194,0 Milliarden Euro

Exportwert: 147,0 Milliarden Euro

davon in Euro-Länder: 42,7 Milliarden Euro

Inlandsabsatz: 47,0 Milliarden Euro

Exportquote: 75,8 Prozent

Text: hpa./mas./km., F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
19.03.2010 | 14:47
Dax 6.030,21
+0,30 %
 
        Vortag
19.03.2010 | 15:04
Name Kurs in %
DAX 6.030,21 +0,30%
TecDAX 823,07 −0,10%
MDAX 8.032,96 +0,57%
SDAX 3.792,12 −0,06%
REX 382,34 −0,03%
Eurostoxx 50 2.920,20 +0,22%
Dow Jones 10.780,50 +0,01%
Nasdaq 100 1.943,10 −0,04%
S&P500 1.165,82 −0,03%
Nikkei225 10.824,70 +0,75%
EUR/USD 1,3532 −0,56%
Rohöl Brent Crude 81,22 $ −0,32%
Gold 1.122,75 $ +0,09%
Bund Future 123,08 € +0,05%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche