Bitte um Staatshilfe möglich

Hapag-Lloyd bereitet weitere Einschnitte vor

Von Johannes Ritter und Jürgen Dunsch

Druck im Container-Geschäft: Auch Hapag-Lloyd denkt an Staatshilfen

Druck im Container-Geschäft: Auch Hapag-Lloyd denkt an Staatshilfen

03. Juli 2009 Deutschlands größte Container-Reederei bereitet sich auf weitere Einschnitte vor. Möglicherweise wird Hapag-Lloyd sogar den Staat um Unterstützung bitten. „Ich schließe nicht aus, dass auch Hapag-Lloyd um Staatshilfe nachsucht. Sie würde sicherlich Sinn machen und müsste dann auch zügig gewährt werden“, sagte Klaus-Michael Kühne im Gespräch mit dieser Zeitung im schweizerischen Schindellegi. Der Logistikunternehmer ist seit dem Teilverkauf durch TUI mit durchgerechnet 15 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt.

Ein Sprecher des Unternehmens in Hamburg wollte Kühnes Aussage auf Anfrage nicht kommentieren. Indirekt ließ er erkennen, dass der Ruf nach dem Staat grundsätzlich denkbar ist: „Wir können nichts ausschließen. Alle Optionen zur Zukunftssicherung werden evaluiert.“ Wegen der konjunkturbedingt sinkenden Transportmengen und fallenden Frachtraten hatte der Vorstand unter Führung von Michael Behrendt bereits im Frühjahr das größte Sparprogramm in der Geschichte des Unternehmens aufgelegt und einen Investitionsstopp verhängt.

Das scheint jedoch nicht zu reichen, die Geschäfte entwickeln sich offenbar noch schlechter als erwartet. Schon im ersten Quartal 2009 hatte Hapag-Lloyd nach einem Umsatzminus von 23 Prozent einen operativen Verlust von 222 Millionen Euro eingefahren. Dem Vernehmen nach ist der Verlust im zweiten Quartal sogar noch höher ausgefallen. Und ob es im dritten Quartal besser wird, hängt davon ab, ob Hapag-Lloyd die angekündigte Erhöhung der Transportpreise tatsächlich im Markt durchsetzen kann.

Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt

Für den Fall, dass die erhoffte Ergebnisaufhellung ausfällt, sorgt Behrendt nun vor. Er hat die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, das Unternehmen mit dem Ziel unter die Lupe zu nehmen, weitere Einspar- und Optimierungsmöglichkeiten zu finden. Zu den - nicht näher beschriebenen - „Optionen“ dürfte auch zählen, die Anteilseigner im Ernstfall um eine Kapitalspritze zu bitten. Hauptaktionäre von Hapag-Lloyd sind neben Kühne der Touristikkonzern TUI (Anteil: 43,3 Prozent), die Hansestadt Hamburg sowie die HSH Nordbank, das Bankhaus M.M. Warburg sowie die Versicherer Signal Iduna und Hanse Merkur.

Der Hapag-Lloyd-Sprecher wollte sich nicht konkret zur aktuellen Geschäftsentwicklung äußern. Allgemein stellte er fest: „Die weltweite Situation im Containergeschäft ist unverändert negativ. Auch Hapag-Lloyd kann sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln.“ Derzeit sei die Lage für Hapag-Lloyd aber beherrschbar. Man sehe Chancen, dass die von mehreren Reedereien angekündigten Ratenerhöhungen durchgesetzt werden könnten.

„Dicke Luft“

Zwischen der Führung von Hapag-Lloyd und Kühne herrschte nach dessen Einstieg zunächst „dicke Luft“; der neue Aktionär beklagte Informationsdefizite, der Aufsichtsrat lehnte mit Verweis auf das Aktienrecht eine „Sonderbehandlung“ ab. Inzwischen scheint sich die Lage entspannt zu haben. Karl Gernandt, Kühnes Vertrauensmann und Nachfolger auch in wichtigen Funktionen seines Logistikkonzerns Kühne + Nagel, sitzt im Aufsichtsrat der Reederei, der Patron selbst gibt sich versöhnlich. „Wir sind in eine Phase der konstruktiven Zusammenarbeit mit den Hapag-Lloyd-Gremien eingetreten“, sagt er. Die Sorge um die Branche treibt Kühne offenbar um. Dabei vermischen sich konjunkturelle und strukturelle Gründe. So besteht für ihn kein Zweifel: „Die Frachtraten in der Schifffahrt wären angesichts der Überkapazitäten auch ohne die Wirtschaftskrise gesunken.“ Wer in den guten Jahren nicht das Geld zusammengehalten hat, habe nun zu kämpfen.

Kühne lenkt den Blick nicht zuletzt auf die zahlreichen Schiffseigner ohne weitere Dienstleistung in seiner Heimatstadt Hamburg, indem er sagt: „Die vielen Eigentümer von Schiffen, die sich auf deren Vercharterung beschränken, beneide ich in der derzeitigen Lage nicht.“ Allein den Markt über Wohl und Wehe in der Branche entscheiden zu lassen, findet Kühne allerdings nicht in Ordnung: „Der Staat sollte dafür sorgen, dass die deutsche Schifffahrtsflotte nicht untergeht.“ Auch international befinden sich viele Reedereien derzeit in der Bredouille. Rund um den Globus fahren die Container-Reedereien derzeit mit Verlust, zumal die sinkende Nachfrage von steigenden Kapazitäten verschärft wird, weil viele neue Schiffe in Betrieb genommen wurden. Der Chef der weltgrößten Reederei Maersk-Line, Eivind Kolding, rechnet damit, dass die Krise auch im nächsten Jahr noch die Bilanzen verhageln wird.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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