Amerikanischer Rechnungshof

Milliardenauftrag für EADS droht zu platzen

Zukunft oder Wunschtraum? Europäisches Tankflugzeug für amerikanischen Bomber

Zukunft oder Wunschtraum? Europäisches Tankflugzeug für amerikanischen Bomber

18. Juni 2008 Der milliardenschwere Tankflugzeug-Auftrag der amerikanischen Luftwaffe für den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS steht auf der Kippe. Der Rechnungshof der Vereinigten Staaten unterstützt nach einer Entscheidung vom Mittwoch einen Protest des amerikanischen Rivalen Boeing. Bei der Auftragsvergabe an EADS seien deutliche Fehler erfolgt, teilte der Rechnungshof in Washington mit. Die Behörde empfiehlt der Luftwaffe, das Angebotsverfahren neu zu starten.

EADS wollte am Mittwochabend keinen Kommentar zu der negativen Entscheidung abgeben. Der Chef des Konzerns, Louis Gallois, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Abend in Paris, man wolle eine Stellungnahme nicht überstürzen. EADS will sich zunächst mit dem Partner, dem amerikanischen Unternehmen Northrop Grumman, besprechen. Gleichwohl gab sich Gallois optimistisch, den lukrativen Auftrag behalten zu können. „Trotz unserer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass die Ankündigung des Rechnungshofes nur den Auswahlprozess bewertet und nicht den Wert unseres Angebots“, sagte Gallois am Abend.

Entscheidung erzeugt öffentlichen Druck

Die Entscheidung des amerikanischen Rechnungshofes ist nicht absolut bindend. Die Luftwaffe steht nun aber unter hohem öffentlichen Erwartungsdruck, die Vergabe abermals zu überprüfen. Ende Februar hatte die amerikanische Luftwaffe hatte den Zuschlag für die Lieferung von 179 neuen Tankflugzeugen im Wert von rund 40 Milliarden Dollar überraschend nicht dem bisherigen Lieferanten Boeing erteilt.

Der Gesamtwert des Auftrages summiert sich über die volle Betriebsdauer auf mehr als 100 Milliarden Dollar (rund 65 Milliarden Euro). EADS hatte den Zuschlag als Durchbruch auf dem bislang weitgehend für heimische Konzerne reservierten amerikanischen Rüstungsmarkt gefeiert. Der Rechnungshof GAO (Government Accountability Office) hatte schon bei anderen Prüfungen in der Vergangenheit in einigen Fällen Neuausschreibungen herbeigeführt.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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