Bayern LB

Weißblaue Chaostage

Von Marcus Theurer

14. Februar 2008 Wenigstens den bayerischen Löwen hat das Chaos rund um die Bayern LB nicht aus der Ruhe gebracht. Ungerührt stand das steinerne Wappentier auch am Donnerstagmorgen im grimmigen Februarfrost vor der Zentrale der Münchner Großbank. Andere konnten die am Vortag von der zweitgrößten deutschen Landesbank überraschend mitgeteilten 1,9 Milliarden Euro schweren Wertpapier-Abschreibungen nicht so gelassen nehmen. Im Landtag musste sich am Morgen CSU-Chef und Finanzminister Erwin Huber gegen Vorwürfe wehren, er habe versucht, das Debakel unter der Decke zu halten, weil in Bayern Anfang März Kommunalwahlen sind. „Abwegig“ sei dieser Vorwurf, polterte Huber. Noch am Dienstag hatten er und die Bank abgewiegelt, es gebe keine zuverlässigen Zahlen. Der Politiker ist stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat der Bayern LB, die dem Freistaat zur Hälfte gehört.

In den Filialen der bayerischen Sparkassen zwischen Bayreuth und Traunstein musste derweil die verunsicherte Kundschaft beruhigt werden. Den Sparkassen gehört die andere Hälfte an der Bayern LB. Vergeblich hatte Siegfried Naser, der Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes am Mittwoch in einem internen Schreiben an die Vorstände der Institute versucht, die Wogen zu glätten. Er halte die Belastungen der Bayern LB „in Anbetracht der großen Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten für unspektakulär“, schrieb Naser. Doch in den Fernsehnachrichten war die Bayern LB am Mittwochabend in einem Atemzug mit den kurz vor dem Kollaps stehenden Skandalbanken IKB und West LB genannt worden.

Wackelt nun der Stuhl von Werner Schmidt?

Werner Schmidt, der Vorstandschef der Bayern LB, tat unterdessen das, was er die letzten Monate immer getan hat: Er schwieg und ging selbst nicht an die Öffentlichkeit. Unter seiner Regie hatte das Geldhaus 16 Milliarden Euro schwere Schattenbanken - sogenannte Conduits - im Nirwana des internationalen Kapitalmarkts geschaffen. Mit ganzen fünf Zeilen waren diese Investmentvehikel, die nun zu hohen Abschreibungen führen, im letzten Geschäftsbericht der Bank erwähnt worden. Die Bayern LB muss die Milliardengeschäfte auf die eigenen Bücher nehmen und dafür knappes Eigenkapital reservieren.

Wackelt nun der Stuhl des 64 Jahre alten Bankmanagers? Zumindest den Rückhalt der Sparkassen hat Schmidt offenbar. „Arbeitsverträge werden erfüllt“, hieß es in deren Lager am Donnerstag. Zwischen Huber und Schmidt hat es dagegen wegen der Milliardenbelastungen heftig gekracht. So recht warm geworden sind die beiden ohnehin nicht miteinander, seit Huber vor vier Monaten Finanzminister geworden ist. „Weit entfernt vom Bankgeschäft“ sei der Politiker, heißt es in Finanzkreisen über Huber. Er und Schmidt lägen „nicht auf einer Wellenlänge“.

So kann es nicht weitergehen

Die weißblauen Chaostage zeigen vor allem eines: So kann es mit der Bayern LB nicht weitergehen. Zwar steckt die Bank, soweit bisher bekannt, nicht in vergleichbaren Nöten wie etwa die West LB. Doch das große Rad, das die Münchner im Wertpapiergeschäft gedreht haben, zeige wie bei anderen Landesbanken auch, dass deren Geschäftsmodell nicht trage, sagt Stefan Best, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's. Sie versuchten „fehlendes Kundengeschäft durch Eigenanlagen auszugleichen“, kritisiert Best. „Das ist mit Risiken verbunden, wie man nun sieht.“ Eigentlich soll die Landesbank vor allem als eine Art Zentralbank der Sparkassen agieren und zum Beispiel Finanzierungen und Kapitalmarktprodukte liefern, welche die kleine Sparkasse aus Niederbayern ihren Firmenkunden nicht bieten kann. Doch allein damit verdient der Münchner Koloss, der rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, zu wenig. Riskante Wertpapiergeschäfte sind die Folge.

Bis März soll Schmidt dem Verwaltungsrat der Bayern LB den Entwurf für ein neues, tragfähiges Geschäftsmodell vorlegen. Pläne hatte der Bankchef eigentlich schon: Er wollte einen Zusammenschluss mit der größeren Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ausloten. Die bayerischen Sparkassen waren dafür, doch Huber stoppte die Pläne im Herbst. Er befürchtete, die Bayern LB würde untergebuttert. Seither ist das Verhältnis zwischen den Eigentümern der Bank angespannt.

Huber dementierte, dass die Bayern LB eine Finanzspritze brauche

Die Milliardenabschreibungen lassen die Zweifel wieder wachsen, ob die Bayern LB langfristig allein bleiben kann. „2008 nehmen wir das Wort ,Fusion' nicht mehr in den Mund, danach sieht man weiter“, hieß es am Donnerstag auf Seiten der Sparkassen. „Im Wirtschaftsleben gibt es keine endgültigen Entscheidungen.“ Finanzminister Huber dementierte derweil, dass die Bayern LB nun eine Finanzspritze brauche. „Keinerlei Kapitalerhöhung“ benötige die Bank, sagte er im Landtag. Doch auch dazu gibt es im Eigentümerkreis der Bayern LB anderes zu hören. Wenn die Bayern LB solo bleibe, sei eine Kapitalzufuhr wohl unausweichlich. Anders sei ein neues Geschäftsmodell nicht zu realisieren. Von mehr als 600 Millionen Euro ist die Rede, zusätzlich zu der ohnehin beschlossenen Kapitalspritze von einer halben Milliarde für den Erwerb der österreichischen Hypo Alpe Adria Bank. Ein entsprechender Etatposten ist im bayerischen Haushaltsentwurf für 2008 vermerkt.

Im Kapitalmarktgeschäft zieht Bankchef Schmidt schon in diesen Wochen die Notbremse. Im defizitären Geschäftsfeld „Financial Markets“ sollen rund 80 von 400 Arbeitsplätzen wegfallen. Das geht aus einer internen Mitarbeiterinformation der Bayern LB hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Schon im Sommer hatte die Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag des Vorstands die Problemsparte durchleuchtet. Die Pläne sähen eine „gegenüber dem bisherigen Zielanspruch reduzierte Rolle“ des Kapitalmarktgeschäfts vor, schrieb Schmidt Ende Januar den Mitarbeitern.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 

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Ergebnis
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
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S&P 500 Zert. 14,25 +1,28
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