Automobile

VW-Sanierer Bernhard tritt zurück

VW-Markenchef Bernhard auf dem Absprung

VW-Markenchef Bernhard auf dem Absprung

16. November 2006  VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wird nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch an diesem Donnerstag seinen Rücktritt erklären. Der 46 Jahre alte Allgäuer, der erst seit Februar 2005 im VW-Vorstand sitzt, reagiere damit offenbar auf die neue Weichenstellung an der Konzernspitze, die mit einem Konzernumbau und einer Neuordnung der Verantwortlichkeiten im Vorstand einhergeht, verlautete aus gut informierten Kreisen.

Auf Druck von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch muß Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zum Ende dieses Jahres sein Amt aufgeben. Der designierte Nachfolger, Audi-Chef Martin Winterkorn, will den Konzern künftig zentraler führen und neue Positionen im Vorstand schaffen. Damit verlöre Bernhard, der die Hoheit über die Marken VW, Skoda, Bentley und Bugatti hat, an Einfluß- und Durchgriffsmöglichkeiten. Ein VW-Sprecher wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

An diesem Donnerstag tagt das sechsköpfige Präsidium des Aufsichtsrats, um die VW-Aufsichtsratssitzung am Freitag vorzubereiten. Vermutlich wird Bernhard das Präsidium über seine Absichten informieren. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, daß das paritätisch mit Anteilseigner- und Arbeitnehmervertretern besetzte Gremium Bernhard noch zum Bleiben bewegen kann.

Im Konflikt mit Piëch

Die Arbeitnehmerbank ist ihm sowieso nicht wohlgesonnen. Schließlich hat der frühere Daimler-Chrysler-Manager seit seinem Amtsantritt einen harten Sanierungskurs eingeleitet, um die chronisch ertragsschwache Marke VW mit ihren defizitären Werken in Westdeutschland auf Vordermann zu bringen. Dies ging und geht einher mit einem deutlichen Personalabbau.

Piëch hat sich zwar angeblich für einen Verbleib Bernhards bei VW stark gemacht. Der mächtige Chefkontrolleur steht ihm aber auch kritisch gegenüber: "Bernhard hat bestimmte Eigenschaften, die Piëch nicht so schätzt", hieß es in Porsche-Kreisen. So empfinde Piëch Bernhards offensives Auftreten zuweilen als zu großspurig. Wegen des enormen Sanierungsbedarfs bei der Marke VW war Bernhard an der Börse sehr beliebt. Als Volkswagen die Berufung Bernhards bekanntgab, kletterte der VW-Aktienkurs um 8 Prozent.

Weniger Handlungsfreiheit und Durchgriff unter der neuen Führung

Über die genauen Motive Bernhards ist noch nichts nach außen gedrungen. Angeblich verstehen sich Bernhard und Winterkorn nicht besonders gut. Daß persönliche Animositäten den Ausschlag gegeben haben, ist allerdings fraglich. Winterkorn will den Konzern fortan zentraler von oben führen und die Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Bugatti und Lamborghini enger an die Leine nehmen. Dies geht einher mit der Schaffung neuer zentraler Vorstandspositionen, etwa für Entwicklung und Produktion. Diese Pläne dürften nicht vereinbar sein mit Bernhards Vorstellungen.

Denn sie bedeuteten, daß er Handlungsfreiheit verliert und weniger Durchgriff hat auf wichtige Funktionen und Kostenpositionen sowie Entwicklungspläne in seinem Verantwortungsbereich. Unter Pischetsrieder hatte Bernhard hingegen weitgehend freie Hand. Denn Pischetsrieder war nicht nur ein klarer Verfechter einer dezentralen Führungsstruktur. Er hatte Bernhard explizit auch deshalb geholt, um der darbenden Marke VW einen neuen Leitwolf zu geben.

Text: F.A.Z., 16.11.2006, Nr. 267 / Seite 11, rit.
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Mit dem FAZ.NET-Stromrechner können Sie sich Ihren persönlichen Stromtarif kostenlos berechnen lassen. Jetzt hier klicken und Stromtarife vergleichen.

Dax
Tec
Dow
Nas
23.12.2009 | 17:45
Dax 5.957,44
+0,20 %
 
        Vortag
24.12.2009 | 16:39
Name Kurs in %
DAX 5.957,44 +0,20%
TecDAX 812,35 +0,17%
MDAX 7.472,43 −0,16%
SDAX 3.554,37 −0,21%
REX 377,93 0,00%
Eurostoxx 50 2.957,48 +0,40%
Dow Jones 10.518,10 +0,49%
Nasdaq 100 1.865,30 +0,72%
S&P500 1.120,59 +0,23%
Nikkei225 10.536,90 +1,53%
EUR/USD 1,4335 0,00%
Rohöl Brent Crude 76,03 $ +0,77%
Gold 1.085,25 $ +0,12%
Bund Future 121,84 € −0,42%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche