01. April 2008 In der Führungsmannschaft der von Milliardenlöchern gebeutelten Münchner Bayern LB geht das Stühlerücken weiter. Nach Informationen der F.A.Z. aus Finanzkreisen wird Gerhard Gribkowsky, der für das Risikomanagement verantwortliche Vorstand der zweitgrößten deutschen Landesbank, von seinem Posten abberufen. Der Verwaltungsrat der Bank wird sich an diesem Mittwoch mit der Personalie befassen. Am Donnerstag findet die mit Spannung erwartete Bilanzpressekonferenz der Bayern LB statt. Der neue Vorstandschef Michael Kemmer will dort die bisherigen Belastungen aus der Kreditmarktkrise beziffern.
Es sei bis Ende März mit Schäden von knapp mehr als vier Milliarden Euro zu rechnen, hieß es am Dienstag in Finanzkreisen. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein hatte bereits am Wochenende in einem Interview eine solche Größenordnung als möglich“ bezeichnet. Die Bank selber hat bisher ihre Belastungen bis Ende 2007 mit lediglich 1,9 Milliarden Euro beziffert.
Gribkowsky, Jahrgang 1958, ist binnen weniger Wochen der zweite Vorstand der Bayern LB, der seinen Posten räumen muss. Im Februar trat bereits Vorstandschef Werner Schmidt wegen der Kreditmarktkrise zurück. Auch der oberste Risikomanager Gribkowsky wird nun offenbar für die Milliardenschäden der Bank verantwortlich gemacht. Zudem gilt sein Verhältnis zum Verwaltungsratsvorsitzenden der Bayern LB, Siegfried Naser, als zerrüttet.
Gribkowsky, der seit 2003 im Vorstand sitzt und zuvor lange für die Deutsche Bank gearbeitet hat, soll sich heftig gegen einen von Naser favorisierten Zusammenschluss der Bayern LB mit der Stuttgarter Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gestemmt haben. Naser ist Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, dessen Mitgliedern die Bank zur Hälfte gehört. Auch Kemmer liebäugelt mit der LBBW. Gribkowsky hatte sich außerdem offenbar Hoffnungen gemacht, selbst die Nachfolge Schmidts anzutreten.
Text: da./theu./F.A.Z.
Bildmaterial: Bayern LB
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