Stellenabbau

Weiterhin scharfe Kritik an der Deutschen Bank

Bezeichnet Ackermann als verantwortungslos: Reinhard Bütikofer

Bezeichnet Ackermann als verantwortungslos: Reinhard Bütikofer

09. Februar 2005 Führende Politiker von Regierung und Opposition haben ihre Kritik an der Deutschen Bank wegen der von ihr geplanten Entlassungen verschärft.

Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer griff Konzernchef Josef Ackermann am Mittwoch in der ARD persönlich als „verantwortungslos“ an. CSU-Chef Edmund Stoiber warf den Managern der größten deutschen Privatbank Unfähigkeit vor. Die Bundesbank und Vertreter der Wirtschaft haben die Deutsche Bank dagegen in Schutz genommen.

Bütikofer: „Verantwortungsloser Chef“

„Ich sehe einen verantwortungslosen Chef der Deutschen Bank, der so tut, als könnte er nur von der Gesellschaft und von der Politik fordern, als müsse er nicht auch ein guter Staatsbürger sein“, sagte Bütikofer im ARD-Morgenmagazin über den Schweizer Ackermann.

Unterdessen schlossen sich sowohl SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles als auch Juso-Chef Björn Böhning sich im „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe) dem Boykottaufruf der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti an. Diese hatte die Verbraucher zuvor aufgefordert, der Bank den Rücken zu kehren und zu einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse oder Genossenschaftsbank zu wechseln.

Poß: Boykott ist überzogen

Verständnis für den Boykottaufruf zeigte der Leiter des Bremer Instituts für Europäische Wirtschaft, Rudolf Hickel. Damit werde eine wichtige Debatte über das Verhalten von Großunternehmen erzwungen, „die im Zuge der Globalisierung, des Shareholder-Kapitalismus, diejenigen, die zur Wertschöpfung aktiv beigetragen haben, nämlich die Beschäftigten, im Regen stehen lassen“, sagte Hickel dem Sender MDR-Info.

Ablehnend äußerten sich dagegen SPD-Fraktionsvize Joachim Poß und der Sprecher des Seeheimer Kreises der SPD, Klaas Hübner. Die von der Deutschen Bank angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent mache „auch volkswirtschaftlich keinen Sinn“, ein Boykott sei aber überzogen, sagte Poß dem „Handelsblatt“. Hübner betonte, die Politik könne nicht die Geschäftspolitik einzelner Unternehmen bewerten.

Stoiber: „Das wirkt wie die Abrißbirne“

Bayerns Ministerpräsident Stoiber wie auch die Grünen-Fraktionschefin Karin Göring-Eckardt nutzten ihre Auftritte beim politischen Aschermittwoch zu scharfen Seitenhieben auf das Geldhaus. „Wenn man Milliardengewinne macht und gleichzeitig verkündet, man stellt 6000 Leute aus, dann ist das eine Geschmacklosigkeit, eine Unfähigkeit“, kritisierte Stoiber in Passau. Solch ein Vorgehen müsse dann auch von der Politik kritisiert werden. Was die Deutsche Bank vorhabe, mache den Menschen keine Hoffnung, sagte Stoiber: „Das wirkt wie die Abrißbirne.“

„Ich halte es für unverantwortlich, gestern mit einem Victory-Zeichen herumzulaufen und dann zu sagen, daß jeder Zwölfte entlassen wird, weil man noch mehr verdienen will“, sagte Göring-Eckardt beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Biberach unter Anspielung auf das Siegeszeichen Ackermanns beim Mannesmann-Prozeß.

Thumann: Nicht nur Gewinnmaximierung

BDA-Präsident Hundt warnte allerdings vor pauschalen Verurteilungen: Mittelständler wie Großkonzerne seien sich ihrer sozialen Verantwortung bewußt und täten in der Regel „das Äußerste“, um Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, sagte er in Berlin. Ausnahmen gebe es jedoch immer. Die Ankündigung der Deutschen Bank, trotz eines Milliardengewinns Stellen zu streichen, wollte Hundt nicht bewerten.

„Es darf nicht verpönt sein, wenn einzelne Banken Gewinne erzielen, die es ihnen erlauben, international wieder in der ersten Liga zu spielen“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Edgar Meister der „Financial Times Deutschland“ laut Vorab-Bericht vom Mittwoch. Die Diskussion über den angekündigten Stellenabbau sollte rasch beendet werden. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte, Manager und Unternehmer dürften nicht ihr gesamtes Handeln dem Ziel der Gewinnmaximierung unterordnen. „Wir Unternehmer tragen auch eine soziale Verantwortung für unsere Gesellschaft.“

20.000 Stellen seit 2002 abgebaut

Kritik an der angekündigten Stellenstreichungen der Deutsche Bank zu einem Zeitpunkt, an dem das Institut von einem kräftigen Gewinnsprung berichtete, hatten in den letzten Tagen bereits prominente Politiker der rot-grünen Koalition geübt. Der Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland- Pfalz räumte ein, daß der Stellenabbau der Deutsche Bank schwer zu vermitteln sei. Die Deutsche Bank werde aber getrieben vom europäischen Wettbewerb. Sie müsse ihren Börsenwert durch eine höhere Rentabilität steigern, um strategischen Handlungsspielraum zu gewinnen und bei grenzüberschreitenden Fusionen eine aktive Rolle spielen zu können.

Die Deutsche Bank hat angekündigt, weltweit 6400 Stellen abbauen, aber auch 1200 neue Stellen schaffen, allerdings in Niedriglohnländern. Der Großteil der Stellen soll im Ausland gestrichen werden, vor allem bei Investmentbankern. Seit dem Amtsantritt von Ackermann 2002 wurden rund 20.000 Stellen abgebaut. Derzeit beschäftigt der Konzern gut 65.000 Mitarbeiter, davon mehr als 27.000 in Deutschland.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und AFP
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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