
In der Luftfahrtbranche beschleunigt sich die Konsolidierung. Mit dem Zusammenschluss von British Airways (BA) und dem spanischen Konkurrenten Iberia entsteht in Europa die drittgrößte Fluggesellschaft, die zum langjährigen Branchenführer Air-France-KLM und der Deutschen Lufthansa aufschließt.
Durch den geplanten Verbund mit Iberia, der seit Mitte 2008 verhandelt wurde und bis 2010 formal besiegelt sein soll, findet BA-Konzernlenker Willie Walsh Anschluss an seine Erzrivalen, die ihre Vormachtstellung in Europa schon früher durch gezielte Zukäufe gesichert hatten: Den Auftakt des Fusionsreigens bestritt Air France vor fünf Jahren, als die Fluggesellschaft aus Paris den niederländischen Konkurrenten KLM übernahm und sich so den strategisch wichtigen Zugang zum stark frequentierten Flughafen-Drehkreuz Amsterdam-Schiphol sicherte. Als nächster Schritt steht für Air-France-KLM der Ausbau in Südeuropa auf der Agenda, nachdem sich das Duo unlängst mit 25 Prozent bei Alitalia eingekauft hat.
Die Lufthansa reagierte auf den Vorstoß der Franzosen mit einer Einkaufstour in den europäischen Nachbarländern. Bestärkt durch die geglückte Übernahme der Schweizer Swiss, die binnen Kürze erfolgreich saniert wurde, verleibte sich die deutsche Fluggesellschaft in den vergangenen Monaten Brussels Airlines, Österreichs AUA sowie British Midland (BMI) ein. Die frisch erworbenen Gesellschaften haben zwar profitable Streckennetze oder heißbegehrte Start- und Landerechte (Slots) an Flughafen-Drehkreuzen zu bieten. Doch im Gegensatz zum Neuzugang aus Belgien fliegen AUA und BMI jeweils hohe Verluste ein, die viele Ressourcen im Management binden und die Ergebnisrechnung des Lufthansa-Konzerns in den nächsten Jahren belasten werden.
Der Kostendruck auf die Platzhirsche steigt
Ebenso wie Air-France-KLM und Lufthansa ist auch BA gezwungen, über Iberia Zugriff auf stark frequentierte Flugrouten zu erhalten und durch die erreichten Größenvorteile Kosten im Einkauf oder der Verwaltung zu kappen. So peilt das britisch-spanische Duo, das im laufenden Geschäftsjahr hohe Verluste schreibt und mit einer Flotte von 419 Passagierjets mehr als 200 Ziele ansteuert, ein Sparvolumen von 400 Millionen Euro im Jahr an.
Der Kostendruck für die langjährigen Platzhirsche in Europa wird nicht allein durch die Folgen der Wirtschaftskrise verschärft, die seit Jahresbeginn für kräftige Umsatzeinbrüche bei zahlungskräftigen Geschäftsreisenden und zunehmend preissensiblen Touristen sorgt. Vielmehr macht sich in jüngster Zeit der Siegeszug der Billigflieger bei den etablierten Fluggesellschaften bemerkbar. Anbietern wie der britischen Easyjet oder der deutschen Air Berlin gelingt es zunehmend, Geschäftsreisende mit günstigen Preisen zu ködern und so langjährige Stammkunden von Lufthansa oder BA abzuwerben. Bei Easyjet beträgt der Anteil der beruflichen Vielflieger auf den wichtigsten Flugrouten in Europa gegenwärtig rund 30 Prozent. Ein noch höherer Anteil wird bei Air Berlin vermutet.
Die Erosion der Kundenbasis veranlasste die Lufthansa, ein ehrgeiziges Sparprogramm aufzulegen und ihre Geschäftspraxis in Europa grundsätzlich in Frage zu stellen: „Wir werden unser bisheriges Geschäftsmodell überdenken und gegebenenfalls ändern müssen”, teilte sie im Juli in einem internen Rundscheiben an die 100.000 Mitarbeiter mit, „denn die Wirtschaftskrise ist nicht die Ursache für unserer schwierige Situation, sie macht nur deutlich, wo unsere Schwächen im Wettbewerb liegen”.
F.A.Z.
Ulrich Friese