Automobile

Das Tauziehen um Opel dauert noch drei Tage

06. Dezember 2004 Das Tauziehen um eine einvernehmliche Lösung für die Sanierung des Automobilherstellers Opel wird sich in den nächsten zwei Tagen entscheiden. Zwar gehen Vorstand und Betriebsrat im Hinblick auf Bestandsgarantien und Gehaltsverzicht aufeinander zu. Doch ist es immer noch eine Zitterpartie, ob eine Teillösung etwa mit dem Schaffen von Beschäftigungsgesellschaften durchgeht. Damit soll der geplante Stellenabbau in Deutschland ohne Kündigungen erfolgen. Der Opel-Eigentümer General Motors (GM) entscheidet am Dienstag in Detroit über den Teilplan. Am Mittwoch muß der Gesamtbetriebsrat darüber befinden.

Sollte GM auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und damit einen weiteren Konflikt mit der Belegschaft vermeiden, würde das für den amerikanischen Autokonzern um einige hundert Millionen Euro teurer werden als ein für Entlassungen erforderlicher Sozialplan. Für die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften veranschlagt Opel nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bis zu 1 Milliarde Euro. Unklar bleibt immer noch, ob die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze in Deutschland deutlich unter der von GM geplanten Zielmarke von 10.000 bis Ende 2005 liegen wird.

Beschäftigungsgesellschaften, Abfindungen, Vorruhestand

Mehrere tausend Mitarbeiter sollen in die Beschäftigungsgesellschaften überführt werden können. Hinzu käme ein Abbau über freiwillige Abfindungsangebote sowie über Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit. Hierbei handelt es sich um freiwillige Maßnahmen. Deren Erfolg hängt maßgeblich davon ab, inwieweit sie von den insgesamt 35.000 Opel-Beschäftigten akzeptiert werden. Sollte die Resonanz gering ausfallen, könnte zu einem späteren Zeitpunkt immer noch die Gefahr von Entlassungen bestehen. Insgesamt wollen die Amerikaner im verlustreichen Europa-Geschäft 12.000 Arbeitsplätze streichen, um jährlich mehr als 500 Millionen Euro einzusparen.

Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz will sich auf solche Zahlen nicht einlassen, was die Verhandlungen in letzter Minute erschwert: „Wir akzeptieren die Streichung von 10.000 Stellen ebensowenig wie die für die Beschäftigungsgesellschaften spekulativ genannten 7500 Mitarbeiter“, sagte er der F.A.Z.. Auf der anderen Seite hat Fritz Henderson, Chef von General Motors Europe, eine Bestandsgarantie für die deutschen Werke bis etwa 2010 in die Waagschale geworfen, womit er auf die Arbeitnehmerseite zugeht. Es gebe eine realistische Chance, Werksschließungen zu vermeiden, sagte Henderson der Zeitschrift „Automobilwoche“. Voraussetzung seien aber Zugeständnisse der Arbeitnehmer etwa bei übertariflichen Leistungen. Dies ist der Fall. Wie gemeldet, haben sich die Belegschaftsvertreter bereit erklärt, auf die zusätzlichen Gehaltsleistungen von 15 Prozent über Tarif zu verzichten und eine größere Arbeitszeit-Flexibilisierung anzubieten.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2004, Nr. 285 / Seite 11

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