11. Januar 2008 Die Bank of America übernimmt den amerikanischen Baufinanzierer Countrywide. Amerikas zweitgrößtes Geldhaus kündigte am Freitag an, für rund vier Milliarden Dollar den angeschlagenen Hypothekenfinanzierer zu kaufen. Mit dem Deal dürfte eine der größten Firmenpleiten in den Vereinigten Staaten in Folge der Hypothekenkrise abgewendet werden.
Auch anderen Hypothekenfinanzierern gab die Nachricht an der Börse Auftrieb. Schon im vergangenen Sommer hatte die Bank of America Countrywide mehr als zwei Milliarden Dollar zugeschossen und damit Übernahmespekulationen angeheizt.
Jemand muss die massiven Verluste einstecken
Noch am Vortag war an den Märkten über einen Konkurs von Countrywide spekuliert worden. Jemand muss die massiven Verluste einstecken, die es mit sich bringen wird, Countrywide wieder aufzurichten, sagte Sean Egan von Egan-Jones Ratings. Das ist machbar, aber die Kosten werden exorbitant sein. Aus Countrywides Sicht ist das die beste Chance auf Rettung. Die Bank of America bekomme durch eine Übernahme eine gute Position im Hypothekengeschäft. Das Geldhaus aus North Carolina ist durch etliche Zukäufe zur zweitgrößten amerikanischen Bank aufgestiegen.
Countrywide steht mit dem Rücken zur Wand. Seit Ende Juli wurden dort 11.000 Stellen abgebaut, der Marktwert schrumpfte innerhalb eines Jahres um gut 80 Prozent. In den Vereinigten Staaten fallen seit Mitte des vergangenen Jahres reihenweise schwach besicherte Baudarlehen aus. Dutzende amerikanische Anbieter von Hypothekenkrediten hatten sich deswegen bereits vom Markt verabschiedet oder gingen pleite. Die Probleme in Amerika hatten nach und nach auch andere Institute rund um den Globus in Mitleidenschaft gezogen.
Am Markt wächst die Angst
Schlechte Nachrichten von Kreditkartenanbietern wie Capital One und American Express schüren unterdessen am Markt die Angst, dass sich auch in der Konsumentenkreditbranche Unheil ankündigt. Capital One senkte zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten seine Prognosen. American Express erhöht wegen vermehrten Kreditausfällen die Risikovorsorge. Immer mehr Bürger der Vereinigten Staaten haben angesichts schärferer Kreditbedingungen Probleme mit der Tilgung ihrer Kreditkartendarlehen oder Autofinanzierungen.
Nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen der großen amerikanischen Banken mehren sich die Gerüchte über noch mehr Abschreibungen bei den Instituten wegen der Finanzkrise. Merrill Lynch verliert der New York Times zufolge 15 Milliarden Dollar - das wäre fast zweimal so viel wie bisher angekündigt (siehe dazu auch: Merrill Lynch muss wohl 15 Milliarden Dollar abschreiben). Die Institute bemühen sich Berichten zufolge um zusätzliches Kapital und schrecken dabei vor Staatsfonds nicht zurück. Bis Ende Januar wollen Institute wie Citigroup, Bank of America, JPMorgan Geschäftszahlen für 2007 offenlegen.
Text: Reuters
Bildmaterial: dpa, REUTERS
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