Chronik

Eine lange Liaison zwischen Porsche und VW

03. März 2008 Porsche und Volkswagen sind eng miteinander verbunden. Der legendäre VW-Käfer wurde von Ferdinand Porsche Ende der dreißiger Jahre entwickelt. Sein Enkel Ferdinand Piëch, der viele Jahre den VW-Konzern leitete, ist dort heute Vorsitzender des Aufsichtsrates. Zugleich kontrolliert er als Mitglied der Familie Porsche den Stuttgarter Automobilhersteller. Wichtige Stationen dieser langen, gemeinsamen Geschichte:

1931: Ferdinand Porsche gründet in Stuttgart ein Konstruktionsbüro. Er legt damit den Grundstein für den gleichnamigen Sportwagenhersteller.

1938: Bei Fallersleben (heute Wolfsburg) in Niedersachsen werden die ersten Hallen für den Bau des Volkswagens unter Leitung von Porsche errichtet. Sein Schwiegersohn Anton Piëch wird dort Werksleiter.

1960: Volkswagen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Niedersachsen wird größter Aktionär. Die Vorherrschaft des Landes sichert das VW-Gesetz.

1972: Anton Piëchs Sohn Ferdinand wechselt als Ingenieur zur VW-Tochter Audi

1.1.1993: Ferdinand Piëch, der Enkel von Ferdinand Porsche, wird Vorstandsvorsitzender von Volkswagen.

24.4.2002: Piëch wechselt vom Vorstandschef an die Spitze des Aufsichtsrates

25.9.2005: Porsche gibt bekannt, mit rund 20 Prozent bei Volkswagen einzusteigen. Das Ziel einer Aktienmehrheit wird dementiert: „Unser Investment ist die strategische Antwort auf das Risiko einer feindlichen Übernahme von Volkswagen“, heißt es in einer Erklärung.

9.12.2005: Porsche hält 18,5 Prozent der Anteile. Eine Sperrminorität werde, so Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, nicht angestrebt.

23.6.2006: Porsche will seinen Anteil an VW auf 25,1 Prozent aufstocken. Anders als bei anderen Aktiengesellschaften ist damit noch keine Sperrminorität erreicht, denn das VW-Gesetz beinhaltet eine Stimmrechtsbegrenzung bei 20 Prozent. Es wird allerdings allgemein damit gerechnet, dass der Europäische Gerichtshof das VW-Gesetz 2007 zu Fall bringt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Porsche 3,5 Milliarden Euro für VW aufgewendet.

2.8.2006: Im Gegensatz zu seinem Mitaktionär Niedersachsen dringt Porsche auf eine rasche Aufhebung des VW-Gesetzes. Ministerpräsident Christian Wulff sieht einen Interessenskonflikt bei Piëch in dessen Rollen als VW-Aufsichtsratschef, Porsche Aktionär und Porsche-Aufsichtsrat.

6.11.2006: Porsche will die Beteiligung an VW erhöhen. „Wir schließen nicht aus, bis 29,9 Prozent zu gehen“, verkündet ein Sprecher Unternehmens.

5.10.2006: Volkswagen erwirbt 15 Prozent am Lastwagenbauer MAN. Der Anteil wird bis Februar 2007 auf 29,9 erhöht.

7.12.2006: VW kündigt den Wechsel von Pischetsrieder zu Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzender des Konzerns zum 1. 1. 2007 an.

13.2.2007: EU Generalanwalt Damazo Ruiz-Jarabo Colomer beantragt, einer Klage der Europäischen Kommission gegen das VW-Gesetz stattzugeben. Gleichzeitig gibt Ministerpräsident Wulff den Widerstand gegen Piëch als Aufsichtsratsvorsitzenden auf. Er soll im April abermals als Aufsichtsratschef für weitere fünf Jahre gewählt werden.

24.3.2007: Porsche greift nach der vollständigen Macht beim Volkswagenkonzern. Dazu hat Porsche am Samstag überraschend ein Übernahmeangebot angekündigt. Porsche will zunächst 31 Prozent der Aktien kaufen. Den VW-Aktionären bietet Porsche den gesetzlich festgeschriebenen Mindestpreis von 100,92 Euro je Aktie. Dieser liegt deutlich unter dem jüngsten Kurs von 117 Euro. Eine komplette Übernahme sei deshalb unwahrscheinlich und im Moment auch nicht geplant, erläuterte ein Porsche-Sprecher.

4.5.2007: Die Aktionäre von Porsche beschließen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Gründung der europäischen Aktiengesellschaft Porsche Automobil Holding SE. In der neuen Holdingstruktur soll die VW-Beteiligung überführt werden.

23.10.2007: Der Europäische Gerichtshof verwirft das deutsche VW-Gesetz, das der öffentlichen Hand Sonderrechte an dem Wolfsburger Autokonzern sichert. Das Bundesjustizministerium kündigt eine schnelle Änderung des Gesetzes an. Porsche hat nun freie Fahrt bei der Übernahme. Wiedeking begrüßt das Urteil: „Wir sind daran interessiert, unsere Stimmrechte auch voll ausüben zu können“. Niedersachsen kündigt an, seine Kapitalbeteiligung von knapp 21 Prozent zu halten.

26.10.2007: Die Große Koalition beabsichtigt, das VW-Gesetz wiederzubeleben. Sie plädiert dafür, in einem neuen Gesetz, der IG-Metall und dem Land Niedersachsen Vetorechte einzuräumen.

13.11.2007: Porsche hat in Stuttgart seine neue Holding nach europäischem Recht in das Handelsregister eingetragen. Die Porsche Automobil Holding SE hält nun das operative Geschäft von Porsche und die Beteiligung an Volkswagen in Höhe von 31 Prozent.

20.2.2008: Porsche bereitet die Aufstockung der Anteile am VW-Konzern vor. Eine Kreditlinie von 10 Milliarden Euro sei voll ausgeschöpft, teilte das Stuttgarter Unternehmen mit, ohne aber einen klaren Zweck für den Kredit zu benennen.



Text: Hans-Josef Susenburger, F.A.Z.-Archiv
Bildmaterial: AP

 
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