G-8-Gipfel

Ein neuer Aktionsplan soll die Erderwärmung drosseln

Erderwärmung: Verantwortung auch bei den Schwellenländern

Erderwärmung: Verantwortung auch bei den Schwellenländern

07. Juli 2005 Trotz der Bombenanschläge in London haben sich die G-8-Staaten im schottischen Gleneagles auf einen Aktionsplan zu Klima, Energie und nachhaltiger Entwicklung geeinigt. Beim Thema Klimaschutz war das Gipfelklima allerdings erwartungsgemäß nicht sonderlich gut. Schon vor dem Weltwirtschaftsgipfel hatte der amerikanische Präsident der Welt noch einmal mitgeteilt, daß er das Kyoto-Protokoll und den damit eingeschlagenen Weg zu einer massiven Verringerung des Kohlendioxydausstoßes für falsch halte.

George Bush ist mit dieser Position isoliert, auch wenn er inzwischen zugesteht, daß die Erderwärmung auch durch Menschenhand verursacht wird. Alle übrigen Gipfelstaaten - Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Kanada, selbst Rußland - haben das völkerrechtlich bindende Protokoll unterschrieben und wollen im Jahr 2012 nicht mehr Klimagase ausstoßen als im Jahr 1990.

Bush zielt auf die Einbindung der Schwellenländer

Es sind nicht nur die Kyoto-Staaten oder Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder die "Freunde der Erde", die mehr Klimaschutz verlangen. Anfang Mai hatten die wissenschaftlichen Akademien der G8, also auch die amerikanische Akademie, die Staats- und Regierungschefs dazu aufgerufen, "anzuerkennen, daß die Bedrohung durch den Klimawandel eindeutig ist und weiter zunimmt". Ende Mai stellten mehr als zwei Dutzend international tätige Konzerne, darunter Volkswagen, die Deutsche Bank und Energiekonzerne wie BP, Eon oder Vattenfall, gemeinsam fest, daß weitere substantielle Fortschritte für eine Reduzierung der Klimagase notwendig seien.

Noch zwei Tage vor Beginn des Gipfels warnte der Chef der Internationalen Energieagentur, Claude Mandil: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, führt das zu einem Anstieg der Kohlendioxydemissionen bis 2030 um 60 Prozent." Die Gipfelteilnehmer antworten darauf mit einem neuen Aktionsplan zu Klima, Energie und nachhaltiger Entwicklung. Der soll es auch Bush ermöglichen, sich in eine globale Klimaallianz einzureihen, ohne daheim als Umfaller zu erscheinen.

Deutschland könnte von der Erklärung profitieren

Über Kyoto hinaus müsse gedacht werden, hatte er schon auf der Anreise verlauten lassen. Das zielt vor allem auf die Einbindung der Schwellenländer in den Klimaschutz, deren Wirtschaftswachstum mit einem nichtgekannten Energiehunger einhergeht. 45 Prozent des Klimagasausstoßes auf der ganzen Welt stamme schon heute aus Schwellenländern, heißt es bei der Bundesregierung. China allein plant für die kommenden Jahre einen jährlichen Zubau an Kohlekraftwerken, der so groß ist wie der gesamte deutsche Kohlekraftwerks-park. Deshalb waren auch die Regierungschefs aus China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko zum Klimagespräch geladen. Sie sollen künftig besseren Zugang zu moderner Technik erhalten, effizientere Kraftwerke bauen und vermehrt auf erneuerbare Energien setzen. Die Weltbank könnte das mit billigen Krediten unterstützen. Die Bundesregierung hatte schon vor drei Jahren auf dem Klimagipfel in Johannesburg gesagt, eine Milliarde Euro für Energieeffizienz und den Ausbau "grüner" Energien bereitzustellen, 500 Millionen Euro davon in den kommenden fünf Jahren.

Der Klimadeal auf dem Gipfel kommt allen entgegen. Er grenzt die Amerikaner nicht aus, legt ihnen aber auch keine neuen Verpflichtungen nahe. Die übrigen Staaten können sich in ihrem klimapolitischen Kurs bestätigt sehen. In drei Jahren, wenn nach Rußland und Deutschland Japan den Weltwirtschaftsgipfel ausrichten wird, soll ein Bericht präsentiert werden. So würden die G-8-Staaten auch verpflichtet, das Thema weiterzuverfolgen. Gerade die Bundesrepublik könnte von der Erklärung profitieren: Deutsche Anbieter gelten bei erneuerbaren Energien wie auch bei herkömmlicher Kraftwerkstechnik als international führend. Bundeskanzler Gerhard Schröder nutzte das Thema Energieeffizienz schon, um erneut für sein Lieblingsprojekt - mehr Preistransparenz beim Öl - zu werben.

Text: ami., Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance / dpa/dpaweb

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