Bundesliga im Bezahlfernsehen

Kartellamt bremst Premiere

Von Marcus Theurer

02. Juli 2008 Das Bundeskartellamt will verhindern, dass Fernsehberichte über die Fußball-Bundesliga in Zukunft großteils nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sind. „Wenn die Bundesliga-Berichterstattung fast ausschließlich ins Bezahlfernsehen verlagert würde, wäre dies sicher nicht angemessen“, sagte eine Sprecherin des Kartellamts am Mittwoch dieser Zeitung auf Anfrage. Zugleich signalisierte die Behörde nach monatelanger Prüfung ihre Zustimmung zu der zentralen Vermarktung der Fernsehrechte durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) und deren neuen Partner Leo Kirch.

"Wir haben der Zentralvermarktung der Bundesliga zugestimmt. Die Art und Weise ist noch zu klären", sagte die Sprecherin weiter. Die Zentralvermarktung sei jedoch ein Kartell der Bundesliga-Vereine. Deshalb müssten die Bundesligaspiele weiterhin in größerem Umfang auch im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen seien.

Auktion für die Fernsehrechte liegt seit Monaten auf Eis

"Wenn wir ein solches Kartell zulassen, müssen wir darauf achten, dass die Verbraucher an seinen Vorteilen angemessen beteiligt werden", sagte die Sprecherin des Kartellamts. Wegen der wettbewerbsrechtlichen Prüfung durch die Bonner Behörde liegt die Auktion für die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga seit Monaten auf Eis. Die Behörde ließ am Mittwoch offen, wie lange die Untersuchung noch dauert.

Die Einwände des Kartellamts sind vor allem ein Dämpfer für den Münchner Bezahlsender Premiere. Der bisherige Monopolist im Bezahlfernsehen dringt seit langem darauf, die Bundesliga stärker ins Abonnementfernsehen zu verlagern, um so mehr Exklusivität zu bekommen. Auch die DFL selbst sieht im Bezahlfernsehen das größte Potential für eine weitere Steigerung ihrer Einnahmen. Von den Bedenken des Kartellamts profitieren könnte dagegen die ARD, die bisher in der "Sportschau" die ersten Zusammenfassungen der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen zeigt.

Die Kartellamtssprecherin wollte sich nicht dazu äußern, wie die Wettbewerbshüter zu den Vermarktungsplänen von DFL und Kirch stehen. Die beiden Partner haben vor, in Zukunft Bezahlfernsehanbietern wie Premiere nur noch fertig produzierte Spielberichte anzubieten. Der Abonnementsender will jedoch weiter mit seiner eigenen Sportredaktion arbeiten. In Verhandlungskreisen heißt es, DFL und Kirch stießen mit dem vorgesehenen Abnahmezwang für ihre eigenproduzierten Berichte auch beim Kartellamt auf Widerstand.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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